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Durchbruch für Recycling-Beton? - Pilotprojekt in Ludwigshafen

Auf den ersten Blick nicht von einem konventionellen Bauträgerprojekt zu unterscheiden: die Planung für eine Wohnanlage am Rheinufer Süd in Ludwigshafen. Und doch soll ein Gebäudeteil, das im Innenbereich angeordnete Gästehaus des Ensembles, den Durchbruch des Baumaterials Recycling-Beton in Deutschland bewirken. Als erstes Gebäude in Deutschland hat es Wänden aus Recycling-Beton.

Obwohl Deutschland als rohstoffarmes Land in vielerlei Hinsicht als Vorreiter in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit gilt, sind derzeit im Bausektor keine hochwertigen mineralischen Baustoffe mit sekundären Rohstoffen zu finden. Von den 50 Millionen Tonnen Bauschutt, die hierzulande bei Umbau und Abriss jährlich anfallen, werden zwar etwa 90 Prozent recycelt – sie landen aber zum Großteil im Straßen- und Tiefbau. Kies ist ein billiger Baustoff und scheinbar lohnt es nicht, ihn durch Recyclingmaterial zu ersetzen. Das sieht man in anderen Ländern nicht so: Der am Projekt beteiligte Ifeu-Mitarbeiter Florian Knappe betont, dass in der Schweiz die Stadt Zürich die private Nachfrage nach Recyclingbeton angestoßen habe, indem sie bei der öffentlichen Vergabe von Bauaufträgen vorangegangen sei.

Das Gästehaus des Immobilienunternehmens GAG Ludwigshafen wird bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt DBU, die mit Fördermitteln beteiligt ist, als „Projekt zur Markteinführung des RC-Betons“ geführt. Es wird untersucht, unter welchen Rahmenbedingungen der Baustoff erfolgreich auf dem Markt etabliert werden kann. Neben den praktischen Voraussetzungen für den technischen Einsatz beurteilt der DBU die Gesichtspunkte Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz. Das Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung der Brandenburgischen Technischen Universität BTU Cottbus und des Instituts für Energie und Umweltforschung ifeu in Heidelberg soll – nach Vorbild der Stadt Zürich – einen Impuls für Metropolregion Rhein-Neckar geben.

Grafik: Seepe und Hund, Kaiserslautern

Die Planung des Kaiserslauterner Büros Seepe und Hund für die Wohnanlage mit Büro- und Gewerbeeinheiten in Passivhausstandard zeigt drei individuell ausgebildete Baukörper. Da die Anforderungen für konventionellen und Recycling-Beton analog sind, haben sich für die Architekten bei der Planung des dreigeschossigen Gästehauses keine zusätzlichen Fragestellungen ergeben, wie Christian Seepe bestätigt.

Jedoch musste der Prozess der Betonherstellung angepasst werden. Im Vorfeld des Bauvorhabens wurden neue Betonrezepturen erarbeitet, die das gesamte Spektrum der klassischen Betonsorten umfassen, dabei aber möglichst wenig auf Primärrohstoffe zurückgreifen. Bei dem Ludwigshafener Projekt konnten 25 Prozent der Zuschläge durch Recyclingmaterial ersetzt werden. Laut Knappe bestehen aber noch weitere Spielräume zur Optimierung des Ressourceneinsatzes. Sicherlich weist das Projekt in eine richtige Richtung, aber es bleiben durchaus noch Fragen offen. Beispielsweise, wie zu werten ist, dass die benötigen wiederverwerteten Steine mehr Zement benötigen als Kies, die Zementproduktion aber viel klimaschädliches CO2 frei setzt.

zur Website zum Projekt
zur Fachgruppe bauliches Recycling der BTU Cottbus

An dem Vorhaben beteiligte Unternehmen und Institute:

ifeu
gag-ludwigshafen
seepe und hund
scherer-kohl
tbs-transportbeton
eberhard

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