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Einfach - Komplex: Architektur-Gesellschaft, die DREIZEHNTE

Im Rahmen der dreizehnten "Architekturgesellschaft", dem Talk von DETAIL bei Boffi in München, diskutierten wir mit dem Münchner Architekten Thomas Unterlandstättner über die Paradoxien der Einfachheit: Warum hinter einer einfachen Erscheinung oft komplexe Prozesse stecken – zum Beispiel.

Sieht man die Erde vom Weltall aus, erscheint sie wie eine einfache blaue Kugel, die gemütlich vor sich hin schwebt. Erst bei näherer Betrachtung offenbart sie die Komplexität ihres Ökosystems und der Ereignisse, die auf ihr passieren. Das Einfache, so Thomas Unterlandstättner, steht oft im Vordergrund, während das Komplexe den Hintergrund bildet. Einfach-Komplex, das Thema der dreizehnten Architektur-Gesellschaft mag etwas abstrakt wirken. Thomas Unterlandstättner hat jedoch auf eine interessante Weise die beiden Begriffe verhandelt.

Thomas Unterlandstättner zum Thema "Einfach - Komplex"

Zunächst ging es um die Begriffsklärung: "Einfach" kann etwas sein, was nicht doppelt ist, etwas leicht Verständliches, Unkompliziertes, aber auch etwas ohne große Ansprüche, etwas Bescheidenes. Das Komplexe kann hingegen vielschichtig sein, etwas Umfassendes, das man nicht auflösen kann sein.

Thomas Unterlandstättner gliederte seinen Vortrag in drei Faktoren der Komplexität: den Raum selbst, die Bautechnik und das Recht.

Wie verhält sich der Raum zu seinem Umfeld?
Bei der Konzeption eines Gebäudes wird zunächst das Umfeld und die Ausrichtung des Bauwerks sowie seine Nachbarschaft behandelt: Wie groß kann das Gebäude sein? Wie verhält es sich zur Topographie?
Was sind die wichtigsten Wünsche des Bauherren? Und wie kann man diese umsetzen? Was sehe ich vor meinem Fenster, und was sehen die Nachbarn von mir? Anfangs ist das ein simpler Vorgang, bei dem nach und nach mehr Komponenten hinzukommen. Angefangen bei einer Skizze spielen immer mehr Faktoren eine Rolle, und ein einfacher Vorgang nimmt komplexe Züge an.

Der denkmalgeschützten Villa wurde ein Neubau angebaut. In der Landschaft wirkt der moderne "Sockel" wie ein Fels. Foto: Heinrich

„Ist das Einfache erst auf den zweiten Blick komplex, ist es gut gemacht.“, so Thomas Unterlandstättner. Die Bautechnik spielt für ihn eine große Rolle: Auch hier geht es darum, einen einfachen "Vordergrund" zu schaffen, dessen komplexer "Hintergrund" im Verborgenen bleibt. Die Konstruktion, die Haustechnik, die Energieplanung – all diese Faktoren dürfen nicht mehr zu sehen sein, wenn das Gebäude fertiggestellt ist. Die Sichtbarkeit dieser Elemente im Bauprozess ist aber selbstverständlich notwendig. Die eigenständige Qualität der Architektur darf jedoch nicht verloren gehen, das Gebäude sollte nicht nur eine Hülle für die Haustechnik sein. Ein sinnvolles Zusammenspiel zwischen Technik und Architektur ergibt für Unterlandstättner ein gutes Projekt.

Die Architektur-Gesellschaft

Der letzte und auch einer der schwierigsten Faktoren, die Thomas Unterlandstättner behandelte, war der des Baurechts: Oft sind die Gründe, warum ein Bauvorhaben nicht genehmigt wird, weder für den Architekten noch für den Bauherren nachvollziehbar. Erlebt hatte der Architekt auch Fälle von Neid und Missgunst in der Bauverwaltung, die Projekte scheitern ließen.

Über die vielen Bedeutungen der Worte „einfach und komplex“ lässt sich streiten: „Das Einfache kompliziert zu machen, ist durchaus normal. Aber das Komplizierte einfach – beeindruckend einfach – zu machen, das ist Kreativität.“ (Charles Mingus, Jazzmusiker).

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