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Sozialer Wohnungsbau Paris, Barrault Pressacco, Foto: Giaime Meloni

Erker aus Hanfbeton: Sozialer Wohnungsbau in Paris von Barrault Pressacco

Der soziale Wohnungsbau, den Barrault Pressacco im Auftrag von Paris Habitat, dem größten sozialen Wohnungsbauunternehmens der französischen Hauptstadt, errichtet haben, steht im heterogenen 18. Arrondissement rund einen Kilometer nördlich des Gare du Nord. Im Westen grenzt er an die viel befahrene Rue Max Dormont, im Osten wird er von einer ruhigeren Wohnstraße flankiert. Zur Hauptstraße im Westen öffnet sich das 22 m tiefe Gebäude mit zwei Ladenlokalen, darüber erweitern zwei Erker die Wohngeschosse zur Straße. Mit den großflächig verglasten Elementen greifen die Architekten eine wechselhafte Pariser Tradition auf: Im Mittelalter kamen Erker in der französischen Hauptstadt häufig vor, waren dann zwischen 1607 und 1882 verboten und fanden dann im 20. Jahrhundert in der Pariser Wohnarchitektur wieder weite Verbreitung. Für die Ostfassade an der Rue Philippe du Girard erlaubte der Bebauungsplan dagegen nur eine flache Gebäudeflucht. Hier liegt auch der Hauseingang zu den 15 Wohnungen. Diese sind als Dreispänner organisiert und werden von einer innen liegenden Wendeltreppe erschlossen. Die großen Fenster an den Straßenfassaden und zwei Innenhöfe sorgen für reichlich Tageslicht auch in den Sanitärräumen und ermöglichen eine Querlüftung der Wohnungen.
Hinter den weiß verputzten Fassaden verbirgt sich eine hybride Konstruktion: Das Tragwerk des Hauses ist ein Betonskelett, die Außenwände wurden jedoch in Holzrahmenbauweise erstellt und mit Hanfbeton gedämmt. Dieses Gemisch aus kleingehäckselten Hanfstängeln, Wasser und einem Bindemittel auf Kalkbasis verbindet passable Dämmwerte mit einer hohen Wärmespeicherkapazität und einer guten CO2-Bilanz. Außerdem ist das Material hygroskopisch und diffusionsoffen und daher in der Lage, Feuchtigkeit aus der Raumluft zwischenzuspeichern und später wieder abzugeben. Die Dicke der Außenwände variiert zwischen 23 und 30 cm; auf diese Weise werden so U-Werte zwischen etwa 0,27 und 0,30 W/m2K erreicht. Außen sind die Wände mit Kalkputz versehen. Innen sind sie mit zwei Lagen Gipsfaserplatten verkleidet, die beim Einbringen des Hanfbetons als verlorene Schalung dienten.
Das Potenzial für die Hanfbetonbauweise in Frankreich ist enorm: Nach Angaben der Architekten wachsen in dem Land etwa 50% aller europäischen Hanfpflanzen. Allerdings ist auch der Flächenbedarf nicht zu unterschätzen: Um die 240 m3 Hanfbeton im Gebäude herzustellen, war die Jahresernte von 8 ha Hanffeldern erforderlich.

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