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Boulderhalle, Holzbauweise, Holzfassade, Rudolf Hörmann

Ein Kletterfels aus Holz: Boulderhalle bei Erlangen als Holzelementbau

Das Nomen „boulder“ steht im Englischen eigentlich für einen Felsblock. Dass sich daraus auch ein (substantiviertes) Verb gebildet hat, hängt unter anderem mit einer Sportart zusammen, die sich immer mehr Beliebtheit erfreut. Wer bouldert, klettert an natürlichen oder künstlichen Wänden bis zu einer sicheren Absprunghöhe ohne Seil und Sicherung. Nicht aus Stein, sondern aus Holz ist eine neue, dieser speziellen Kletterdisziplin gewidmete Halle, die derzeit in der Nähe von Erlangen entsteht. Neben dem Material fallen auch die Gebäudeform und die Fassadengestaltung aus dem Rahmen. Das Boulderzentrum weist einen hexagonalen Grundriss auf sowie die besonderen Ausmaße von 14,5 m Höhe und 5500 m2 Nutzfläche auf fünf Ebenen. Die Außenhülle bildet eine um 77° gekippte Holzfassade mit diagonal verlaufenden Elementen aus Lärchenholz mit Wechselfalz.

Planung und Vorfertigung
Realisiert wird der Holzbau nach einem Entwurf der Bauherren von Blockhelden durch das Allgäuer Unternehmen Rudolf Hörmann, das sich auf den Bau von Gebäuden aus Holz, Stahl und in Hybridbauweise spezialisiert hat. Für Hörmann ist dies bereits die dritte Boulderhalle, allerdings die erste, die in so großzügigen Dimensionen geplant wurde. Im Januar 2021 begann die Vorfertigung der 14 x 24,7 m beziehungsweise der 14 x 16 m großen Fassadenelemente inklusive Fenster. Diese entstehen am Firmensitz von Hörmann in Buchloe. Für den Transport auf die Baustelle müssen die Elemente aufgrund ihrer Dimension in Einzelelemente mit den Maßen 14 x 4,20 m geteilt und anschließend auf der Baustelle wieder zusammengefügt werden.

Besonderes Brandschutzkonzept
Durch die Einstufung in die Gebäudeklasse 5 war für den Bau der Halle ein besonderes Brandschutzkonzept notwendig, das die Umsetzung der Holzbauweise überhaupt ermöglichte. Dabei wurde die Feuerwiderstandsfähigkeit des gesamten Holztragwerks auf F60 erhöht.  Das spezielle Brandschutzkonzept betrifft auch die Fassade: die Holzfassade der Boulderhalle wird über vertikale Stahlwinkel in kleine Abschnitte unterteil. Dadurch sollen eine horizontale Brandausbreitung und ein schlagartiges Entflammen der gesamten Fassade verhindert werden. Zudem sind zwei massive Treppenhäuser aus Stahlbeton in und zwei Außenstahltreppen an der Boulderhalle vorgesehen. Diese Außenstahltreppen mit einer Höhe von 12 m werden ebenfalls am Standort des Unternehmens Hörmann in Buchloe vorgefertigt.
Hinzu kommen Maßnahmen zur Rauchabführung. Das offene Raumkonzept im Inneren der Halle sieht nicht durchgehenden Decken vor. Aus diesem Grund wurden im Vorfeld Brand- und Entrauchungssimulationen durchgeführt, die eine effektive Reaktion auf Brandsituationen ermöglicht. Speziell dafür ausgelegte Anlagen auf dem Dach sorgen im Ernstfall für eine zügige Entrauchung. So können die Sportler ohne Probleme zu den Fluchttreppen gelangen. Zusätzlich verfügt die große Fensterfassade mit Lamellenfenstern über eine Zuluft- und Abluftfunktion in Verbindung mit den Lüftungsanlagen.

Moderne Planungsmethode, ökologische Bauweise
Aufgrund seiner Komplexität wurde das Gebäude auf Basis von BIM geplant. Die statische Konzeption, Planung und Fertigung übernahm Hörmann in Gänze. Nicht zuletzt beim hohen Vorfertigungsgrad kam die Erfahrung des Unternehmens zum Tragen. Der Gründer von Blockhelden Simon Brünner, der auch für den Entwurf der Boulderhalle verantwortlich ist, legte bei dem Projekt besonderen Wert auf eine ökologisch nachhaltige Bauweise. Dabei fällt dem Werkstoff Holz ein wichtiger Anteil zu. Im konkreten Fall werden laut Hersteller und Planer 1200 m3 Holz sowie Holzwerkstoffe verbaut und damit circa 1100 t CO2 der Umwelt entzogen. Im Herbst 2021 soll das Sportzentrum in die Nutzung übergehen.

Weitere Informationen: www.hoermann-info.com

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