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Flexibles Raumkonzept: Gourmetrestaurant Steirereck von PPAG

Das seit 1897 bestehende Steirereck zählt seit Jahren zu den besten kulinarischen Adressen weltweit; in Österreich belegt das Gourmetrestaurant im Branchen-Ranking regelmäßig den Spitzenplatz. Im medialen Gewitter der Superlative bleiben die Betreiber Birgit und Heinz Reitbauer jedoch fokussiert und setzen auf Taten statt Worte. Die ambitionierte Weiterentwicklung ihrer Kochkunst äußert sich auch in der jüngsten räumlichen Erweiterung und Umgestaltung durch PPAG architects.

Die Wettbewerbseinladung von 2012 richtete sich dezidiert nicht an erfahrene Spezialisten. Vielmehr suchte man den Input von Büros, die noch nie ein Lokal realisiert hatten, »um der Gastro-Modeschiene zu entgehen«. Das für seine ungewöhnlichen Lösungen bekannte, experimentell orientierte Wiener Architekturbüro PPAG architects erhielt den Zuschlag und sah sich einem Konglomerat heterogener Anforderungen gegenüber: »Einzigartig und elegant, zeitlos und innovativ« — der neue Raum sollte ein Alleskönner sein und musste gleichzeitig eine ebenso schlüssige Lösung im Umgang mit der 1903 als Milchtrinkhalle erbauten Meierei wie mit der exponierten Lage im Wiener Stadtpark anbieten.

Der Tisch als dominierende Maßeinheit

Historische Betrachtungen und typologische Analysen zeigen den klassischen Gastraum als einen Behälter, in den Tische gefüllt werden. Anna Popelka und Georg Poduschka formulieren einen größtmöglichen Gegensatz, indem sie den Tisch zum allesbestimmenden Ausgangspunkt ihrer Überlegungen machen: Der begehrte und geschützte Eckplatz mit Überblick ist im Steirereck Standard, Plätze zweiter Wahl gibt es nicht. Für Privatheit sorgen gebogene Wandelemente, die ausnahmslos jeden Tisch halbseitig umfangen. Ihre schallabsorbierenden Oberflächen entstehen durch gegengerichtet paarweise Fügung abwechselnd massiver und stoffbespannter Eichenholzleisten. Durch ein jeweils gegenüberliegendes, großformatiges Fenster können die Gäste das Geschehen im Park oder an den benachbarten Tischen beobachten. Jeder soll das Gefühl haben, am genau richtigen Tisch zu sitzen. Sogar die Tischplatten sind abnehmbar und werden je nach Belegungsplan ausgetauscht — so entsteht ein flexibles und passgenaues Zuhause für einen Abend.

Flexibles Raumkonzept
Im komplett neu konzipierten Innenraum verwischen PPAG die Grenzen zwischen Bestand und Erweiterung und sorgen für Durchlässigkeit und Transparenz. Im Foyerbereich kreuzen sich die Wege der Gäste und Angestellten. Ein sich partiell verdichtetendes Fliesenmuster deutet an, dass hier die größte Bewegungsintensität herrscht: Köche holen Zutaten aus einer der gläsernen Vitrinen oder frische Kräuter vom Dachgarten und bringen sie in die großflächig einsehbare À-la-carte-Küche; der Besucher soll sehen, welche Lebensmittel verwendet werden und Einblick in die Philosophie des Hauses nehmen.
 
In direkter Verlängerung des Eingangs gelangt man in den Gastraum des Bestandsgebäudes, der nach seiner umfassenden Neugestaltung weniger als Restaurant denn als Veranstaltungsraum für wechselnde Gruppengrößen genutzt wird.

Kurze Werbepause

Um schnell und flexibel auf die jeweiligen Anforderungen reagieren zu können, entwickelten PPAG raumhoch abschließende, dreh- und verschiebbare Trennelemente. Mit ihrer Hilfe lässt sich der rechteckige Raum sukzessive verkleinern und — perfekt abgestimmt auf die jeweilge Gruppengröße — bespielen. Die 3D-modellierten, aluminiumbeschichteten Elemente werden nach einer genau festgelegten Anleitungsskizze in Position gebracht.
Binnen weniger Minuten lassen sich drei verschiedene Raumgrößen mit zahlreichen Möblierungsvarianten generieren. Besonders trickreich: Die Drehung der Elemente beeinflusste auch die Gestaltung der Decke — ein auf den Kopf gestelltes Höhenschichtenmodell, das die Fensterstürze kaschiert und dem Raum eine fließende Form verleiht. Die komplexe räumliche Situation wurde vorher in zahlreichen Varianten durchgespielt.

 

 

 

 

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe
DETAIL inside 1/2017.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
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