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Willem van Genk, Megapolis
, Ausstellung, Lausanne

Eine Hymne an die Mobilität: Willem van Genk – Megapolis


Gibt es eine Kunst, die tatsächlich nur sich selbst genügt? Die ohne den Wunsch nach Publikum und Anerkennung auskommt? In der Collection de l´Art Brut in Lausanne können Besucher diesen Fragen auf die Spur kommen. Die Sammlung des französischen Malers Jean Dubuffet zeigt Werke von Autodidakten, die in Heimen, Gefängnissen, psychiatrischen Anstalten Kunst als Überlebensstrategie, als Ventil oder einfach als Beschäftigung für sich entdeckt haben. Was bei der Betrachtung der Arbeiten auffällt, ist das Fehlen einer vordergründigen Ästhetik. Sie schwelgen in einem Rausch der Farben und Formen, sind exzentrisch, hemmungslos kitschig und auf eigenartige Weise lebendig. 

Wilde, überbordende Werke und Modelle
Neben der permanenten Sammlung zeigt das Museum derzeit eine temporäre Ausstellung über den Niederländer Willem van Genk. Er kam 1927 als einziger Sohn einer Familie mit zehn Kindern auf die Welt und verlor früh seine Mutter. Schon in seiner zerrüttenden Jugend mit Aufenthalten im Waisenhaus und in psychiatrischen Einrichtungen begann van Genk zu malen. Er besuchte erfolglos einige Schulen und wurde schließlich von einer Behindertenwerkstatt aufgenommen, unfähig sich anzupassen oder einer regulären Arbeit nachzugehen. Er war begeisterter Anhänger neuer technischer Errungenschaften, vor allem aber von Transportmitteln, seien es Luftschiffe, U-Bahnen, Raketen oder Busse. Die Eindrücke seiner Reisen durch den Ostblock und Europa verarbeitete er in wilden, überbordenden Werken und Modellen, die sich in seinem kleinen Apartment stapelten.

Städtische Szenen in rasendem Stillstand
Die meist farbigen Arbeiten changieren zwischen Gemälde und Zeichnung, zwischen Comic und Collage. Sie sind aus Papierschnipseln arrangiert und mit Schrift und Einschüben übersäht. Es sind Geschichten, die Krieg, Gewalt, Religion und Politik kritisieren und zugleich Hymnen an Mobilität und Technik. Doch vor allem sind es städtische Szenen in rasendem Stillstand. Vielleicht ist es dem Wissen um das Anliegen der Sammlung geschuldet, um den steinigen Lebenslauf des Künstlers, dass die Werke eine Intimität besitzen, die nicht an ein Publikum gerichtet zu sein scheint. Gerade deshalb nehmen sie uns unweigerlich mit auf die berührende Reise in die inneren Welten von Willem van Genk.

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