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Ein stiller Ort für die Natur – Ausstellungs- und Informationszentrum in Wyoming

Im Nordwesten von Wyoming, USA liegt der Grand Teton National Park. Hier besaß die Familie Rockefeller Land, das sie dem National Park Service, der Verwaltung der National Parks, in mehreren Schritten schenkte. Die Stiftung des letzten Areals erfolgte durch Laurance S. Rockefeller, der sich
sein Leben lang dafür eingesetzt hatte, die Schönheiten der Natur einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er verband die Übergabe mit folgender Auflage: Auf dem etwa 440 ha großen Grundstück soll es einen Ort geben, an dem Menschen für die Einzigartigkeit der Natur sensiblisiert werden und ihnen ihre Aufgabe als Hüter unserer Umwelt bewusst gemacht wird. Die Umsetzung dieses Wunschs erfolgte mit dem Laurance S. Rockefeller Preserve, einem Ausstellungs- und Informationszentrum.

Für die Planung des Laurance S. Rocke­feller Preserve zeichnen die Architekten Carney, Logan, Burke verantwortlich. Ihre Entwurfsphilosophie war, ein »stilles« Gebäude zu entwickeln, einen Ort der Besinnung. Ein Gebäude, das die Eigenheiten der umgebenden Landschaft widerspiegelt und sowohl beim Bau als auch im Betrieb möglichst wenig in die Umwelt eingreift.
Das Ergebnis ist ein Bauwerk, das als erstes Gebäude im Bundesstaat Wyoming und in einem National Park generell das LEED-Zertifikat Platinum erhalten hat. Das Laurance S. Rockefeller Preserve besitzt einen L-förmigen Grundriss, errichtet in Holzbauweise mit tragenden Wänden aus wärmegedämmten Schalungssteinen, die vor Ort mit Beton verfüllt wurden. Für die Fassadenbekleidung kamen Zedernholz und Titanzink zum Einsatz, für die Bekleidung der Innenwände Douglasie, oxidierter Stahl und teilweise auch Titanzink. Das Dach wurde mit Titanzink gedeckt.

Als Baustoffe kamen ausschließlich umweltverträgliche Materialien zum Einsatz, die Kriterien wie positive Ökobilanz, lange Lebensdauer und Wiederverwendbarkeit erfüllten. Die Umsetzung erfolgte unter anderem mit Holz, das vom Forest Stewardship Council (Weltforstwirtschaftsrat) zertifiziert ist, mit Dämmung aus recycelten Jeans und Baumwollfasern, mit lösemittelarmen Klebstoffen und Beschichtungen sowie mit Schalungssteinen aus recyceltem Polystyrol. Dachdeckung und ein Teil der Fassadenbekleidung bestehen aus Rheinzink-Titanzink, einem Baustoff, der sich durch eine außerordentlich hohe ökologische Leistungsfähigkeit auszeichnet und eine Lebensdauer von mehr als 75 Jahren aufweist. Wartung, Pflege oder Reinigung sind in dieser Zeit nicht erforderlich, denn das Material bildet durch natürliche Bewitterung eine Patina, die die Oberfläche zuverlässig vor Korrosion schützt. Aufgrund eines weltweit einmaligen und umweltverträglichen Beizverfahrens ist Rheinzink in der Lage, ihre Coils bereits werksmäßig mit der optischen Erscheinung der schützenden Patina zu versehen und in den beiden Oberflächenqualitäten »vorbewittertpro blaugrau« und »vorbewittertpro schiefergrau« anzubieten. Um das Gebäude »still« in die Natur zu integrieren, entschieden sich die Architekten für Titanzink in der Oberflächenqualität »vorbewittertpro schiefergrau«, denn sie greift die Farbe der mächtigen Teton Range optimal auf.

Das Dach wurde als Pfettendach realisiert und besitzt – von innen nach außen – folgenden Aufbau: Innenraumverkleidung aus Holz, Schalldämmung, Structural Insulated Panels (Verbundelemente mit Wärmedämmung), Bitumendachpappe und ein Dränagegewebe zur Ableitung von Feuchtigkeit. Den oberen Abschluss bildet die Dachdeckung aus Titanzink, das in Doppelstehfalztechnik verlegt wurde. Der Verarbeiter hat das 0,7 mm starke Material als Coil liefern lassen und die Schare vor Ort hergestellt, bearbeitet und gefalzt. Die sichtbare Scharbreite beträgt knapp 40 cm, die Befestigung erfolgte mit Schrauben und Befestigungshaften aus Edelstahl. Insgesamt wurden beim Laurance S. Rockefeller Preserve über 900 m² Titanzink verlegt, davon 743 m² auf dem Dach und 186 m² an den Fassaden. 

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2012

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