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Ein Neubau mit Vorgeschichte: Villa Welpeloo in Enschede

Schon seit Jahren experimentieren 2012Architecten aus Rotterdam mit Bauten und Installationen aus Recyclingmaterialien. Nun haben sie mit der „Villa Welpeloo“ in Enschede das erste komplette Wohnhaus fertiggestellt, das weitestgehend aus Abbruchmaterialien und Reststoffen aus der Industrieproduktion besteht.

Villa Welpeloo, Enschede, 2012Architecten, TU Delft
2012Architecten

Eigentlich gibt es nichts, das vor der Experimentierfreude von Jeroen Bersma, Jan Jongert und Césare Peeren sicher wäre: Zu der vielbeachteten Ausstellung „Parasite Paradise“ 2003 in Rotterdam stellten sie einen Pavillon vor, der aus alten Waschmaschinenfronten, Autoreifen, Kühlschranktüren und Segeltuch bestand. Zwei Monate lang benutzten 2012 das temporäre Gebäude während der Ausstellung als Arbeitsraum; später diente es – leicht modifiziert – der TU Delft als Studenten-Cafeteria. Später konstruierten 2012Architecten Dachaufbauten aus alten Balkontüren, Poller aus ausrangierten LKW-Achsen und ein komplettes Ladeninterieur (Schuhgeschäft Duchi in Scheveningen) aus Auto-Windschutzscheiben und alten Holzlatten. Einen temporären Dachaufbau in Amsterdam-Ijburg verkleideten sie mit Edelstahlspülen aus Abbruchhäusern und gaben ihm den sinnfälligen Namen „Recycloop“ (von „Zyklop“, dem einäugigen Riesen aus der Odysseus-Sage, an den die Spülen rein optisch erinnerten). Für den Rotterdamer Club „Worm“ konstruierten sie einmal WC-Kabinen aus ausrangierten Trinkwasserkanistern.

Villa Welpeloo, Enschede, 2012Architecten, TU Delft
2012Architecten

Das bislang anspruchsvollste und langwierigste Projekt der Architekten aus Rotterdam ist jedoch zweifellos die Villa Welpeloo. Das Wohnhaus für ein kunstsinniges Paar sollte, so die Zielsetzung, weitestgehend aus Abbruch- und Abfallmaterialien errichtet werden, die im Umkreis von 15 Kilometern rund um den Bauplatz zu finden waren. Schließlich wollten die Architekten die durch das Recycling eingesparten Ressourcen nicht durch lange Transportwege anderweitig wieder verschwenden. Der Bauplatz hat seine eigene tragische Vorgeschichte: Enschede-Roombeek wurde 2000 durch die Explosion einer Feuerwerksfabrik weitgehend zerstört – was jedoch keineswegs bedeutet, dass die Villa ausschließlich aus den Trümmern der hier einstmals befindlichen Altbauten konstruiert wäre.

Villa Welpeloo, Enschede, 2012Architecten, TU Delft
2012Architecten

Das Zentrum des Neubaus bildet eine hohe und weitläufige Halle, von der aus sich die übrigen Räume in alle vier Richtungen erstrecken. Reichlich Wandfläche sollte vorhanden sein, um die Kunstwerke aufhängen zu können. Darüber hinaus dienen Teile einer alten Theaterkulisse zur Platz sparenden Lagerung von Gemälden. Die komplette Tragstruktur der Villa besteht aus den Stahlprofilen einer alten Textilmaschine. Als Verkleidung der Fassaden und Innenwände wurden Bretter aus alten Kabeltrommeln verwendet. Die Verglasung des Wintergartens bilden Produktionsabfälle aus einer nahe gelegenen Pilkington-Glasfabrik. Selbst die Dämmung besteht ausschließlich aus Produktionsabfällen: Ein Hersteller in der Region stellt Wohnwagenkarosserien mit Polystyroldämmung her. Dem Verschnitt, der bei der Herstellung der Fensterausschnitte anfällt, gaben 2012Architecten beim Bau der Villa Welpeloo einen neuen Verwendungszweck. Insgesamt, so schätzen die Architekten, besteht das Gebäude aus rund 70 Prozent wieder verwendeten Materialien.

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