You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Energiesparpotenziale genutzt - Klimamarkt gegen Klimawandel

Schüco, Klimamarkt, Tengelmann

Der Tengelmann-Klimamarkt in Mülheim an der Ruhr ist der bundesweit erste Supermarkt, der völlig ohne CO2-Emissionen betrieben wird. Gegenüber Supermärkten gleicher Größe werden zudem 50 % der bisher benötigten Energie eingespart. Das bundesweit vorbildhafte Konzept zeigt die immensen Einsparpotenziale auf, die durch die Vernetzung baulicher und anlagentechnischer Maßnahmen selbst bei der Renovierung von Bestandsbauten erschlossen werden können. Der im Dezember 2008 nach nur acht Wochen Umbauzeit eröffnete Klimamarkt soll weitaus mehr sein als ein reines Imageprojekt.

Die Architekten und Planer, die sich dem Umbau des Gewerbebaus aus den 1980er-Jahren annahmen, hatten die komplexe Aufgabe, eine Vernetzung von zahlreichen baulichen und gebäudetechnischen Maßnahmen in ihre Planungen einzubeziehen. Supermärkte benötigen bekanntlich sehr viel Energie. Heizung, Beleuchtung und Kühlung stellten die drei wesentlichen energetischen Bereiche dar, in denen Optimierungen vorgenommen wurden. Wesentlicher Motor ressourcenschonender Heizung und Klimatisierung ist für den Mülheimer Supermarkt eine Geothermieanlage, die die in den oberen Bodenschichten gespeicherte Erdwärme nutzt. Hierüber werden 25 % des Wärmebedarfs des Supermarkts gedeckt. Die restlichen 75 % stammen aus der Rückgewinnung der Kühlanlagenabwärme. Deren Abwärme wird über Wärmetauscher dem Markt wieder zugeführt. Sie kommt bei der Warmwasserbereitung und damit auch bei der Beheizung des Markts zum Einsatz. Dies macht den Klimamarkt unabhängig von fossilen Energieträgern.

Die gute Ausleuchtung von Waren und Räumlichkeiten ist für Supermärkte verpflichtend. Auch hier ging man mit einer neuartigen Marktbeleuchtung individuelle und vor allem energiesparende Wege: über das Dach wird der Markt mit Tageslicht -versorgt. Die Isolierverglasungen sind im Scheibenzwischenraum mit einem lichtstreuenden Nanogel befüllt. Die Lichtsteuerung schaltet sich ein, wenn die einfallende Tageslichtmenge nicht mehr ausreicht und reguliert die künstliche Beleuchtung. Die Beleuchtung sämtlicher Kühlmöbel sowie der speziellen Aktionsregale wurde zudem mit energiesparender LED–Technik realisiert. Allein das Beleuchtungskonzept des Klimamarkts spart rund 40 % der Beleuchtungsenergie herkömmlicher Systeme ein.

Zukunftsweisende Energiekonzepte geben sich mit dem Energiesparen allein nicht zufrieden, sondern kombinieren diese wirtschaftliche und ökologische Zielsetzung mit solaren Maßnahmen zur Energiegewinnung. So auch der Mülheimer Klimamarkt, der über eine ca. 1140 m2 große Photovoltaikanlage verfügt, die an exponierter Stelle platziert das Thema des Klimamarktes bereits in der Fassadengestaltung sichtbar werden lässt.

Das gesamte System zur solaren Energiegewinnung setzt sich aus drei separaten Photovoltaikanlagen mit unterschiedlichen PV-Modultypen zusammen. Im Turm oberhalb des Haupteingangsbereichs kommen auf ca. 60 m2 Fläche monokristalline schwarze Schüco »ProSol-Elemente« als Isolierverglasung in Alu-Pfosten- und Riegel-Konstruktion (»Schüco FW 50+.HI«) zum Einsatz. Die Modulabmessungen betragen abhängig von der Scheibengröße zwischen 0,76 x 1,35 m und 3,10 x 1,35 m. Im südlichen und westlichen Dachrandbereich sind auf einer Fläche von ca. 220 m2 über 90 monkristalline schwarze Kompaktmodule (»Schüco S 240-KM«) als Kaltfassade in eine Aluminium-Unterkonstruktion eingehängt. Die Modulabmessungen betragen hier durchgängig ca. 1,14 x 2,04 m. Im Flachdachbereich schließlich hat man sich aus statischen Gründen für eine »leichtere« Lösung mit Photovoltaik-Dünnschichtmodulen entschieden. Etwa 860 m2 dieses Kollektortyps wurden auf eine Dachfolie aufgeschweißt. Alle drei Anlagenmodule zusammen können bis zu 45 000 kW/h Strom erzeugen. Bei einer Photovoltaik-Anlage dieser Größe und Komplexität hat es sich laut der Architekten Vervoorts & Schindler als hilfreich erwiesen, dass die Techniker von Schüco die Planung intensiv begleiteten.

Neben der Anlagentechnik zur Energieersparnis und -gewinnung wurden auch die passiven baulichen Maßnahmen unter gleich strengen energetischen Gesichtspunkten bewertet und geplant. So runden hoch isolierte Aluminium-Profilsysteme (»System Schüco FW 50+.HI«) als Fassaden- und Dachverglasungskonstruktionen das Gesamtbild des Energiekonzepts ab, indem sie durch hohen Tageslichteinfall den Kunstlichteinsatz reduzieren und zugleich hoch wärmedämmend wirken. Der Klimamarkt soll übrigens kein Einzelprojekt bleiben. Die Tengelmann-Unternehmensgruppe beabsichtigt, bald weitere Filialen zu Klimamärkten umzurüsten. Das Mülheimer Pilotprojekt liefert die Erfahrungen.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 11/2009

Umnutzung, Ergänzung, Sanierung

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.