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Emissionen von Fenstern und Außentüren

Ein Forschungsprojekt des ift Rosenheim in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rosenheim beschäftigte sich im Rahmen der vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung geförderten Forschungsinitiative Zukunft Bau mit Hintergründen, Umsetzungsvorschlägen und Bewertungsverfahren von Emissionen bei Fenstern und Außentüren.

Schematischer Fertigungsablauf Fenster, Grafik; ift Rosenheim

Gefahren für Gesundheit und Hygiene aus Chemikalien im Bauwesen rückten in den 1970er Jahren verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit und Berichterstattung. Asbestfasern, mit die "prominentesten" Bauschadstoffe, wurden offiziell als krebserzeugend eingestuft. 1979 wurde in Deutschland das erste Asbestprodukt verboten. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Gesetzen und Normen zum Schutz der Gesundheit für am Bau Beteiligte und Bewohner von Gebäuden. Produktkennzeichnungen und Zertifizierungen machen Aussagen über Zusammensetzung und Güte. Eine einheitliche Regelung fehlt jedoch. Dazu kommt, dass Bauteile und Gebäude aufgrund der steigenden Ansprüche an Energie und Wärmeschutz immer dichter werden. Die Luftqualität im Innenraum ist also maßgeblich vom Verhalten der Nutzer abhängig. Beide Umstände vergrößern die Unsicherheit beim Verbraucher wie auch bei ausführenden Firmen. Die Forschungsstellen aus Rosenheim beschäftigten sich neben der Untersuchung möglicher Emissionsquellen auch mit Bewertungsvorschlägen und Lösungsansätzen zu einer übergreifenden Nachweisführung. Als Grundlage für die Versuchsanordnungen dienten bestehende Produkt- und Prüfungsnormen sowie Bewertungsschemata nach AgBB (Ausschuss zur Gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten).

Wenn im Zusammenhang mit Gesundheit und Hygiene von Emissionen die Rede ist, sind damit in erster Linie VOC-Emissionen (Volatile Organic Compound) gemeint, flüchtige organische Verbindungen. Das sind gas- oder dampfförmige Stoffe, die in die Luft gelangen. Bestimmte Kunststoffe geben über einen längeren Zeitraum Stoffe in geringer Konzentration an die Umgebung ab. Auch bei natürlichen Produkten wie Holz entstehen Emissionen. Neben Geruchsbelästigung können Reizungen oder Kopfschmerzen auftreten. Gesundheitsgefährdende Stoffe und Ausdünstungen sind grundsätzlich zu vermeiden. Sofern die Schädlichkeit bekannt ist, dürfen die betroffenen Produkte nicht oder nur eingeschränkt im Innenraum eingesetzt werden. Fenster und Außentüren sind jedoch komplexe Bauteile. Unterschiedliche Fabrikate bestehen aus verschiedensten Komponenten. Holz-, Aluminium- und Kunststofffenster sind mit metallischen Beschlägen und Kunststoffdichtungen versehen. Beschichtungen und Klebstoffe kommen zur Anwendung. Den Beteiligten ist das Emissionspotenzial in der Regel nicht bekannt. Auch wurden Fenster zuvor hinsichtlich der Abgabe von Schadstoffen nicht genauer betrachtet. In der Folge leitete sich für das Forschungsteam die konkrete Aufgabe ab, einzelne Teile oder Gruppen innerhalb des Elements zu lokalisieren, die als Emissionsherd infrage kommen, sowie deren Potenzial zu bewerten.

Parallel zur Untersuchung kompletter Fensterelemente wurde die Bewertung einzelner Komponenten verfolgt. Bei beiden Varianten gilt es mögliche Einflussfaktoren wie Elementgröße oder Raumvolumen auszumachen und gebührend zu berücksichtigen. Für die Messung der Emissionen von Fensterelementen ist etwa der Zeitpunkt und Ablauf der Probeentnahme von entscheidender Bedeutung. In diesem Zusammenhang spielen die Zeiträume im Produktlebenszyklus eine tragende Rolle: von der Erzeugung der Rohstoffe über die Zusammensetzung des Elements, Lagerung und Auslieferung bis zum Einbau und der Nutzungsphase. Entsprechende Perioden wurden im Versuch zum Beispiel durch "Reifelagerung" simuliert. Eine penible Dokumentation der beprobten Menge sowie der Umstände und des Zeitpunkts der Beprobung stellten die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicher. Im Ergebnis erfüllten alle untersuchten Bauteile und Einzelkomponenten die Kriterien des AgBB. Daraus abgeleitet wurde als Empfehlung für die mögliche Einführung von Emissionsklassen für Bauprodukte eine Klassifizierung von Fenstern und Außentüren als Produkte "without testing" bzw. "without further testing". Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse, dass Emissionen an Fenstern nur von einigen wenigen Quellen ausgehen, sodass Messungen sich auf diese Komponenten beschränken könnten.

Diesem Umstand sowie einer Ausweitung auf weitere Bauelemente wie Innentüren und großflächige Fassaden wird in aktuellen Folgeprojekten des ift Rosenheim Rechnung getragen. Anstöße zur Lokalisierung und Bewertung von Schadstoffquellen beim Bauteil Fenster gehen indes nicht nur vom Gesetzgeber aus, sondern werden auch von Herstellern und Industrie forciert. Dies und die durchweg unbedenklichen Werte aus den Untersuchungen bestätigen einen verantwortungsbewussten und zielführenden Umgang mit Rohstoffen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Quellen: Der Text wurde von DETAIL research auf Basis folgender Quelle verfasst: Leuschner, Bliemetsrieder, Larbig: Untersuchung der Emissionen von Fenstern und Außentüren zur Bewertung des Verhaltens von Bauelementen in Bezug auf Hygiene, Umweltschutz und Gesundheit. Gefördert mit Mitteln des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau (Aktenzeichen: Z6-10.08.18.7-08.20/II2-F20-08-005) ift Rosenheim, Hochschule Rosenheim

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