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Energetische Gebäudesanierung: Eigenheimbesitzer zögern

Fördermittel sind nicht alles bei der Entscheidung für und wider eine energetische Gebäudesanierung. Entscheidend ist auch die richtige Beratung. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Potsdam nach einer Befragung von mehr als 1000 Hausbesitzern, die in den vergangenen Jahren eine Sanierung durchgeführt haben.

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Foto: siegfried bellach_pixelio

Trotz steigender Energiepreise sind viele Hauseigentümer zurückhaltend bei der energetischen Sanierung ihrer Gebäude. So lautet das Ergebnis einer Befragung von 1000 Ein- und Zweifamilienhausbesitzern, die das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) geleitet hat. Über 60 Prozent der befragten Gebäudesanierer sind der Ansicht, dass ihr Gebäude in einem guten Zustand sei und keine weiteren energetischen Maßnahmen erfordere. „Es ist dramatisch, wie viele Hausbesitzer ihre Lage verkennen“, so Dr. Immanuel Stieß vom ISOE. „Viele Energieeinsparpotenziale liegen schlicht aufgrund mangelnden Problembewusstseins brach. Das ist nicht nur schädlich fürs Klima, sondern belastet die Bewohner durch unnötig hohe Energiekosten.“

Das Wissenschaftlerteam befragte Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die in den letzten vier Jahren Sanierungsmaßnahmen an ihren Häusern durchgeführt hatten. Welches Energieeinsparpotenzial gerade in diesem Bereich brach liegt, belegen die Forscher des ISOE anhand folgender Zahlen: Ein- und Zweifamilienhäuser enthalten rund 60 % des Wohnflächenbestands in Deutschland. Zugleich kann der Energieverbrauch in kleinen Wohnhäusern durch eine Vollsanierung um 45-70 % gesenkt werden – das sind weit mehr als in anderen Gebäudetypen.

Deutlich wurde bei der Befragng, dass wirtschaftliche Barrieren nicht der einzige Grund für geringe energetische Sanierungsraten sind. „Bisher wurde der Fokus stark auf finanzielle Förderung gelegt. Unsere Befragung zeigt nun, dass die Gebäudesanierungsprogramme zwar ein wichtiger Baustein sind. Doch sind sie allein nicht ausreichend, um den Energieverbrauch in den Haushalten zu reduzieren“, so Immanuel Stieß.

Vielmehr zeigt die Untersuchung, dass viele Hausbesitzer angesichts der zahlreichen Fragen, die eine energetische Sanierung aufwirft, abgeschreckt sind und untätig bleiben. In dem Forschungsprojekt «Energieeffiziente Sanierung von Eigenheimen» (Enef-Haus) wird daher erforscht, wie beispielsweise die Erstenergieberatung von Eigenheimern optimiert werden kann, um in höhere Sanierungsraten zu münden. Stieß: „Viele Hausbesitzer stehen einer professionellen Beratung positiv gegenüber. Von einem kompetenten Berater an die Hand genommen zu werden – vom Erstgespräch bis hin zur Investitionsentscheidung – erleichtert die Entscheidung für viele.“

Um mehr maßgeschneiderte Informationsangebote zu ermöglichen, haben die Forscher die Handlungsmotive und -hemmnisse der Eigenheimsanierer untersucht. Die Befragung zeigt, dass die aktivsten Sanierer in der Gruppe der 50- bis 70-Jährigen zu finden sind, während bei den 30- bis 50-Jährigen die Anteile deutlich geringer sind. Neben dem Alter unterscheiden sich die Hausbesitzer auch in Ihren Zielen und Einstellungen hinsichtlich der Sanierung sowie in der Art der durchgeführten Maßnahmen. Im Ergebnis präsentieren die Forscher eine Einteilung der Hausbesitzer in fünf Typen vom „desinteressiert Unwilligen“ über den „Unreflektierten Instandhalter“ bis hin zum „überzeugten Energiesparer“.

„In Zukunft muss es verstärkt darum gehen, maßgeschneiderte Instrumente für diese unterschiedlichen Zielgruppen zu erstellen“, so Dr. Julika Weiß vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Daher wird das IÖW im Projekt Enef-Haus geeignete Beratungs- und Förderinstrumente für die identifizierten Sanierer-Typen ausarbeiten. „Denn mit Förderung per Gießkannenprinzip können energetisch anspruchsvolle Sanierungen nur schwer erreicht werden“, sagt Weiß.

Die Studie «Handlungsmotive, -hemmnisse und Zielgruppen für eine energetische Gebäudesanierung» steht zum Download bereit unter www.enef-haus.de. Im Projekt Enef-Haus untersucht das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Hochschule Lausitz im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, wie Eigenheimbesitzer zu mehr Energiesparen durch Gebäudesanierung aktiviert werden können.

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