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Umbauprojekt RoofKIT, Solar Decathlon Europe, Foto: Karlsruher Institut für Technologie

Eine Zukunft für den Bestand (5): Umbauprojekt RoofKIT für den Solar Decathlon Europe

Rund die Hälfte des Primärrohstoffverbrauchs und 36% des Festmüllaufkommens in der EU gehen auf die Kappe der Bauindustrie. Um das zu ändern, müssen Gebäude künftig ganz anders konzipiert werden als bisher: weitgehend vorgefertigt, sortenrein rückbaubar, ohne Kleber, Schäume, Anstriche und dergleichen. Damit wäre nicht nur dem Klima und der Umwelt gedient, eine solche Bauweise wäre künftig auch ökonomisch immer attraktiver.
Eine Blaupause für die Kreislaufgesellschaft, bei der sich Materialien und Baukomponenten nahezu endlos weiterverwerten lassen, will das Team RoofKIT des Karlsruher Instituts für Technologie mit seinem Beitrag zum Solar Decathlon Europe 21/22 in Wuppertal liefern.

Urbanes Wohnzimmer im zweiten Obergeschoss
Die Bauaufgabe, der sich die Karlsruher angenommen haben, ist die Aufstockung des Café Ada in Wuppertal, das vor allem als Treffpunkt der Tangotänzer bekannt ist. Neben der Sanierung des Gebäudes sollen die Nutzungen darin neu arrangiert und um ein Hotel sowie um Wohnungen ergänzt werden. Im Zuge dessen wandert der jetzige Tanzsaal aus dem ersten Geschoss weiter nach oben und fungiert künftig als Bindeglied zwischen Café und Hotel im Altbau sowie den Wohneinheiten in den aufgestockten Obergeschossen. Äußerlich ist er als zurückgesetztes, verglastes Zwischengeschoss mit umlaufender Freiterrasse im Baukörper erkennbar.

Leichtgewicht und Selbstversorger
60 bis 70% des gebundenen CO2 in einem Gebäude steckt normalerweise in der Tragstruktur. Daher nutzt das Karlsruher Team die Tragkonstruktion des Bestandsgebäude weiter und sattelt ihr einen Holzleichtbau in Modulbauweise auf. Die Bestandsfassade soll energetisch saniert werden.
Mit dem Energiekonzept nimmt RoofKIT alle am und im Gebäude verfügbaren Energieressourcen ins Visier: Solarenergie, die über PVT-Kollektoren zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird, Abwärme aus Lüftung und Abwasser, die zurückgewonnen wird, sowie Biogas aus Küchenabfällen zum Kochen. Ein intelligentes Energiemanagement soll die Interaktion zwischen den Teilsystemen regeln.

Vom Urban Mining zum Materiallager
Viele Materialien im Projekt RoofKIT haben schon einen Lebenszyklus hinter sich: Türgriffe und Armaturen werden aus alten Gebäuden wiederverwendet, Holzelemente und Bodendielen stammen aus Abbruchbaustellen, Metallplatten von ehemaligen Dächern und die Plattenverkleidung der Sanitärkerne in den Wohnungen aus recyceltem HDPE-Kunststoff. All dies wird kombiniert mit biologischen Kreislaufprodukten: Holz aus nachhaltigem Anbau, Dämmmaterial aus Seegras und Pilzmyzelium sowie weiteren neuartigen Produkten aus der KIT-Forschung.
Um dem aufgestockten Leichtbau in Holzmodulbauweise mehr thermische Speichermasse zu verleihen, werden unter anderem Lehmbauplatten in die Geschossdecken und Lehmsteine in die Außenwände integriert. Die Konstruktion der Zwischendecken war insofern eine Herausforderung, als hier eine sortenrein trennbare Lösung mit integrierter Fußbodenheizung entwickelt werden musste.

Das Konzept im Kleinformat – zu sehen 2022 in Wuppertal
Anschaulich demonstrieren will das KIT sein Konzept an einem sogenannten Demonstrator, der im Juni 2022 vor Ort in Wuppertal errichtet wird. Er umfasst Elemente des Tragwerks, der Fassaden und der Dachlandschaft und enthält eine beispielhafte Wohneinheit. Darin umgibt der Wohnraum ringförmig einen technischen Kern mit Energieversorgung, Bad, Küche und Lager. In der Eingangsfassade des Demonstrators will das Team alte Fensterelemente wiederverwenden.

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