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Die Welt des Wohnens in Louisiana

Schlicht „Living“ heißt die diesjährige Sommerausstellung des Louisiana Museum of Modern Art bei Kopenhagen, die Ende Mai eröffnet wurde. Sie zeigt einen bunten Reigen von Kunstinstallationen, architektonischer Selbstdarstellung, sozialem Aktivismus und philosophischer Reflexion – aber sie stellt nur wenige wirklich neue Fragen an das jahrtausendealte Thema des Wohnens.

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Arne Quinze

Unter dem Titel „Frontiers of Architecture“ zeigte das Louisiana Museum of Modern Art in den vergangenen Jahren drei Ausstellungen, die, wenngleich inhaltlich nur lose miteinander verknüpft, Grenzbereiche der Architektur ausloten sollten. Die erste, „Cecil Balmond. The Hidden Order“ befasste sich mit der Beziehung zwischen Mathematik und Bauwerken, die zweite, „Green Architecture for the Future!“, pünktlich zum Kopenhagener Klimagipfel mit dem Mega-Trend von Ökologie und Klimaschutz im Bauwesen. Für die dritte und letzte Ausstellung in der Reihe hat sich das Team um den Kurator Kjeld Kjeldsen nun mit „Living“ (Wohnen) eines rundherum zeitlosen Themas angenommen.

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Atelier Bow-Wow

Wie schon die Vorgänger-Ausstellungen präsentiert sich „Living“ als bunter Mix aus Modellen, Schautafeln und Rauminstallationen, die von Architektur ebenso sehr wie von Kunst und allem, was dazwischen liegt, handeln. Im Freibereich des Museums zieht zunächst „My Home My House My Stilt House“ von Arne Quinze die Blicke auf sich. Wie zuvor schon bei zahlreichen anderen Gelegenheiten hat der belgische Designer auch hier eine Großskulptur aus Holzlatten geschaffen, die den so meisterhaft in die Uferlandschaft eingebetteten Museumskomplex um einiges überragt.

Drei weitere Installationen profilierter Architekten sind in den größtenteils unterirdisch gelegenen Ausstellungsräumen des Museums zu finden: Der Japaner Sou Fujimoto schuf eine Reihe konzeptioneller Skulpturen, die seine Meisterschaft im Umgang mit raumbildenden Strukturen zeigen. BIG präsentieren ein großformatiges Modell ihres derzeit in New York geplanten Wohnhochhauses „West 57“ und Rintala Eggertsson Architects gestalteten einen ganzen Raum mittels Einbauten aus thermisch behandeltem Holz, Tierfellen und anderen Naturmaterialien sowie indirekter Beleuchtung zu einer mystisch anmutenden Meditations-Höhle um.

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WAM architecten

Die Ausstellung selbst ist in drei Themen gegliedert – „The Dream“, „Cell/Network“ und Homeland“. Stark vereinfacht, handelt das erste von Wohn-Träumen und ihren sozialen Konnotationen, das zweite von der Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft und das dritte von der Dualität zwischen Haus und Heim – also zwischen Architektur und dem, was die Bewohner aus ihr machen.

Lose mit den drei Themenfeldern verbunden sind drei „Fallstudien“, in denen eigene Kuratorenteams vertiefendes Material zu Einzelphänomenen zusammengetragen haben. Bart Goldhoorn steuerte eine umfangreiche Materialsammlung zu Städtebau und Wohnen in Russland bei und die Künstlergruppe T.A.M.A. eine Dokumentation der Wohnkultur der Roma. Nikolaus Hirsch und Michael Müller präsentieren in ihrer Fallstudie den „Cybermohalla Hub“ – eine sich über das Internet organisierende Entwerfer- und Aktivistengruppe in Indien, die mithilfe von Text-, Video- und Tonaufzeichnungen eine Art digitales Archiv des indischen Alltagslebens zu entwickeln sucht.

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Sanei Hopkins Architects

Trotz der Materialfülle muten die Kernthemen, die die Ausstellung diskutiert, eher vertraut an. Und bei genauerem Hinsehen bewegen sich auch viele der präsentierten Gebäude und Entwürfe inhaltlich auf ausgetretenem Terrain. Interessant wird „Living“ überall dort, wo die Ausstellung das reale Leben dokumentiert und die Gemeinplätze des Architekturdiskurses hinter sich lässt. Das ist etwa bei den Dokumentarfilmen über die „Cage Homes“ von Hong Kong der Fall – buchstäblichen „Käfigwohnungen“ mit je vier Quadratmetern Grundfläche, eingebaut und übereinandergestapelt in bestehenden Wohn- und Bürogebäuden, in denen die untersten Hunderttausend in der südchinesischen Wirtschaftsmetropole hausen. Oder die Dokumentation über Leben und Dauermigration der Roma in Europa, die zuletzt durch ihre versuchte Vertreibung aus Frankreich wieder in den Schlagzeilen waren. Durchaus sehenswert auch die Beiträge des japanischen Architekturbüros Atelier Bow-wow: Sie verdeutlichen, dass architektonischer Erfindungsreichtum gerade auf kleinsten Flächen echte typologische Neuerfindungen hervorbringen kann – sofern er denn nicht von Fragen des Geschmacks und der vermeintlich „guten Gestaltung“ gehemmt wird.

Frontiers of Architecture III-IV: Living
Ausstellungsdauer 1.Juni-2.Oktober 2011
Ausstellungsort
Louisiana Museum of Modern Art
Gl. Strandvej 13
DK-3050 Humlebæk
www.lousiana.dk

Weitere Informationen zur Ausstellung

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