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Fassade mit Sonnenschutz


Die ThyssenKrupp AG beauftragte nach einem aufwendigen Pre-Qualifikationsverfahren die Südtiroler Metall- und Glasbauspezialisten FRENER & REIFER, die Primärfassade mit innovativem Sonnenschutzsystem ihrer neuen Hauptverwaltung zu entwickeln, zu planen und umzusetzen. Das architektonische Konzept entstammt hierbei der deutsch-französischen Kooperation von JSWD Architekten, Köln und Chaix & Morel et associés, Paris. Die Edelstahle lieferte ThyssenKrupp selbst. Der Prototyp ist auf der glasstec 2010 zu sehen.

Auf einem ehemaligen Industriegelände in Essen entsteht das ThyssenKrupp Quartier als neuer Stadtteil. Eine Konzernzentrale, die sich den Bürgern öffnet. Die Architektur symbolisiert transparente Entscheidungen. Auch die Arbeitsplätze erhalten großzügigen Zuschnitt durch offene Grundrisse nach neuesten Erkenntnissen der Büroorganisation. Räumliche Weite entsteht durch großformatige Fassaden, in Elementbauweise mit Sonderprofilen ausgeführt, integriertem Blendschutz und raumhoher Verglasung für großzügige Ausblicke, die dem Arbeitsklima zugute kommen.

Der Primärfassade mit nach außen öffnungsbegrenzten Drehflügeln wurde ein völlig neu entwickeltes Sonnenschutzsystem aus Edelstahl als zweite Fassadenebene vorgesetzt, das dem Neubau mit annähernd 8.000m² seine „rauhe Schale“ verleiht.

Das von FRENER & REIFER innovative Sonnenschutzsystem wandelt sich dynamisch je nach Sonneneinfall: an sonnigen Tagen oder etwa bei Sturm wird die Fassade planeben geschlossen und präsentiert sich als silbrig-glänzende Fläche während sie an bedeckten Tagen den völlig freien Ausblick von Innen ermöglicht. Dies ist durch die neuartige Positionierung der nach eingehenden Forschungsarbeiten besonders geformten Lamellen möglich: sie sind an senkrechten Edelstahlwellen befestigt, die sich in einer sie umgebenden Hohlwelle so drehen lassen, dass sie nach außen zusammengefaltet werden können. Die Innenachse ermöglicht das stufenlose Drehen der Lamellen nach dem Sonnenstand bis zur völligen Überdeckung, so dass keine Sonnenstreifen störend in die Arbeitsräume fallen können.

ThyssenKrupp Headquarter. Foto: Günter R. Wett / FRENER & REIFER Metallbau

Die Entwicklungsarbeit von FRENER & REIFER an dieser revolutionären Fassadentechnik wurde durch bauphysikalische Untersuchungen begleitet. Dies führte dazu, dass die Oberseiten der Lamellen einen feinen Microlonschliff erhielten und die Unterseiten matt gestrahlt sind. Ebenfalls durch eingehende Entwicklungsarbeit wurde als beste Lösung im Hinblick auf Herstellung, Montage, Korrosion, Logistik und Kosten die Schraubverbindung aller Teile gewählt. Angetrieben wird die Verschattung mit jeweils zwei Motoren für immer vier Lamellenbäume bis zu einer Windgeschwindigkeit von 70 km/h. Die Motoren sind ohne Verschleißteile mit wartungsfreien, exakt auf die Funktionsanforderung konzipierten, Getrieben versehen, die eine Betriebsdauer von über 10 Jahren zulassen.

FRENER & REIFER hat die Primärfassade am Gebäude vom 1. bis 13. Stock hängend ausgeführt, im Erdgeschoss ruht sie auf einer Basiskonstruktion. Der außen liegende Sonnenschutz ist mit ihr über T-förmige Konsolen verbunden. Dabei wurden statisch genaueste Berechnungen angestellt um die Vertikallasten für die Fassade so gering wie möglich zu halten. Daraus resultierte schließlich die Pakettiefe der Lamellen von 70 Millimeter. Neben den rund 380.000 Edelstahllamellen wurden über 3.000 Lamellenbäume mit insgesamt etwa 1.6 Millionen Befestigungs- und Verbindungsteilen produziert und montiert. Zahlen, die man bei dem höchst eleganten Eindruck der Fassade aus Edelstahl gerne vergisst – doch gerade diese Symbiose aus gewählter Materialität und perfekter Ausführung symbolisiert den Produktbereich, der ThyssenKrupp am Weltmarkt erfolgreich gemacht hat.

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