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Erste Plusenergieschule geht ans Netz

In Hohen Neuendorf bei Berlin ist die erste Plusenergieschule in Deutschland eingeweiht worden. Der Neubau von IBUS Architekten (Bremen/Berlin) hat nicht mehr gekostet als ein „normaler“ Schulbau und bezieht seine Energie aus Holzpellets und einer 512 m2 großen Photovoltaikanlage.

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) eingerichteten Forschungsschwerpunkts »Energieeffiziente Schulen« (EnEff:Schule) werden zukunftweisende energetische Konzepte für Bildungsgebäude entwickelt. Innerhalb dieses Forschungsschwerpunkts werden »Leuchtturmprojekte« gefördert, die einen besonders niedrigen Energiebedarf (3-Liter-Haus-Schulen) oder sogar einen Überschuss bei der Energieerzeugung (Plusenergieschulen) aufweisen.

Die erste Schule in Deutschland, die mehr Primärenergie erzeugt, als sie verbraucht, steht am Ortsrand von Hohen Neuendorf im „Speckgürtel“ nordwestlich von Berlin. Der dreiflügelige Bau von IBUS Architekten beherbergt eine dreizügige Grundschule mit 18 Klassenzimmern, sechs Fachräumen, Dreifachturnhalle und eine Aula, die tagsüber als Mensa genutzt wird.

Basis für den hohen Energiestandard ist wie bei den meisten Plusenergiegebäuden eine Gebäudehülle aus Passivhaus-Komponenten, wobei in diesem Fall auf hochwertige, langlebige Materialien geachtet wurde. Die Außenwände bestehen aus Stahlbeton mit Vormauerziegeln und einer Mineralwolldämmung (U-Wert 0,13-0,15 W/m²K), die Fenster sind eine Holz-Aluminium-Konstruktion (Uw-Wert <0,8 W/m²K), das Dach ist mit 350 mm Polystyrolschaum gedämmt und anschließend begrünt (U-Wert 0,11 W/m²K). Insgesamt erreicht die Schule so einen Heizwärmebedarf von 19 kWh/m²a, also leicht über Passivhausniveau.

Nicht den üblichen Gepflogenheiten eines Passivhauses entspricht hingegen die Lüftung: Zwar wird die Grundlüftung durch eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung bereitgestellt. Hinzu kommen jedoch manuell zu öffnende Fenster sowie automatisch öffnende Lüftungsflügel in den Fassaden, die in den Pausen eine zusätzliche, natürliche Stoßlüftung bewirken sollen. Lediglich bei ungünstigen Witterungsbedingungen (etwa großer Kälte oder Hitze) arbeitet allein die mechanische Lüftung – dann mit entsprechend höheren Luftwechselraten.

Holz und Sonne als Energielieferanten
Beheizt wird die Schule hauptsächlich durch einen 200 kW-Pelletkessel mit Pufferspeicher. Für Spitzenlasten steht zusätzlich ein ebenfalls mit Pellets betriebenes Klein-BHKW mit Stirlingmotor zur Verfügung. In der (berechneten) Jahresbilanz erreicht die Schule einen Primärüberschuss von 3400 Kilowattstunden, entsprechend rund 2% ihres Bedarfs. Der Primärenergiebedarf für Heizung, Beleuchtung, Kühlung und Hilfsenergie wurde mit 23,8 kWh/m²a bilanziert. Kompensiert wird dieser Bedarf zum einen durch die Stromproduktion aus dem Pellet-BHKW und – in weitaus höherem Maß – durch die Erträge aus einer 412 m² großen Photovoltaikanlage auf dem Schuldach.

Neue Materialien im Test
Neben bewährten Konstruktionen werden in der Schule auch einige durchaus neuartige Materialien erprobt. In die Fensterflächen der Klassenzimmer sind transluzente Verglasungen integriert, bei denen der Scheibenzwischenraum mit hoch wärmedämmendem Nanogel gefüllt ist und die so Ug-Werte von 0,3 bis 0,6 W/m²K erreichen. Die automatischen Öffnungsflügel der Fassaden sind mit Vakuum-Isolationspaneelen (VIP) gedämmt. Diese erreichen mit einer Gesamtstärke von weniger als 10 cm (20-40 mm VIP plus 40-60 mm Mineralfaser) Dämmwerte, für die bei traditionellen Fassadenpaneelen Dicken von 150 bis 350 mm erforderlich gewesen wären.

Die dritte „Materialneuheit“ sind elektrochrome Gläser in der Mensa, die sich bei Stromzufuhr dunkel verfärben. Sier sollen einen außen liegenden – und witterungsanfälligen - Sonnenschutz entbehrlich machen.

Die Gesamtkosten (Kostengruppe 200-700) der neuen Schule geben die Architekten mit 12 Millionen Euro an, entsprechend 1620 Euro je Quadratmeter Fläche. Die reinen Bau- und Anlagenkosten (Kgr. 300 + 400) werden mit 1322 Euro/m² beziffert, was eher im unteren bis mittleren Bereich für einen Schulneubau liegt. Inwieweit diese Kosteneffizienz sich auch auf künftige, nicht im Rahmen eines Forschungsprojekts entstehende Plusenergieschulen übertragen lässt, wird sich allerdings erfahrungsgemäß noch zeigen müssen.

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