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Rückkehr des Dekorativen in der Architektur, Kunst, Design, Architektur, Fassade, Ornament

Die Rückkehr des Dekorativen

"Das Ornamentale verschwindet nicht, es nimmt bloß andere Formen an", Dieter Brell von 3deluxe spricht aus, was bei der DETAIL-Veranstaltung am 11. Dezmber 2008 im Architekturmuseum Frankfurt schon den ganzen Tag in der Luft lag.

Wie ein roter Faden zieht sich diese These zunächst unterschwellig durch die gesamte Veranstaltung. Anhand von Projekte die 3deluxe seit 1996 realisiert hat, wie zum Beispiel den Cocoon Club von Sven Väth in Frankfurt, oder das Leonardo Gebäude, zeigt er digitale Projektionen, virtuelle Räumlichkeiten, zwei- und dreidimensionale Ornamente, Überlagerungen und Transluzenz.

Ist die neue Ornamentik wirklich digitale Projektion? Das Auditorium von 140 Teilnehmern aus den Bereichen Architektur, Kunst, Design und Industrie ist sich nicht einig, wie sie diese zum Teil wild erscheinenden Projektionen in zwei und drei Dimensionen gegenüber den bisherigen Ausführungen einorden soll.

Denn gegen die Vielfalt und die Ausweitung des Begriffes des Ornaments stehen die Ausführungen von Petra Schmidt von Schmidt & Fogelberg (Frankfurt), die am Vormittag in die Thematik des Ornaments einführte. Das Ornament an sich war bei ihr viel klarer definiert, wenngleich sie auch die Zukunft im digitalen Muster sieht.

Frank Barkow klärte im Anschluß mit "out-sourcing I in-sourcing I re- sourcing" über Quellen und Potenziale auf und bringt spannende Einblicke in Formfindungs- und Entwicklungsprozesse des Büro's Barkow Leibinger. Für ihn steht das Dreieck: practice + academic+ research an allererster Stelle der Prozesse. Denn in der Zusammenarbeit dieser Komponenten liegen die wirklich neuen Möglichkeiten.

Wie in einem Versuchs- und Forschungslabor begibt er sich mit seinem Team auf Spurensuche. Heraus kommen Projekte, wie das Lasercutting in Bezug auf die Werkhalle in Schweden, bei der sich die Fassade aus aufgesägten, gefrästen, verformten Rohren mit Wind und Licht in ständigem Wandel befindet. Diese Rohre kennt man auch aus seinem „Nomadic Garden“, gesehen auf der Biennale.

Wolfgang Lorch von Wandel Hoefer Lorch Architekten + Stadtplaner aus Saarbrücken ergründet die Potenziale struktureller Form. Der Versuch der Vereinzelung des Elelentes hin zum haptischen Element als Kern der Arbeit, zeigt er am Börneplatz in Frankfurt am Main. Das spirituelle Stimmungen nicht nur durch zweidimensionale Ornamente und Bilder transportiert werden kann, sondern durchaus auch durch eine Fassade, zeigt er dem Auditorium anhand des Inneren der Laterne der Ohel Jacob Synagoge in München.

Innovative Maschinentechnik eröffnet hier eine ganz neue Ästhetik für die Fassade und ihre Ornamentik. Von dieser technischen Seite betritt auch Alexander Reichel, von Reichel Architekten aus Kassel das Feld. "Von der Technik zur Oberfläche" beschreibt seine Wege und Perspektiven in Hinblick auf die neue Ästhetik der Oberfläche.

Zur digitalen Materialität berichten Fabio Gramazio und Matthias Kohler von Gramazio und Kohler Architekten in Zürich über ihr Labor mit Studierenden der ETH.

Rob, der Roboter eröffnet ganz neue Möglichkeiten in der Herstellung und der Genauigkeit der Ausführung. Kein Mensch kann sich mit Robs können messen!

Natürlich aber muss er zuerst programmiert werden – von Menschenhand - , bevor er den digitalen Entwurf in die Realität umsetzen kann. Ist es aber so weit, geht es zack, zack, zack - ein Stein auf den anderen und zusätzlich auch noch höchstpräzise. Es entstehen sich selbst stützende Wände, am Computer berechnet, und vom Roboter präzise umgesetzt. Durch die Aufsplitterung bietet die dabei entstehende Struktur eine besonders ästhetische Oberfläche mit verschiedenste Reflektionen des Lichts. Unglaublich was alles bereits möglich ist.

Fazit: Das Zitat von Adolf Loos 1902: "Evolution der Kultur ist gleichbedeutend mit dem Entfernen des Ornamentes aus dem Gebrauchsgegenstande." muss revidiert werden.

Die neuen Muster sind nicht floral oder verschnörkelt, sie scheinen derzeit in erster Linie geometrisch und streng und entwickeln ihren Reiz aus den digitalen und technischen Möglichkeiten.

Die Verschmelzung oder der Austausch zwischen Kunst, Design und Architektur, Technik und Informatik, die Einrichtung von Versuchslaboren zum Erproben der neuesten Technologien und das Potenzial maschineller Produktion und digitaler Projektion leisten eine neue Ornamentik. Interdisziplinarität ist gefragt!

Die Rückkehr des Dekorativen war eine gelungene Veranstaltung die spannende Einblicke vermittelte. Sie regt den weiteren Entwicklungsprozess an und macht neugierig auf das neue, das gewandelte, das andersartige Ornament.

schattdecor und First Graphics sind Partner der Veranstaltung

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