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Die Zukunft der Solararchitektur: Kongress "Bauhaus.Solar" in Erfurt

Zum zweiten Mal fand am 11. und 12. November in Erfurt der Kongress „Bauhaus.Solar“ statt. Dass ausgerechnet Deutschlands vielleicht traditionsreichste Architekturuniversität sich so intensiv mit der energetischen Zukunft des Bauens befasst, hat auch regionalpolitische Gründe: Thüringen gehört zum „Solar Valley Mitteldeutschland“, einem der weltweit führenden Standorte der Solartechnologie weltweit.

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Veranstalter von „Bauhaus.Solar“ sind die Bauhaus-Universität Weimar und der Verein SolarInput e.V., eine Interessenvertretung vor allem der Photovoltaikhersteller in Thüringen mit Sitz in Erfurt. Entsprechend rege war bislang auch das Interesse der Solarindustrie an dem Kongress, vor allem was den Dialog mit Architekten über künftige Möglichkeiten der gebäudeintegrierten Photovoltaik betrifft. Doch „Bauhaus.Solar“ tat gut daran, sich nicht zu einer Ein-Themen-Konferenz zu entwickeln: Breit gefächert waren die Themen, mit denen sich die Referenten während der beiden Tage befassten, und manchmal nur recht vage die Zuordnung zu den drei Hauptthemen „Architektur und solare Bauelemente“, „Energieeffizientes Bauen und Sanieren“ sowie „Stadtentwicklung und soziologischer Wandel“. So konnte es vorkommen, dass in einer der dreiteiligen Vortrags-Sessions nacheinander über die Raumluftqualität in hoch energieeffizienten Gebäuden, über die Beiträge zum Studentenwettbewerb „Bauhaus.SOLAR“ sowie über rechtliche Bedingungen für den Betrieb von Photovoltaikanlagen referiert wurde. Dem Mitveranstalter Bauhaus-Universität war es zu danken, dass bei aller Vielfalt nie die Hauptzielgruppe Architekten aus dem Blick geriet.

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Als inhaltlicher Leitfaden, der die Diskussionen während des Kongresses umschreibt, können zwei Zitate dienen, auf die sich die Referenten immer wieder bezogen: zum einen Mies van der Rohes „Architektur ist raumgefasster Zeitwille“ und zum anderen der Satz „form follows energy“ des in Graz lehrenden Ingenieurs Brian Cody, einem der Hauptreferenten des ersten Kongresstags. Denn eben hierum geht es: Architektur aus dem Bereich des oftmals Willkürlichen oder rein ökonomisch Begründeten zu lösen und sie wieder zu einem „Problemlöser“ für drängende Fragen zu machen. Gerade durch ihren direkten Bezug auf Energiefragen habe die Architektur, so Jörg Gleiter, Professor an der Freien Universität Bozen, wieder die Chance, ins „Zentrum des gesellschaftlich Relevanten“ zu rücken, wo sie zu Zeiten des Bauhauses in den 20er-Jahren schon einmal stand.

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Referiert wurde bei „Bauhaus.Solar“ unter anderem über: technische Neuerungen in der Solartechnologie, die zu erwartenden Entwicklungen bei erneuerbaren Energien und Energiepreisen, über den bevorstehenden ersten „Solar Decathlon Europe“, einen Studentenwettbewerb in Madrid und über die Potenziale der Elektromobilität. Dieter Genske von der Fachhochschule Nordhausen zeigte auf, welche Möglichkeiten Städte besitzen, ihren Energiebedarf „intra muros“, also auf dem eigenen Stadtgebiet, regenerativ zu decken. Die in Jordanien lebende Architektin Florentine Visser und Tillmann Heuter von der RWTH Aachen zeigten anhand eigener Projekte, wie sich selbst im Wüstenklima am Roten Meer und in entlegenen Regionen des Himalaya äußerst energieeffiziente, solar versorgte Gebäude errichten lassen. In andere Klimazonen entführte die Kongressbesucher auch der Dokumentarfilm „Natur ist Zukunft – Niedrigenergiehäuser in der Mittelmeerregion“ des Regisseurs Marcel Seyppel. Sein Beitrag machte deutlich, dass Mitteleuropa zwar Schrittmacher ist für das nachhaltige Bauen in der Welt, die größten Potenziale jedoch in ganz anderen Gebieten mit anderen Bautraditionen und finanziellen Spielräumen beim Bauen liegen.

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Die Neuauflage des Kongresses hat Lust auf mehr gemacht, zumal Veranstaltungen zum Thema mit ähnlich klar umrissener Zielgruppe noch immer rar sind in Deutschland. In gewisser Weise kann „Bauhaus.SOLAR“ auch als Gegengewicht zum Passivhaus-Kongress begriffen werden, der im kommenden Mai in Dresden stattfindet: Solares Bauen, so wurde in Erfurt immer wieder deutlich, ist mehr als nur gute Dämmung und die Nutzung passiver Wärmegewinne. Es eröffnet Architekten auch größere gestalterische Spielräume als die oftmals als Einengung begriffenen Regularien des Passivhausstandards. Statt Gebäude immer weiter dämmen zu lassen, so der Tenor vieler Teilnehmer, müsse auch der Gesetzgeber in der nächsten Novelle der EnEV 2012 auch die erneuerbaren Energien in weit stärkerem Maß berücksichtigen als bisher.

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