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Eine Metropole wird neu erfunden

Seit Jahren entwickelt das New Yorker Designkollektiv „Terreform ONE + Terrefuge“ ebenso radikale wie technisch durchdachte Konzepte für eine nachhaltigere Zukunft von New York City. Dafür wurde die Gruppe in diesem Jahr mit dem Zumtobel Group Award for Sustainability and Humanity in the Built Environment“ ausgezeichnet.

New York, Terreform ONE, Terrafuge
Grafik: terreform

Mitchell Joachim, Mitbegründer von Terreform ONE + Terrefuge, verortet die Konzepte der Designergruppe in der Mitte zwischen rein technischen Problemlösungen und Öko-Utopien. In der Tat muten viele ihrer Denkansätze utopisch an, haben jedoch stets einen technisch-wissenschaftlichen Hintergrund. Vor allem die Mobilität ist – neben neuen Wohn- und Städtebaukonzepten – ein Kernthema, dem sich das mittlerweile achtköpfige Kollektiv immer wieder widmet. Bereits in seiner Zeit am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA) entwickelte Mitchell Joachim Konzepte für neuartige Fahrzeuge, die die herkömmliche Vorstellung vom Platz raubenden, die Umwelt verschmutzenden und in der Handhabung unflexiblen – kurz: wenig intelligenten – Automobil auf den Kopf stellten.

New York, Terreform ONE, Terrafuge
Grafik: terreform

Wenn man bei einem Auto die wesentlichen Bestandteile wie Lenkung und Steuerung vom Chassis in die Räder verlegt, so Joachims Überlegung, ließen sich völlig neue Verkehrsmittel für den Individualverkehr entwickeln. Auf diese Weise entstanden zum Beispiel Konzeptskizzen für faltbare Kleinwagen, die beim Parken nur zwei Drittel soviel Stellplatz beanspruchen wie en Smart. Andere Beispiele sind selbst steuernde „Soft Cars“, die gefährliche Verkehrsunfälle unmöglich machen sollten, und Autos, die ihre Fahrtrichtung durch eine einfache 90°-Drehung aller Räder verändern konnten.

Über die Jahre sind zu den Autos weitere Mobilitätskonzepte im größeren Maßstab hinzugekommen: quallenähnliche Luftschiffe, an deren „Tentakeln“ individuelle, ausklinkbare Sitzmöglichkeiten wie bei einem Sessellift hängen, Auto-Aufzüge zur Integration in Gebäudefassaden oder ein intelligenter Straßenbelag, der die auf ihm verkehrenden Autos und Fußgänger selbständig „erkennt“ und unfallfrei aneinander vorbeilotst.

New York, Terreform ONE, Terrafuge
Grafik: terreform

Weitgehend ohne das Auto gedacht ist dagegen der Zukunftsentwurf „New York 2106“. Hier schlagen Terreform ONE + Terrefuge gleichsam eine Inversion des bisherigen Stadtbildes vor: Wor bisher Gebäude standen, sollen produktive Grünflächen für Garten- und Landbau entstehen, auf den bisherigen Straßenflächen dagegen Gebäude. Der Verkehr wird in dieser Stadtvision vor allem unterirdisch abgewickelt.

Das visuell wohl eindrucksvollste Projekt des Designkooperativs trägt den Namen „Rapid Re(f)use“ – ein Wortspiel mit den Begriffen „Wiederverwendung“ (Re-use) und „Abfall“ (Refuse). Ausgangspunkt war hier die Tatsache, dass New York jede Stunde so viel Abfall erzeugt, dass sich damit die Freiheitsstatue samt Sockel einmal befüllen ließe. Terreform ONE + Terrefuge schlagen nun vor, den in der Vergangenheit entstandenen (und deponierten) Abfall künftig wieder auszugraben, zu komprimieren und zu „Bausteinen“ für künftige Architekturen werden zu lassen. Erstellt werden sollen diese „Abfall-Wolkenkratzer“ nicht per Hand, sondern durch automatisierte 3D-Druckroboter.

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