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Marc Köhler Architects, Wohnhaus in Almere, Foto: Filip Dujardin

Elf Aussichten: Wohnhaus von Marc Koehler Architects

Für die genaue Lage und jeweilige Proportion der einzelnen Fenster ließen sich Marc Koehler Architects von der niederländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts inspirieren. Jedes Fenster rahmt nun einen anderen Ausschnitt und bietet einen individuellen Ausblick in die Natur. Dem entsprechen die unterschiedlichen Funktionen der einzelnen Räume: Erschließung und Servicebereiche befinden sich hinter einer größtenteils geschlossenen, mit weißem Wellblech verkleideten Fassade, die sich dem zentralen Platz  der nur knapp 100 x 100 m großen Insel zuwendet. Die Individualräume orientieren sich demgegenüber zur Landschaft.

Jedes der vier Geschosse hat einen ganz eigenen Charakter und bedient divergente Funktionen. Das Erdgeschoss erinnert mit seiner Eingangssituation und seiner Nutzung als Garage, Lager- und Gartenhaus eher an ein Bootshaus als an ein Wohnhaus. Diese Assoziation wird durch die hölzerne Terrasse und den daran anschließenden, zum Wasser führenden Steg noch verstärkt. Die eigentlichen Wohnräume beginnen im ersten Obergeschoss, wo sich Küche und Wohnzimmer befinden. Nur auf dieser, als Hauptaufenthaltsort dienenden Etage gibt es großformatige Fenster auf beiden Gebäudeseiten. Von hier aus gelangt man über eine kleine Terrasse mit anschließender Treppe in einen vorgelagerten Garten. Weiter oben befinden sich die privaten Schlafräume. Ein multifunktionales Penthouse im 3.OG rundet das Gebäude ab.



Industrieller Charakter
Die Entscheidung, das Gebäude als abstrakte weiße Box zu errichten, ist ein Verweis auf die geschichtslose, von Menschenhand künstlich geschaffene Umgebung. Die für den Wohnungsbau eher unkonventionelle Wahl der Stahlrahmen ermöglicht die gewünschte, industrielle Erscheinung, schafft technische Freiheiten und Flexibilität und erlaubt große Öffnungen und maximale Wohnfläche bei gleichzeitig minimalen Kosten. Die im Innenraum zusätzlich mit Dämmung und Gips verkleideten Sandwichelemente aus perforiertem Blech schaffen an den Fenstern besonders tiefe Laibungen, die zum Verweilen innerhalb der »Gemälde« einladen.



Gerahmte Ausblicke
Den Architekten scheint es trotz einfacher Konstruktion und ungewöhnlicher Materialwahl für ein Wohnhausprojekt zu gelingen, die Qualitäten der Landschaftsgemälde auf den Wohnraum zu projizieren. Es entstehen inszenierte Räume, die die Landschaft rahmen und gleichzeitig selbst eine Art Gemälde bilden. So ergeben sich Bilder auf zweierlei Ebenen, im Draußen und im Drinnen. Die Qualität von Licht ist jederzeit spürbar und von tragender Bedeutung. Wird es zu hell oder zu dunkel, verhelfen Jalousien zum Schließen des Gebäudes, während der Ausblick auf den Rollos weiterlebt: Bedruckt mit vergrößerten Ausschnitten der Originalgemälde sind die Ausblicke in die Natur so auf künstlerische Art und Weise jederzeit gegeben. Natur und Gebautes scheinen sich kontinuierlich zu vermischen und zu einer untrennbaren Einheit zu werden.

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weitere Informationen:

Bauunternehmen: Reytec Innovations

Projektteam: Marc Koehler, Thomas Wellink, Carlos Moreira, Maarten Verhelst, Robbert Verheij


Bruttogesamtfläche: 240m2



Fotos: Filip Dujardin

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