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Eröffnung des Deutschen Pavillions

Seit gestern ist die 11. Architekturbiennale in Venedig für die Öffentlichkeit zugänglich. Vom 11. bis zum 13. September hatte die Presse die Möglichkeit sich vorab zu informieren. Ein Großteil der weltweit renommierten Architekten kam in die Lagunenstadt, entweder um Projekte zu präsentieren oder sich mit Kollegen auszutauschen.

 

Wie bei den letzten Architektur-Biennalen in Venedig waren außer den Ausstellungen in den Giardini und im Arsenale wieder zahlreiche Symposien und Vorträge auf die gesamte Stadt verteilt. Direktor und Thema werden bei jeder Biennale neu ausgewählt: Aaron Betsky war dieses Mal an der Reihe und gab mit "Out there Architecture beyond Building" erneut eine Richtung vor, die über die Architektur hinausreichen sollte. Was aber ist eine Architektur, die über das Bauen hinausgeht? Muss nicht jede gute Architektur vielfältigste Bedürfnisse erfüllen und sogar noch Zukunftsvisionen entwickeln?

Der deutsche Pavillon interpretiert das Thema als Schaufenster für konkrete innovative Projekte nicht nur im Bereich der Architektur, die zukunftsweisend für eine nachhaltige Entwicklung sein können. Updating Germany ist der Titel, Deutschland soll in Punkto Nachhaltigkeit auf Vordermann gebracht werden. Aber weshalb dann die Lichtdusche über dem Eingangsportikus, die am helllichten Tag Energie verschwendet und sogar im heißen Venedig noch zusätzlich den Pavillon erhitzt? Was hat eine weißblau gestreifte überdimensionale Badehose an der Decke zu suchen? Wieso hängt ein Kasten Bier an einer Waage und bildet mit dem Benzinkanister am anderen Ende ein labiles Gleichgewicht? Die Beschriftungstafeln sind auf dem Boden verstreut, Apfelbäumchen mit Infusionen bestückt und die Sessel zum Ausruhen mit Patchwork Mustern bezogen, die aus der Altkleidersammlung stammen könnten.

Das gefällt nicht jedem! Das versteht auch nicht jeder. Dementsprechend waren die Fragen auf der Pressekonferenz höflich aber durchaus kritisch.
Wird mit diesem Pavillon gar die überlebenswichtige Sache der Nachhaltigkeit zu wenig ernsthaft behandelt? Oder ist die inzwischen gereifte Ökogeneration der 68er, von denen sich viele kritisch geäußert haben, so sehr verkrampft, dass sie keinen lockeren Umgang mit dem Thema erträgt? Einige Besucher bezeichneten die Ausstellung gar als »rührend naiv«. Die Kuratoren des deutschen Pavillons gehören der jüngeren Generation an, die mit einer unbeschwerten Auseinandersetzung keine Probleme hat. Friedrich von Borries und Mathias Böttger setzen sich seit Jahren in ihrem Berliner Büro Raumtaktik mit soziologischen Architekturthemen auseinander: "Heute kann niemand mit Sicherheit sagen, welche Maßnahmen wirklich für die Zukunft die Lösungen bringen, wir können nur Fragen stellen und Ansätze zeigen." Leider ist der Diskurs während der Pressekonferenz nicht ganz zur Entfaltung gekommen, heiß diskutiert wurde aber ohne Mikrofon und Öffentlichkeit unter allen Besuchern. Die Abkühlung brachte dann kurz vor der offiziellen Eröffnung durch Lütke Daldrup, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, ein Regenschauer, der alle Beteiligten in den Ausstellungsraum strömen lies. Und plötzlich hier, eng zusammengepfercht inmitten der Ausstellung, die man vor Menschen kaum noch sah, richtete sich der Blick zum Eingang: Erst jetzt, als sich der Himmel draußen dramatisch verdunkelte, der Sturm kalten Regen über das Ausstellungsgelände peitschte, wirkte die Lichtinstallation wie ein wärmendes Feuer, das auch viele Kritiker plötzlich als angenehm empfanden. Um der Ausstellung gerecht zu werden, muss man sie in Ruhe mit viel Aufmerksamkeit betrachten und am besten den Katalog zur Hand nehmen. Dann entdeckt man in der "zerrütteten Welt" so manchen beachtlichen Ansatz in Sachen Zukunftsperspektive "Made in Germany".

Bilder und Text: Frank Kaltenbach
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