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Fernwirkung: Weingut Château La Dominique von Jean Nouvel

Der östlich von Bordeaux gelegene kleine Ort Saint-Emilion zählt mit seiner ihn umgebenden Landschaft, den schier endlosen Weinreben und den zahlreichen Weingütern seit 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe. Mit einem spiegelnden Erweiterungsgebäude schafft der französische Stararchitekt Jean Nouvel einen aufregenden Kontrast zum behutsam renovierten Bestand des alten Weinguts Château La Dominique.

Architekt: Jean Nouvel – Ateliers Jean Nouvel, Paris
                  Moon Safari ex-Air Architectes, Bordeaux
Standort: Château La Dominique, Saint-Emilion, Frankreich

Jean Nouvel, Cateau La Dominique, Roland Halbe
Foto: Roland Halbe

Die Region um das französische Bordeaux ist das weltweit größte zusammenhängende Anbaugebiet für Qualitätswein. In dem östlich davon gelegenen Ort Saint-Emilion mit seinen 2.500 Einwohnern befinden sich berühmte Winzer wie Cheval Blanc, Petrus, Figeac, l’Evangile oder La Conseillante fast schon Tür an Tür. Eingebettet zwischen 30 Hektar Weinreben zählt auch das Château La Dominique zur Spitzengruppe der »Gran Cru Classé«. Der Entwurf für den Erweiterungsbau entsprang der Feder des französischen Stararchitekten Jean Nouvel, der – ganz klischeehaft für diese Berufsgruppe – ein Rotweinliebhaber ist.

Jean Nouvel, Cateau La Dominique, Roland Halbe
Foto: Roland Halbe
Jean Nouvel, Cateau La Dominique, Roland Halbe
Foto: Roland Halbe

Um den benachbarten Winzern und ihren teils sehr ansprechenden Gebäuden Paroli bieten zu können, entschied man sich für eine Erweiterung zum renovierten Altbestand, der sich möglichst auffallend von dem alten Steingebäude abhebt und wie eine Skulptur weit in die angrenzenden Weinreben hineinragt.  Das gesamte Volumen besteht vereinfacht aus vier vertikalen und einer horizontalen Platte, die konstruktiv mit Stahlbeton ausgeführt wurden. Das zentrale Element des Entwurfs ist die aus polierten Metallpaneelen bestehende Fassade des Anbaus, die in insgesamt sechs verschiedenen Rottönen die Umgebung wiederspiegelt: Auf Grund der sich von oben nach unten variierenden Winkel der Platten ergibt sich eine umgekehrte Reflexion. Die bodennahen Spiegelflächen geben den Himmel, die Paneele in Richtung des Gebäudedachs die Weinreben wieder. So spielt der Entwurf ganz offensichtlich mit seiner Funktion und zeigt, dass sich hier alles um Wein dreht. Jean Nouvel lehnt sich damit an die Arbeiten des indischen Bildhauers Anish Kapoor an, der, wie bei der Cloud Gate in Chicago, Reflexion und Perspektive als zentrales Thema wählt.

Jean Nouvel, Cateau La Dominique
Lageplan, Grafik: Ateliers Jean Nouvel
Jean Nouvel, Cateau La Dominique
Grundriss EG, Grafik: Ateliers Jean Nouvel
Jean Nouvel, Cateau La Dominique
Grundriss OG, Grafik: Ateliers Jean Nouvel
Jean Nouvel, Cateau La Dominique, Lida Guan
Foto: Lida Guan

Durch die Erweiterung der Fläche erhält das Chateau La Dominique einen mit 20 Stahlbehältern bestückten und 600 m2 großen Gärkeller, der unter anderem auch für Verkostungen im Rahmen von Führungen durch das Gut genutzt wird. Erst bei Dämmerung und Nacht erlaubt die transparente Nordfassade von Außen Einblick auf diese Kessel. Durch eine besondere Spiegelverglasung wird bei Tageslicht das Umland mit seiner endlosen Weinebene reflektiert.
Neben den Weinkellern in den Seitenflügeln des Bestandgebäudes befindet sich zwischen Neu- und Altbau ein repräsentativer Raum, in dem der Wein in ringförmig angeordneten Holzfässern gelagert und zur Schau gestellt wird.

Jean Nouvel, Cateau La Dominique, Roland Halbe
Foto: Roland Halbe
Jean Nouvel, Cateau La Dominique, Roland Halbe
Foto: Roland Halbe

Weintrinkern mit der Vorliebe für ein besonderes Ambiente bietet sich das Restaurant auf dem Dach des Gärkellers an. Das »La terrasse rouge« ist rundum verglast und sorgt zudem von seiner opulenten Terrasse aus für einen grandiosen Fernblick über das Umland des Château. Als eine Reminiszenz an die Tradition der früheren Herstellung von Wein – das Stampfen und Ausquetschen der Trauben - wurden auf einem Bereich der Terrasse entsprechend gefärbte Glassteine als Bodenbelag verwendet, die man als Gast auch barfuß betreten darf. Das Element der Reflexion kehrt bei einem Blick aus dem Fenster des Restaurants wieder. Außen an der Unterseite des Dachs angebrachte Platten spiegeln den Altbestand sowie den Himmel und vermitteln trotz der modernen Architektur eine starke Zugehörigkeit zum bestehenden Weingut.

Jean Nouvel, Cateau La Dominique
Längsschnitt, Grafik: Ateliers Jean Nouvel
Jean Nouvel, Cateau La Dominique
Ansicht Ost, Grafik: Ateliers Jean Nouvel
Jean Nouvel, Cateau La Dominique
Querschnitt, Grafik: Ateliers Jean Nouvel

Weitere Informationen:

Architekt: Ateliers Jean Nouvel, Paris, Frankreich
begleitende Architekten: Moon Safari ex-Air Architectes, Bordeaux, Frankreich
Planung: 2010-2012
Konstruktion: 2012-2014
Fertigstellung: März 2014
Kunde: Vignobles Clément Fayat
Gesamtfläche: 3.200 m2
Kosten: 7.000.000 Euro (ohne Produkte für Weinerzeugung)

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2015

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