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hammeskrause architekten, Stuttgart, Fassade, Dach, Aluminiumrautenm, Prefa

Farbenspiel für eine Mensa: Wenn Schüler ihre Umgebung mitgestalten

Ihr Gebäude besticht nicht nur durch die auffällige Hülle, sondern auch durch den partizipativen Ansatz, ­in dem der äußere­ Charakter definiert wurde. Wie kam es dazu, die Schüler ihre eigene Mensa mitgestalten zu lassen?
Es gab zwei Faktoren: Zum einen galt es, die beiden Schulen mit unterschiedlicher pädagogischer Ausrichtung sowie deren Schüler ­zusammenwachsen zu lassen – räumlich und synergetisch durch die ­gemeinsame Nutzung des Gebäudes. Zum anderen hatten wir ein Deckmaterial gewählt, mit dem sich Dach und Wand als einheitliches Element umsetzen ließen, und das noch dazu baukonstruktiv vorteilhaft und wirtschaftlich war. Daraufhin haben wir erst einmal selbst begonnen, mit den circa 4000 Schindeln zu gestalten. Nach der gefühlt 250. Variante hatten wir uns am Kanon aus Architektur, Muster, Struktur und Verfremdung genügend ausgetobt und die einzige sinnhafte Lösung schien uns eine möglichst unmittelbare Anbindung an das Wesen der Aufgabe: eine direkte und schnörkellose Verbindung zu den Nutzern.

Das Farbmuster wirkt zufällig, ­wurde von den Schülern aber genauso erarbeitet. Wie lief der Prozess ab?
Wir ebneten in der Verwaltung die ­Akzeptanz für diesen Weg, für den partizipativen Prozess. Es wurden ein grobes Konzept und ein Ablauf skizziert, bevor wir Workshops mit einer Gruppe von Schülern und Kunst­lehrern beider Schulen durchführten. Dabei haben uns das Hochbau- und das Schulverwaltungsamt tatkräftig begleitet. Die Auswahl der insgesamt zwölf Beteiligten erfolgte über die Schulen. Beim ersten Workshop luden wir die Schüler in unser Büro ein und erläuterten Fragen zum ­Projekt. Danach ging es an die große Aufgabe, eine von der Gruppe getragene Gestaltungslösung für die Dach- und Wandflächen zu finden. Wir wählten vier Farben aus insgesamt elf möglichen aus. In weiteren Workshops führten wir Assoziationsübungen zu allen Nutzungsszenarien des Gebäudes durch, studierten Prinzipien der Kleinteiligkeit und erspürten Gesetz­mäßigkeiten beim Kombinieren der Schindeln. Wir hatten Ausschneidebögen erstellt und ein Gebäude­modell, über das man diese legen konnte, um sich an die Wirkung der unterschiedlichen Entwürfe heranzutasten. Vier Kleingruppen überlegten sich Motive und farbliche Annähe­rungen. Es sollte kein Wettkampf werden, sondern wir kamen in einfachen, wertschätzenden, diskursiven Schritten zu einem Ergebnis, das Ideen jeder Gruppe enthielt. Diese Erfahrung von Teilhabe, Engagement und Wirkung ist das Fundament für die Identifikation der Schüler mit ihrer Mensa.

Wie kam es zu dem Materialmix aus Holzkonstruktion, Sichtbeton, Aluminium und Glas?
Die Materialien ergeben sich aus der Aufgabe und aus dem Kontext. Das Holztragwerk definiert die Spannweite und ist außen fast nicht zu sehen. Innen vermittelt es Zeitlosigkeit. Bewusst gesetzte Öffnungen aus Glas führen den Blick in den grünen Schulhof. Die konstruktiv simple Blechschindel kontrapunktiert ihre eigene Schlichtheit mit ihrem Reichtum an Farben.

Welche Vorteile boten speziell die ­Dach- und Wandrauten aus Aluminium?
Sie bieten eine erfreuliche, unbegrenzte Freiheit in der Gestaltung. Zudem sind sie technisch erprobt, selbst bei Unwettern hochgebirgstauglich, bilden eine nachhal­tige, dauerhafte Lösung und erlauben eine handwerkliche Baukonstruktion. Wenn sie in Extremsituationen überzeugen, warum nicht auch in Möhringen?

Sie bauen vorwiegend Forschungsgebäude oder Kliniken und legen stets Wert auf die Nutzerperspektive. Welche Ideen und Sichtweisen der jungen Beteiligten können Sie für weitere Projekte mitnehmen?
Unsere Einsicht, jeglichen Nutzer mit großer Neugier und Empathie zu empfangen, eröffnet so wunderbare und spannende Prozesse und bringt auf allen Seiten nachhaltige und befriedigende Ergebnisse sowie einen systemischen Planungs- und Bauverlauf hervor.

Haben Sie bei den Schülern vielleicht sogar Interesse für den Architektenberuf geweckt?
Das wissen wir nicht. Wenn sich jedoch der Eindruck bei den Schülerinnen und Schülern verfangen haben sollte, dass sie mit ihrem Engagement als Individuum einen Beitrag leisten, und dass sie etwas maßgeblich mitgestalten können, dann wäre das, nicht nur für die Schülerinnen und Schüler sondern auch für unsere Gesellschaft, ein richtig großer Gewinn. Es wäre ein wunderbarer Mikrobaustein der Demokratie!

Das Interview ist in einer gekürzten Form erschienen in der DETAIL Materialprobe – Gebäudehülle aus Aluminium im Heft DETAIL 10/2020
in Kooperation mit Prefa

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