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Foto: H.G. Esch

Fassade als Sonnenfänger: Neues Rathaus in Freiburg

Drei ovale Bürobauten und eine kreisrunde Kindertagesstätte – das war der Plan, mit dem ingenhoven architects 2013 den internationalen Architektenwettbewerb für den Freiburger Rathausneubau gewannen. Langfristig will die Stadt auf dem Areal zwei Kilometer westlich der Altstadt den Großteil ihrer mehr als 3000 Angestellten zusammenziehen. Realisiert wurden zunächst ein Bürogebäude für 840 Mitarbeiter sowie die Kita. Der Spatenstich für einen zweiten Verwaltungsbau soll demnächst stattfinden.

Im  Erdgeschoss des neuen Rathauses hat das Amt für Bürgerservice seine Beratungsplätze bezogen. Die Schalterhalle nimmt die ganze Grundfläche des Gebäudes ein und wird von oben durch zwei Glaskuppeln belichtet. Darüber ragen ringförmig fünf weitere Bürogeschosse auf. Hier ist die Gebäudetiefe mit 14 bis 19 Metern so bemessen, dass eine Vielzahl von Büroformen realisierbar wurde – vom Einzel- und Zweierbüro mit Glastrennwänden über Gruppenbüros für sechs bis acht Personen bis zum Großraum.

Freiburg gilt seit jeher als Vorreiterkommune in Sachen Klimaschutz und wollte daher auch mit seinem neuen Rathaus Zeichen setzen. Als erster kommunaler Verwaltungsbau in Deutschland erreicht es den Netto-Plusenergiestandard. Der Primärenergiebedarf laut EnEV liegt gerade einmal bei  40 kWh/m2a. Die Gebäudehülle entspricht in puncto Dämmung und Luftdichtheit dem Passivhausstandard. Um ausreichend Strom zu erzeugen, wurden nicht nur drei Viertel aller Flachdächer, sondern auch weite Teile der Fassaden mit Photovoltaikmodulen belegt. Die kristallinen Glas/Glas-Module sind in geschosshohe Elemente vor der eigentlichen Gebäudehülle integriert und einheitlich um 36 Grad aus der Fassadenebene gedreht. Schlanke, auf Höhe der Geschossdecken auskragende Aluminiumkonsolen tragen die Fassadenelemente.
Die raumhohen, relativ schmalen Fenster des Bürobaus sind fest verglast. Eine manuelle Lüftung der Büros ist mithilfe öffenbarer, gedämmter Lüftungsklappen hinter den Solarmodulen möglich, die ebenfalls über die gesamte Raumhöhe reichen. Das gleiche Prinzip wandten die Architekten auch an der hofseitigen Fassade an. Allerdings entfallen dort die Solarmodule und die Lärchenholztafeln sind in geringerem Abstand parallel vor der Fassade angebracht.

Die benachbarte Kindertagesstätte variiert mit ihrer Kreisform und den umlaufenden, von Holzlamellen umhüllten Balkonen das gestalterische Grundthema des Rathauses. Wie ihr Nachbar musste sie dem Passivhausstandard genügen, ihren Strom allerdings nicht selbst erzeugen. Im Inneren des Gebäudes verbirgt sich eine Hybridkonstruktion aus Stahlbeton- und Holzständerwänden. Die thermische Gebäudehülle besteht aus hoch gedämmten, vorgefertigten Holztafelelementen.

Insgesamt sind auf und am Gebäude 4000 Quadratmeter Solarmodule verbaut, davon rund 60% auf dem Dach. Der größte Teil davon sind Photovoltaikmodule. Ein Teilbereich der Dachfläche ist jedoch auch mit PVT-Hybridmodulen belegt, die sowohl Strom als auch Warmwasser (unter anderem für die Küche in der Kantine) erzeugen.  Wärme und Kälte gewinnt das Haus aus einem Grundwasserbrunnen. Zur Beheizung ist Letzterer an zwei Wärmepumpen mit je 200 kW Leistung angeschlossen; Spitzenlasten deckt überdies ein Gas-Brennwertkessel ab. Für angenehme Temperaturen im Sommer sorgt eine freie Kühlung mit Grundwasser ohne Zuhilfenahme der Wärmepumpe. In die Räume gelangen Wärme und Kälte über eine Bauteilaktivierung; in Fensternähe wurde in den Büros zudem ein individuell regelbarer Streifen aus Heiz- und Kühlpaneelen unter der Decke angebracht. Diese sind überdies mit einer Schallschutzfunktion versehen. Eine thermische Simulation ergab, dass im Rathaus auf diese Weise selbst bei extremer Wetterlage nur maximal 50 Stunden pro Jahr Temperaturen über 27 °C auftreten werden. 

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Weitere Informationen:

Bauleitung:
ingenhoven architects, Düsseldorf /Ernst² Architekten AG, Stuttgart (DE)
Tragwerksplanung:
Mohnke Höss Bauingenieure, Freiburg (DE)
Energiekonzept, Photovoltaik, TGA-Planung, Fassadenplanung, Bauphysik: DS-Plan, Stuttgart (DE)
Brandschutz: BPK Brandschutz Planung Klingsch, Frankfurt/Main (DE)
Fassadenbau: Heinrich Würfel Metallbau, Sontra (DE)
Photovoltaikmodule: a2-solar, Erfurt (DE)
Fassadenprofile: Wicona/SAPA Building Systems GmbH, Ulm (DE)
Sonnenschutz: Warema Renkhoff SE, Marktheidenfeld (DE)

Eine ausführliche Print-Dokumentation zum Thema »Fassaden« finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 5/2018.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2018
DETAIL 5/2018

Fassaden

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