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Umbauprojekt „colLab“ der HFT Stuttgart, Grafik: HFT Stuttgart

Eine Zukunft für den Bestand (3): Umbauprojekt „colLab“ der HFT Stuttgart

Man kennt sie von vielen Hochschulcampussen in Deutschland: die Institutsbauten aus den 50er- und 60er-Jahren aus Betonfertigteilen mit langen Fensterbändern und breitem Mittelflur, der auf beiden Seiten von Seminarräumen und Büros flankiert wird. Auch die Hochschule für Technik (HFT) Stuttgart nennt solch ein Gebäude sein Eigen. Nun hat das Team, das die Hochschule im kommenden Jahr beim Solar Decathlon Europe in Wuppertal vertreten wird, den Bau zum Ausgangspunkt seines Wettbewerbsbeitrags „colLab“ gemacht. Damit wollen die Studierenden und Wissenschaftler lokal zur besseren Wohnraumversorgung beitragen und global einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das Erdgeschoss des Bestandsgebäudes soll geöffnet werden und künftig offene Arbeitsräume, Coworking-Spaces und Werkstätten, aber auch ein Café und Seminarräume enthalten. Der Parkplatz vor dem Gebäude soll durch einen Mobilitätshub und eine Grünfläche ersetzt werden.

Aufstockung mit flexiblem Raster
Oben auf dem Neubau will das Team eine zweigeschossige Aufstockung errichten. Sie basiert auf einem Holzskelett, dem sogenannten Grid, das in puncto Achsabstand flexibel auf das Tragwerk des darunter liegenden Altbaus adaptiert werden kann. Es bildet die Grundlage für die Holzrahmenkonstruktion der thermischen Gebäudehülle und wird die Aufstockung auch äußerlich prägen, da es entlang der Bestandsfassade weitergeführt wird. Innerhalb des Grids verteilen sich verschiedene Volumina, die Wohneinheiten, Frei- und Grünflächen sowie die Vertikal- und Horizontalerschließung der Aufstockung enthalten. Die einzelnen Wohnmodule sind ein- oder zweigeschossig und werden durch sogenannte Funktionswände voneinander getrennt. Diese enthalten Küchenzeilen, Stauräume, WCs und Treppen.

Photovoltaik ins Netz gegangen
Ein über das Grid gebreitetes, bis zum Boden herabreichendes Netz dient als Träger für die rautenförmige, organische Photovoltaikmodule (OPV) in drei verschiedenen Größen. Die halbtransparenten Elemente sind mit Federn in das Netz eingehängt und sollen nicht nur Energie liefern, sondern auch der Verschattung dienen. Ihre Anordnung folgt den Ergebnissen einer parametrischen Simulation, bei der verschiedene Aspekte wie Solarertrag und Wärmeeintrag in das Gebäude untersucht wurden. Am dichtesten beieinander liegen die Module vor den Fenstern des Bestandsgebäudes, weniger dicht vor den Fassaden der Aufstockung, um dort mehr Tageslicht in die Räume zu lassen. Relativ nutzlos wäre die Photovoltaik aufgrund der Verschattung durch Nachbargebäude vor dem Erdgeschoss gewesen. Daher ersetzten dort Rankpflanzen die OPV-Module.

Solarkamine als Luftantrieb und Wärmequelle
Nicht nur das Holz-Grid und das Drahtseilnetz, sondern auch zwei Solarkamine verbinden den Bestandsbau mit seiner Aufstockung. Sie sollen im Bereich der Treppenhäuser angeordnet werden und dienen mehreren Zwecken: Zum einen unterstützen sie die natürliche Entlüftung für die Büro- und Arbeitsräume im Bestandsbau, sodass eine klassische Lüftungsanlage dort verzichtbar wird. Die thermischen Absorber in den Solarkaminen dienen überdies als Wärmequelle für die Wärmepumpe, die das Gebäude beheizt.

Das Konzept im Kleinformat – als Housing Demonstration Unit
Wie alle anderen Teilnehmerteams auch waren die Stuttgarter aufgefordert, ihr Konzept einer nachhaltigen Sanierung ausschnitthaft durch einen zweigeschossigen Demonstrationsbau beim Wettbewerb in Wuppertal zu illustrieren. Dieser umfasst vier Holzmodule, deren Fassaden außen mit Resthölzern aus einem Holzwerk verkleidet werden. Da die Fassadenbretter ab Werk unterschiedlich farbig lasiert werden, soll ein lebendiges Fassadenbild entstehen. Vor den Holzfassaden werden wie im „großen“ Sanierungskonzept die OPV-Module in ein Seilnetz eingehängt. Drei der vier Module sollen eine Ausstellung enthalten, die die Besucher über das Gebäudekonzept informiert. Das vierte enthält eine beispielhafte Wohnung. Der Innenausbau basiert auf standardisierten, drehbaren Holzkorpussen, die in die Funktionswände des Demonstrationsgebäudes integriert werden. Diese Funktionswände sind in den Wohnmodulen immer die gleichen, den Raum dazwischen können die Bewohner dagegen ihren Bedürfnissen entsprechend gestalten.

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