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Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität – Ein Zwischenbericht

Sozialwissenschaftliches Monitoring des Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität in Berlin – Erkenntnisse für Bauen, Wohnen und Mobilität der Zukunft: Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat im Rahmen der Forschungsinitiative "Zukunft Bau" die Entwicklung von klimaneutralen, energetisch hoch effizienten Bau- und Elektromobilitätskonzepten initiiert. Das "Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität" verwirklicht diesen Ansatz beispielhaft, indem es innovative Entwicklungen aus der Bau- und Fahrzeugtechnik miteinander kombiniert. Seit März 2012 testet eine vierköpfige Familie das Leben im Modellprojekt.

Foto: Schwarz

Das Haus erzeugt in der Jahresbilanz mehr Energie als eine vierköpfige Familie für Haushalt und Gebäudebetrieb verbraucht. Ermöglicht wird dies durch die Ausstattung mit modernster Photovoltaik- und Energiemanagementtechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnologien, die eine intelligente und effiziente Energienutzung unterstützen. Überschüssige Stromerträge können so für die Elektromobilität (Autos, Pedelecs) genutzt werden. Hierfür stellen deutsche Automobilhersteller jeweils für drei Monate ihre Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Eine weitere Besonderheit ist, dass das Gebäude nach der Projektphase komplett in seine Einzelbestandteile zerlegt und recycelt werden kann.

Das zweistöckige Einfamilienhaus liegt zentral im Westberliner Bezirk Charlottenburg. Es verfügt über eine Wohnfläche von etwa 130m², auf denen drei Schlafzimmer, zwei Badezimmer, ein Hauswirtschaftsraum und ein großer Wohnraum mit integrierter Küche untergebracht sind. Vor dem Haus befindet sich eine überdachte Park- und Lademöglichkeit für die Elektrofahrzeuge. Weitere Informationen zum Objekt finden Sie hier 

Ende vergangenen Jahres wurde eine vierköpfige Familie ausgewählt, die seit März 2012 für 15 Monate im Haus der Zukunft wohnt. Während dieses Zeitraums soll neben dem messtechnischen auch ein sozialwissenschaftliches Monitoring relevante Erkenntnisse zum Leben im Effizienzhaus Plus liefern. Mit diesem Projekt wird zum ersten Mal in der Bundesrepublik ein Praxistest zur effizienten Nutzung von Energie im Zusammenwirken von Architektur und Mobilität durchgeführt.

Foto: BMVBS

Die Auswahl der Familie

Für die Auswahl der Familie hat das Berliner Institut für Sozialforschung in Abstimmung mit dem BMVBS ein Anforderungsprofil für die potentiellen Bewohner erstellt und in verschiedenen Medien einen Aufruf zur Bewerbung platziert. Insgesamt 132 Familien haben sich daraufhin beworben. Die Auswahl der künftigen Bewohner des Effizienzhauses erfolgte mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Kriterien und Methoden in einem mehrstufigen Verfahren. Die Bewerbungsfragebögen und Motivationsschreiben dienten als Grundlage zur Vorauswahl potentieller Bewohner. Hier war insbesondere der Abgleich mit dem Anforderungsprofil (z. B. Anzahl der Familienmitglieder, Alter der Kinder, Berufstätigkeit mindestens eines Elternteils) ein wesentliches Auswahlkriterium. In einem nächsten Schritt wurde nach weiteren Kriterien (z. B. Motivation zur Teilnahme) beurteilt und letztlich eine Auswahl von zehn möglichen Familien getroffen. Nach Auswertung aller Daten wählte Minister Peter Ramsauer schließlich im Dezember in einem öffentlichen Losverfahren eine Familie aus.

Ziele des sozialwissenschaftlichen Monitorings

Die sozialwissenschaftliche Evaluation hat sich zum Ziel gesetzt, Erkenntnisse zu Wohnqualität, Mobilität und Energieeffizienz zu gewinnen sowie die Alltagstauglichkeit der Technologien und die Auswirkungen der Technik auf Wohlbefinden und Lebensalltag zu erfassen. Auf Basis dieser Erkenntnisse können Standards für Produkte und Technologien, die die zukünftigen Anforderungen an Gebäude und Mobilität erfüllen und maximale Nutzerfreundlichkeit für Bewohner garantieren, entwickelt werden. Zudem kann das Ausmaß der Akzeptanz durch die Bewohner ein wichtiger Indikator für die Chancen des Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität auf dem Markt sein.

Fragestellung

Das qualitative sozialwissenschaftliche Monitoring hat folgende Fragestellungen:  

  • Passen das Konzept des Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität und die Nutzerwünsche zusammen?
  • Kann die Nutzerkompatibilität durch entsprechende Maßnahmen erhöht werden?
  • Sensibilisiert das Wohnen im Effizienzhaus Plus die Einstellung zu Umwelt und Ressourcen?
  • Treten Verhaltensänderungen im Hinblick auf den Energieverbrauch ein?
  • Inwiefern ist eine solche Wohnumgebung alltagstauglich?
  • Ist die darin verbaute Technik leicht und intuitiv nutzbar?
  • Gibt es Probleme an der Schnittstelle zur Elektromobilität?


Methodische Vorgehensweise

Wesentliche Erhebungsinstrumente sind:

  • qualitative Interviews jeweils kurz vor bzw. nach dem Ein- oder Auszug sowie dreimonatlich im Zeitraum dazwischen 
  • wöchentlich auszufüllende Logbücher, die Fragen zu Hausfunktionen, technischen Geräten, Nutzungsproblemen sowie ein Fahrten- und Aufladetagebuch (für die Elektroautos und Pedelecs) beinhalten
  • vierteljährlich auszufüllende Fragebögen zu Verhaltensweisen, Wohlbefinden, Einstellungen und Zufriedenheit der Familie


Erste Ergebnisse

Die bisherige Auswertung von Interviews und Logbüchern zeigt: Design, Atmosphäre und technische Möglichkeiten im Haus werden von den Bewohnern sehr positiv aufgenommen. Auch die Elektrofahrzeuge erfreuen sich großer Beliebtheit. Nicht nur die Pedelecs werden gerne genutzt, ebenso die beiden Elektroautos werden von der Familie – die bislang bewusst aus Umweltgründen kein eigenes Auto hatte – häufig und mit gutem Gewissen gefahren. Teile der Haustechnik und Ausstattung sind hingegen noch gewöhnungsbedürftig: Dazu gehören Lüftungsgeräusche, Trägheit bei der Temperaturregulierung sowie der Warmwasserzufuhr in manchen Räumen, trockene Luft, ein zu kleiner Kühlschrank sowie anfängliche Probleme mit einzelnen Bewegungsmeldern.

Ausblick

In Zukunft wird es immer mehr Energieeffizienzhäuser geben. Dafür ist die Entwicklung von Messstandards, die eine Vergleichbarkeit von Projekten gewährleisten, besonders wichtig. Dies gilt sowohl für das technologische als auch für das sozialwissenschaftliche Monitoring. Die Bereitstellung energieeffizienter, intelligenter Wohngebäude und Mobilität, bei gleichzeitiger Evaluation der Nutzung und Akzeptanz, ermöglicht die Entwicklung wissenschaftsbasierter, tragfähiger Bau- und Mobilitätskonzepte für die Zukunft. Dazu leistet das aktuelle Projekt einen wesentlichen Beitrag.

Weitere Informationen finden Sie hier 

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