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Durchlässiger Block: Wohnungsbau in der Seestadt Aspern

Die Seestadt Aspern am östlichen Rand von Wien ist das größte Stadtentwicklungsprojekt Österreichs. Nach dem Masterplan des schwedischen Büros Tovatt Architects & Planners entsteht hier ein urbaner Stadtteil für rund 20 000 Einwohner mit einer dichten, blockartigen Bebauung und einem See als Zentrum. Unter den bisher fertiggestellten Gebäuden fällt der Wohnungsbau von Berger+Parkkinen und querkraft architekten ins Auge – zum einen durch seine für diese Größe ungewöhnliche Holzfassade, zum anderen durch die interessante Mischung aus Zeilen- und Blockrandbebauung.

Basierend auf einer Kammstruktur, reihen sich die Wohnungen wie Perlen an einer Kette beidseitig an drei Erschließungssträngen auf und orientieren sich entweder nach Osten oder nach Westen. Jedoch befinden sich zwischen einzelnen Wohneinheiten immer wieder unterschiedlich große Lücken, sodass die langen Riegel des Kamms in kleinere, gestaffelte Baukörper unterteilt sind. Dadurch entstehen innerhalb des Blocks vielseitige Freiräume und Blickbeziehungen. Mittig durchzieht ein breiter »Canyon« als multifunktionaler Spiel- und Treffpunkt den Block und durchschneidet die höher gelegene Hügellandschaft, die sich als begrünter Teppich um die privaten Terrassen legt. Auch die Erschließungsgänge bieten ein abwechslungsreiches Raumerlebnis, da sie je nach Situation zwischen geschlossenem Flur, Laubengang und offenem Steg hin- und herwechseln.
 
Die serielle Grundstruktur aus gleich tiefen, aber unterschiedlich breiten Wohneinheiten ermöglichte es, eine Vielzahl verschiedener Wohnungstypen anzubieten und so eine sozial gemischte Bewohnerstruktur zu erreichen. Insgesamt entstanden 213 verschiedene 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen mit Größen von 42 bis 110 Quadratmetern. Ein Sondertyp sind die Maisonettewohnungen im Erdgeschoss: Sie sind als Atelierwohnungen konzipiert und lassen einen fließenden Übergang von Büro- bis Wohnnutzung zu. Gemeinsam mit acht Geschäften an der Maria-Tusch-Straße und verschiedenen Gemeinschaftsräumen bilden sie eine halböffentliche Sockelzone, die sich in den beiden Untergeschossen mit Fahrrad- und Autostellplätzen fortsetzt.

Für die Umsetzung haben die Architekten eine Mischkonstruktion aus Beton und Holz gewählt und so die Vorzüge des jeweiligen Baustoffs ausgenutzt. Der Stahlbetonskelettbau übernimmt die Lastabtragung und ermöglicht dank zentraler Versorgungsschächte flexible Grundrisse, die auch im Nachhinein noch verändert werden können. Selbst die Wohnungstrennwände sind in Trockenbauweise ausgeführt. Die Entscheidung für die vorgefertigte Holzelementfassade fiel primär aus ökologischen Gründen; aber auch in der Vorfertigung liegen zahlreiche Vorteile wie hohe Ausführungsqualität und rasche Montage.

Die beiden Materialien Holz und Beton bestimmen auch das äußere Erscheinungsbild: Während die Lärchenholzschalung die Fassadenflächen gleichmäßig überzieht – gegliedert durch horizontale Bänder aus Blech, die den Brandüberschlag verhindern sollen, – wirken die weit auskragenden, unregelmäßig verteilten Loggien und Balkone aus Stahlbetonfertigteilen als starker Akzent und verleihen der Fassade eine spielerische Note.

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Weitere Informationen:

Freiraumplanung: idealice Landschaftsarchitektur, Wien
Statik: Lackner + Raml Ziviltechniker, Wien
Holzbau: lc buildings gmbh, Wien; Weissenseer Holz-system-bau, Greifenburg

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