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Erst digital, dann real

Vor gerade mal 15 Jahren noch war es regelrecht ein Hingucker, wenn Studierende aus den ersten Semestern mit aufgeklappten Laptops im Hörsaal saßen. Im »Computerraum« der Hochschulen wiederum musste man ein, zwei Stunden warten, um auf CAD- oder Bildbearbeitungsprogramme zugreifen zu können. Diese Zeiten sind vorbei. Die 2D-CAD-Zeichnung – das kann man Architekten und Planern nicht vorwerfen – ist längst etabliert. Ebenso 3D-Zeichnungen. Jetzt aber gibt es BIM, die Building Information Modeling-Methodik, um die viel Wind gemacht wird. Und die Architekten? Für die ist es eher ein Fön, der ihnen Kopfschmerzen bereitet, denn den nebelfreien Durchblick.

Merksatz fürs Smart Writing Set
Dabei ist BIM eine Methode und keine Software! Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das Arbeiten nach dieser Methode, einen Bau zuerst digital zu planen und auch umzusetzen inkl. aller Gewerke und Modelle und erst dann real zu bauen. Weshalb aber sollte man das tun? Herkömmliche Planungsstrategien können nur eine begrenzte Zahl von Optimierungszielen verwalten. Die Integration parametrischer Planungs- und digitaler Produktionsmethoden zeigt Lösungen Bauprojekte, die es ermöglichen, trotz stetig steigender Planungskomplexität material-, energie-, kosten- und zeiteffizient zu bauen. BIM soll das Planen und Bauen flexibler, transparenter und sicherer machen.

Es gibt bereits einige Büros, die nach diesem Prinzip arbeiten, allerdings handelt es sich dabei um eine recht überschaubare Gruppe. Das Innovationsnetzwerk FUCON 4.0 (Forschungsprojekt Future Construction 4.0) hat im Sommer 2015 Planer und Ausführende nach ihrer BIM-Nutzung befragt. Der Großteil der Befragten gab an, weniger als ein Viertel ihrer Projekte mit BIM zu bearbeiten. Jeder fünfte kannte die Planungsmethode BIM überhaupt nicht. 14% arbeiteten bis dato länger als ein Jahr damit und 18% hielten die Methode für ungeeignet.

Dieser Studie geht eine weitere des KITs in Karlsruhe aus dem Jahr 2013 voraus, die Potenziale und Hemmnisse bei der Umsetzung mit BIM in der deutschen Baubranche untersucht hat. Ein Ergebnis war, dass durch den Einsatz der BIM-Methode ein beachtlicher Mehrwert geschaffen werden kann, aber dass BIM damals nicht in der Lage zu sein schien, die Kooperation zwischen Projektpartnern innerhalb der existierenden Planungsstrukturen in Deutschland entscheidend zu verbessern. Rein technisch betrachtet waren zu diesem Zeitpunkt noch die modellbasierten Schnittstellen ein Hemmnis ebenso wie ungeeignete Vergütungskonzepte oder fehlende bzw. verlässliche Vertragsvorlagen. Ebenfalls interessant ist, dass BIM vor allem bei Großprojekten genutzt wurde, weniger bei kleineren Projekten. Hält man sich vor Augen, dass man erst digital baut und dann erst real, bedeutet das auch, dass der Zeitaufwand mit der BIM-Methode speziell zu Beginn der Projektphase recht hoch ist und erst später abnimmt.

Know-how aneignen
Es geht längst nicht mehr darum, danach zu fragen, ob die Digitalisierung in Planungsprozessen Einzug halten soll oder nicht, sondern darum, sich damit auseinanderzusetzen, was im Laufe dieses Prozesses – auch wenn er in der Baubranche länger dauert als in anderen Sektoren – zu tun ist und wie man sich als Architekt oder Planer im Bestfall umstrukturiert. Die Anfang 2015 gegründete »planen-bauen 4.0-Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH« versteht sich u.a. als zentrale nationale Plattform zu diesem Thema. Dass Innovationen immer eine Marktveränderung bedeuten und sich dadurch klassische Rollenverteilungen, Geschäftsmodelle und Aufgabenprofile verändern können, ist die philosophische Basis der Gesellschaft. Auch die Erkenntnis, dass sich neue Jobprofile und Qualifikationen entwickeln. Die wichtigsten Fragen werden wohl sein: Wie muss ich mich anpassen, um weiterhin erfolgreich zu sein? Kann ich die technologische Entwicklung und den damit verbundenen Aufwand an Hard- und Software, an Schulungen und erweiterten Kenntnissen überhaupt leisten und strategisch nutzen?

Digitale BAU
Fragen, die sich nicht einfach und sofort klären lassen. Die BAU stellt sich diesen Fragen und bietet Architekten und Planern ein umfangreiches Rahmenprogramm zum »Digital Planen, Bauen und Betreiben« an. Vom 16. bis zum 21. Januar gibt es dazu täglich Foren für Architekten. Unter anderem hält Oliver Tessmann, Architekt und Professor für Digitales Gestalten am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt, am Samstag, 21. Januar, ab 15.50 Uhr einen Vortrag zum Thema »Prozesse entwerfen« beim DETAIL research-Forum in Halle A4. Risiken, Chancen und Herausforderungen werden sowohl in Vorträgen als auch in Podiumsdiskussionen erörtert.

Auch die Umsetzung mit digitalem Werkzeug rückt in den Fokus. So stellt Heike Klussmann von der Universität Kassel am 17. Januar um 12 Uhr im Forum B0 stromproduzierenden Beton vor. Dieser »Dyscrete« genannter Beton soll für Fertigteile im Hochbau, als Fassadenelement und neuartiges Wandsystem eingesetzt werden. Das ist nicht nur für Architekten und Planer spannend, sondern für alle am Bau Beteiligten, zu denen natürlich auch das Handwerk gehört. Diesem werden im Rahmenprogramm der BAU u.a. zukunftsfähige Berufsbilder vorgestellt, die sich durch die Digitalisierung ergeben.

Für alle gleichermaßen wichtig sind Referenzen im Neubau sowie beim Bauen im Bestand bzw. bei Sanierungsmaßnahmen und nicht zu vergessen: Know-how aus dem Ausland. Als internationale Leitmesse verhilft die BAU wie immer zum Blick über den Laptop-Rand und bietet die Möglichkeit, untereinander Erfahrungen mit neuen Methoden auszutauschen, um vielleicht in 15 Jahren milde lächelnd auf »die Zeit zurückzublicken, in der die meisten von uns BIM noch nicht einmal kannten«.

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