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Exbury Egg: Mobile Unterkunft für einen Künstler

Stephen Turner verfolgt kein romantisches »back to nature project« – auch wenn das eiförmige Wassergefährt, mit dem der Künstler gegenwärtig das Mündungsgebiet des Beaulieu River nahe Southampton erkundet, auf den ersten Blick wie die handwerklich perfekt ausgeführte Realisierung eines Aussteigertraums anmutet. Ausgerüstet mit modernstem Equipment betreibt er 365 Tage lang künstlerisch ambitionierte Feldforschung und begreift sich selbst in diesem Kontext als menschliches Sprachrohr einer stimmlosen Umwelt. Oberster Grundsatz dabei: »Reduce, Reuse and Recycle«. Das selbsttragende und energieautark funktionierende Objekt »Exbury Egg« setzt diese Vorgabe perfekt um.

Design: PAD Studio + SPUD Group + Stephen Turner
Standort: Mündungsgebiet des Beaulieu River nahe Southampton
Dauer: 15. Juli 2013 - 14. Juli 2014

Das Spezialgebiet des Künstlers Stephen Turner sind Langzeiterkundungen in ökologischen Milieus. Für das aktuelle Projekt hat er sich mit den Designern von PAD Studio und SPUD Group zusammengetan. Entstanden ist ein eiförmiger Körper, dessen Konstruktion Anleihen im Bootsbau nimmt und der dem Künstler als Behausung für ein einjähriges Experiment dient:
Seit Juli 2013 studiert er die Vielfalt ökologischer Muster im Mündungsgebiet des Beaulieu River und lässt sie Einfluss auf seinen künstlerischen Output nehmen.

Stephen Turner's Anspruch geht jedoch weit über sein persönliches Erleben hinaus.
Sein Projekt versteht er auch als Statement zur Verantwortung von Künstlern und Architekten gegenüber ihrer Umwelt und als Appell sensible Umgebungen zu schützen. Eine breite Öffentlichkeit hatte bereits im Vorfeld Gelegenheit sich in Workshops und Seminaren mit dem Anliegen des Künstlers auseinanderzusetzen. 

Stephen Turner über sein einjähriges Projekt:
"Das Projekt sorgt für die notwendige Vermittlung zwischen Landschaft und Mensch zu einem entscheidenden Zeitpunkt, an dem der Klimawandel bereits dabei ist, neue Uferlinien und Lebensräume zu definieren. Bestehende Sumpfgebiete unterliegen einem Erodierungsprozess durch steigende Wasserpegel. Die gesamte Uferregion befindet sich im Umbruch. Die Auswirkungen auf Flora und Fauna und demzufolge auf den Menschen stellen eine Herausforderung für das 21. Jahrhundert dar und schärfen das Bewusstsein in einer überaus besorgten Gesellschaft, die sich gleichzeitig mehr und mehr von der Natur entfremdet."

Die Ausführung wurde von einem lokal ansässigen Bootsbauer übernommen. Die mit wiedergewonnenem, kalt geformtem Zedernholz ummantelte Struktur ist ungefähr sechs Meter lang bei einem Durchmesser von 2,80 Metern. Regionale Bautraditionen fortsetzend, bestehen die Spanten und die Rahmenkonstruktion aus vor Ort vorkommender Douglastanne.


Wendy Perring, Projektarchitektin (PAD Studio) über "Exbury Egg":
"Unser Ziel war es, eine Struktur für Leben und Arbeit vorzugeben, die minimale Auswirkungen auf die Umgebung hat. Wir haben Materialien aus der nahen Umgebung verwendet, die möglichst wenig graue Energie verbrauchen. Das gesamte ausführede Team bestand aus lokal ansässigen Handwerkern, die Jahrhunderte alte Techniken zur Anwendung brachten. Wir wollten ausprobieren, wie wenig man braucht, um einigermaßen angenehm leben zu können und dabei gleichzeitig so wenig wie möglich Einfluss auf die Umgebung zu nehmen."


Vom lokalen Bootsbauer über die Landstraße zum nächsten Hafen und von dort im Schlepptau an den Ort des einjährigen Experiments: eine Geschichte in zehn Bildern.

Wer das einjährige Experiment hautnah verfolgen möchte, kann Stephen Turner's Blog besuchen. Dort sind täglich neue, interessante und amüsante Details aus dem Alltag des selbsternannten "Beaulieu Beadle" entdecken.

Bleibt zu wünschen, dass das Projekt "Exbury Egg" weiterhin auf reges Interesse stößt und die am Ende des Jahres gewonnenen Erkenntnisse genug Inspirationskraft für notwendige Diskussionen entfalten.

 Peter Popp

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 10/2013

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