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Fassade vor der Fassade: Modernisieren im laufenden Betrieb

Schmutz und Lärm, unzufriedene Nutzer und im schlimmsten Fall der komplette Freizug eines Gebäudes: bei Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen im Fassadenbereich drohen in der Regel erhebliche Einschränkungen. Dass dies nicht zwangsläufig so sein muss, demonstriert Thomas Haltenhof, Leiter Produkt Management International des Unternehmens Schüco International KG, an einem neuen Fassadensystem, das sich besonders für die Sanierung im laufenden Betrieb bei standardisierten Büro- und Verwaltungsbauten anbietet.

Anforderungsprofile für Fassadensanierungen aus den verschiedenen Perspektiven von Investor, Nutzer, Planer und Metallbauer
Zielgebäude – Anteil am Gebäudebestand (Nichtwohngebäude) (Bildmaterial: alle Schüco International KG)

Ausgangssituation und Anforderungsprofil
Mehr als 40 Prozent der heutigen Bestandsbauten stammen aus der Zeit zwischen Ende der 1940er- und Anfang der 1980er-Jahre. Sie besitzen zumeist ein hohes Energieeinsparungspotenzial. Hier setzt das von Thomas Haltenhof präsentierte System an, das sich besonders für die Typologie der Büro- und Verwaltungsbauten eignet, die in der Regel als standardisierte Stahlbetongebäude ausgeführt wurden. „Sie haben große Vorteile“, begründet Haltenhof die Auswahl, “vollflächige Verglasungen sind selten, sie basieren auf klaren Rastern sowie Strukturen und besitzen Fensterband- oder Lochfensterfassaden.“ Zudem müssen diese Bauten in absehbarer Zeit zum einen an die energiepolitischen Vorgaben der EnEV angepasst werden, zum anderen entspricht die enthaltene Gebäudetechnik und der Komfort in den seltensten Fällen den heutigen Standards. Neben einer deutlichen Reduzierung der Unterhaltskosten und des Energieverbrauchs ist nicht zuletzt eine moderne Neuinterpretation der durch Waschbeton- oder Sandwichplatten geprägten Bauten Sinn der meisten Sanierungsmaßnahmen.

Visualisierung des Fassadenaufbaus und Systemkomponenten

Gesucht wird dabei ein System das vielerlei Anforderungen erfüllt. „Ein Fenster“, so Haltenhof,“ ist relativ schnell ausgetauscht. Wenn wir allerdings überlegen, was bei einer ganzen Fassade passiert, dann hat das einen sehr hohen Einfluss auf die Nutzer des Gebäudes. Ziel sollte es sein, diesen zu minieren.“ So steht im Zentrum der Modernisierung eine möglichst störungsfreie Nutzung des Gebäudes, bei der Beeinträchtigungen durch Baulärm und -staub sowie ein kompletter Freizug der Immobile vermieden werden. Neben den Energie- und Komfortaspekten sind sich hierin Bauherr, Nutzer und Planer weitgehend einig. Für den Architekten spielt zudem die Variabilität des Systems eine große Rolle, um die charakteristischen Merkmale der Bauten zu erhalten und zugleich die veränderten Nutzerbedürfnisse zu gewährleisten. Auch die Interessen der ausführenden Gewerke hinsichtlich einfacher Fertigung und leichter Montage sind zu beachten, damit eine möglichst reibungslose Modernisierung gelingen kann.

Der Vorsatz – das System
Die Lösung sieht Schüco in der Montage des neuen Systems vor der alten Fassade. Dabei wird auf Kombinationen bestehender Fassaden- und Gebäudetechniksysteme des Unternehmens zurückgegriffen, während die eigentliche Innovation auf der Art der Montage basiert. Voraussetzung für den Einsatz sind tragfähige Betondecken des Bestands, an die Konsolen angebracht werden. In die vertikalen Spannweiten von bis zu 4,50 Meter werden vertikal und horizontal vormontierte Lisenen eingehängt, die die gesamte Verkabelung, den Sonnenschutz sowie die Dränage des Systems aufnehmen können. Hochgedämmte Aluminiumfenster werden von außen eingebracht und thermisch getrennt montiert. Blindelemente können mit unterschiedlichen Materialien oder Funktionen wie PV-Elementen bespielt werden. Die anschließenden Abdichtungs- und Dämmarbeiten erfolgen ebenfalls von außen. Erst wenn die Versiegelung der Fassade erfolgt ist, werden die alten Fenster von innen demontiert und die entsprechenden Beiputzarbeiten ausgeführt. „Das ist alles, was der Nutzer direkt merkt“, hebt Haltenhof den Vorzug hervor.

Vertikalschnitt im Detail
Horizontalschnitt im Detail
Referenzbeispiel DGB Zentrale – Montage Konsolen
Referenzbeispiel DGB Zentrale – Montage Lisenen
Referenzbeispiel DGB Zentrale – Demonage der alten Fenster

Neben der Montage im laufenden Betrieb soll sich das Modernierungssystem aber auch aus energetischen Aspekten rechnen. Sonnenschutz, dezentrale Lüftungselemente und nicht zuletzt Fassadenelemente im Passivhausstandard sind darauf ausgelegt, den typologisch hohen Heiz- und Lüftungsbedarf der Bauten zu reduzieren. „Der Energieverbrauch von einem Büroneubau der 1990er-Jahre lässt sich um 80 Prozent verringern“, beschreibt Haltenhof die energetischen Vorzüge. Das System wurde bereits bei zahlreichen Referenzbauten in individuellen Varianten und mit unterschiedlichen Komponenten angewandt. Allen Projekten gemein ist die vollständige Montage der Fassade von außen – und vermutlich auch eine hohe Zufriedenheit der Nutzer, die das Gebäude trotz der Fassadensanierung fast durchgängig nutzen konnten.

Referenzbeispiel: Umbau Verwaltungsgebäude der Hafen Entwicklungsgesellschaft Rostock

Vortrag von Thomas Haltenhof, Leiter Produkt Management International bei dem Unternehmen Schüco International KG, im Rahmen der fünfteiligen Veranstaltungsreihe „Die Zukunft des Bauens“, veranstaltet von DETAIL research und der Forschungsinitiative Zukunft Bau des BMUB und BBSR am 26. Juni in München zum Thema "Modernisierung des Wohnungsbestands“.

Zur Person
Thomas Haltenhof ist Leiter Produkt Management International bei dem Unternehmen Schüco International KG. Er studierte Architektur und Stadtplanung in Stuttgart und arbeitete in den Jahren 2002 bis 2009 als Architekt in Sydney, wo er die Leitung internationaler Projekte innehatte. Seit 2010 ist Thomas Haltenhof bei Schüco International KG im Bereich Produkt Management Fassade, seit 2012 als Leiter des Bereichs tätig. In seinem jetzigen Verantwortungsbereich Leitung Produkt Management International ist Thomas Haltenhof seit 2013 tätig.

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