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Energetische Sanierung eines Fachwerkhauses aus dem Mittelalter in Ulm

Sanierung der ehemaligen Kron-Apotheke von 1465 in Ulm
Foto: Achim Zielke, D–Bad Honnef

Die ehemalige Kron-Apotheke aus dem Jahr 1465 zählt zu den sehenswerten Bauwerken der Stadt Ulm. Nach einjähriger Runderneuerung des denkmalgeschützten Hauses fanden die Fassadenarbeiten nun ihren vorläufigen Abschluss und das Gebäude präsentiert sich kunstfertig restauriert.

Die bauliche Instandsetzung trägt vor allem die Handschrift zweier alteingesessener Handwerksfirmen: Die Holzbauarbeiten führte die Zimmerei Wolfgang Metzger aus, die Wärmedämmung mit Holzfaserdämmstoffen und das Verputzen der Fassade übernahm der Malerbetrieb Hermes E. Klöble.

Die Mitarbeiter des Zimmereibetriebs ertüchtigten zunächst das Gebälk der Fachwerkkonstruktion mit originalgetreuen Nägeln aus Holz, legten verborgene Zwischenwände aus Eichenholz frei und stellten die statische Belastbarkeit der Holzbalkendecken wieder her – ganz so, wie es das historische Vorbild auferlegte.

Ähnliche Detailbeflissenheit bewiesen die Bauhandwerker auch am Dach: Die tönerne Biberschwanz-Eindeckung wurde abgenommen, gesäubert und zwischengelagert, das Dachgebälk fachgerecht instandgesetzt und morsches Holz wo immer nötig ausgewechselt. Der sichtbare Dachstuhl erhielt eine Aufdachdämmung mit natürlichen Dämmstoffen aus Holzfasern. Auch die Wangen der Gauben wurden mit maßgenau zugeschnittenen Holzfaserplatten ausstaffiert. Danach kamen die historischen Biberschwänze wieder an ihren angestammten Platz.

Sanierung der ehemaligen Kron-Apotheke von 1465 in Ulm
Foto: Achim Zielke, D–Bad Honnef

Ähnlich aufwendig gestaltete sich die Wiederherstellung einer bauphysikalisch intakten, statisch von Grund auf belastbaren Fassade. Nachdem brüchiges Mauerwerk aus Teilen der Außenwandgefache wieder ausgemauert worden war, galt es für die Zimmerer, vom 2. bis 4. Obergeschoss für eine Grundlattung zu sorgen, die als Montagebasis für die Holzfaserdämmplatten dienen konnte, auf deren Verwendung als Dämmmaterial sich der Bauherr schon früh festgelegt hatte.

Die Wahl fiel auf die Holzfaserdämmplatte »HFD-Exterior Compact« von Inthermo, da sie robust, außergewöhnlich homogen und extrem maßhaltig ist. Die Herstellung erfolgt gemäß DIN EN 13171 im Trockenverfahren. Diese Holzfaserplatte empfiehlt sich als Bestandteil des Inthermo-Wärmedämmverbundsystems (WDVS) sowohl im Neubau als auch zur energetischen Sanierung auf Fachwerk- und Holzrahmenkonstruktionen, Massivholzwänden sowie im Mauerwerksbau. Sie wird wahlweise verklebt und gedübelt oder – wie in Ulm – auf einer Unterkonstruktion aus Holzlatten montiert.

In energetischer Hinsicht beeindruckt vor allem der lambda-Wert von 0,042 W/mK bei 80 mm Dicke. Die Oberflächen der natürlichen Holzfaserplatte verfügen über eine auffallend hohe Festigkeit, was sie zu einem idealen, beidseitig beschichtbaren Putzträger macht, der in etlichen bedarfsgerechten Formaten zu haben ist.

Im Laufe der Jahrhunderte hatten sich die Außenwände deutlich nach außen gewölbt, das Gebälk gekrümmt und verzogenen. Die Gefache waren bei zahlreichen Umbaumaßnahmen mit verschiedenartigen Materialien verfüllt worden, teils mit Mauerwerk aus gebrannten Tonziegeln und Mörtel, teils mit Lehm und Stroh. Zum Vorschein kamen sogar einst sehr teure Eichenholzbohlen, die vom Abriss eines anderen Hauses stammen mussten, der sich auf die Zeit noch vor Errichtung des Gebäudes datieren lässt.

In die Gefache wurde zwischen den Balken und Latten ein Holzflexdämmstoff ebenfalls von Inthermo eingebracht. Auf die ausgefachte Unterkonstruktion kam dann das eigentliche Holzfaser-WDVS. Um die 200 m² umfassende Fassade überhaupt mit einem WDVS ummanteln zu können, musste zunächst eine Grundlage zur Befestigung der Dämmplatten geschaffen werden: Auf den historischen Fachwerkbalken wurde daher vom 2. bis 4. Obergeschoss eine der Wandkrümmung angepasste Unterkonstruktion aus Konstruktionsvollholz montiert, nicht jedoch im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss. Hier entschloss man sich, die Holzfaserdämmplatten direkt auf den Wandbildner zu kleben und zu dübeln.

Da sich der vom Bauherr zunächst gewünschte Kalkputz auf Empfehlung des Malermeisters nicht realisieren ließ, erfolgte die Beschichtung der Fassade mit faserarmierten Renoviermörtel, der Bauteilspannungen besonders gut auffängt und Feuchtigkeit nicht in die Dämmebene vordringen lässt, sondern für eine rasche Verdunstung sorgt. Zum Einsatz kam das Spezialprodukt »ArmaReno« als Oberputz flächendeckend auf drei Seiten. Einzig die zur Altstadt gewandte Giebelseite wurde als Sichtfachwerk ausgeführt. Nach teils filigraner optischer Aufbereitung kann hier das mittelalterliche Fachwerk samt einigen Holznagelverbindungen betrachtet werden.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2014

Umnutzung, Ergänzung, Sanierung

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