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Forever Young? Visionen fürs Alter auf der Altenpflege 2015

»Kein Schwein will ins Heim. Wäre es nicht besser, wohnen bleiben zu können?«, bringt Eckhard Feddersen das Thema der interdisziplinären Veranstaltungsreihe »Forever Young – Visionen fürs Alter« treffend auf den Punkt. Auf die sich ändernden Bedürfnisse einer immer älter werdenden Gesellschaft müssen auch Architektur und Stadtplanung reagieren. Welche neuen Konzepte, Visionen, Innovationen und Lebensmodelle sich hierfür eignen, konnten die Messebesucher in kurzweiligen Impulsvorträgen im Rahmen der Altenpflegemesse in Nürnberg erfahren.

Eckhard Feddersen, Feddersen Architekten, und Jarno Nillesen, Wiegerinck architectuur stedenbouw
Eckhard Feddersen, Feddersen Architekten, und Jarno Nillesen, Wiegerinck architectuur stedenbouw. Foto: Daniel George, Hannover

Lebensqualität, Selbstbestimmtheit und Würde waren die Schlüsselbegriffe der drei Messetage. Von Produktentwicklungen und Dienstleistungen über konkrete Wohnmodelle bis hin zu generationenübergreifender, nachhaltiger Quartiersentwicklung – ein Fazit war deutlich aus allen Impulsen herauszuhören: Der Vielfalt der Gedankenansätze und konkreten Handlungsempfehlungen sind keine Grenzen gesetzt – an der Umsetzung hapert es jedoch noch.

Forever Young? Visionen fürs Alter auf der Altenpflege 2015
Besucher DETAIL Forum. Foto: Daniel George, Hannover
Susanne Schmidhuber, Schmidhuber, München. Foto: Daniel George, Hannover

Der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung erfordert bei den Akteuren einen Perspektivwechsel. Mit welchen Mitteln kann Gestaltung und Design als Verstärker ein Umdenken fördern? Wie kann man Wohnraum schaffen, in dem man auch selbst in allen Lebenslagen wohnen möchte? Der Beitrag von Jörn Pötting, Pötting Architekten, zeigte wie auch mit begrenzten Budgets attraktive Konzepte für Hausgemeinschaften inklusive Nachbarschaftsanschluss umgesetzt werden können. Jarno Nillesen vom Büro Wiegerinck Architecten geht noch einen Schritt weiter und nähert sich der Frage, wie man die sozialen, gesellschaftlichen und raumplanerischen Veränderungen nutzen kann, um einen Idealplan für zukunftsorientierte Wohnkonzepte für den letzten Lebensabschnitt umzusetzen. Eckhard Feddersen, Feddersen Architekten, widmete sich dem großen Thema der Wohnungswirtschaft, nämlich wie der bestehende Wohnraum im Sinne des Universal Designs optimiert werden kann, um im gewachsenen Umfeld »wohnen bleiben zu können«. Das Quartier ist heute Ersatz für die dörflichen Strukturen, in denen viele soziale Funktionen von den Familien übernommen wurden. Die Entwicklung muss dem demografischen Wandel geschuldet sein, wie beim Universal Design Quartier in Hamburg Wilhelmsburg, das von Achim Nagel, Primus Developments derzeit entwickelt wird. Geschaffen wird eine flexible Grundstruktur für einen Bewohnermix von Studentenmikrowohnen bis Pflegewohngemeinschaften.

Achim Nagel, Primus Developments

Zum ganzheitlichen Lebensumfeld gehört jedoch auch der soziale Nahraum. Identifikationspunkt und ideeller Aktionsraum, in dem sich Synergieeffekte aus Quartiersangeboten und sozialer Versorgung bündeln lassen, soll die Vernetzungsplattform von Prof. Dr. Andreas Uffelmann, generalPLAN, sichtbar machen. Dass die Grenzen in der Realität enger gesteckt sind als in den Visionen, zeigte der Vortrag von Gudrun Kaiser, WIA, der den Spagat zwischen bau- und heimrechtlichen Vorgaben anschaulich machte. Oder der Beitrag von Vera Schmitz, Präsidentin des BDIA, die sich dem Dschungel der Definitionen von Barrierefreiheit und DIN-Normen widmete. Einen interessanten Einblick von außen gaben die Beiträge von Dr. Thies Boysen, medaceum, zum Thema Wirtschaftsethik und der Frage nach den Veränderungsparametern zwischen Individuum und Gemeinschaft, und Johannes Kalläne, medlegal Rechtsanwälte, zu Wohnformen zwischen dem Pflegeheim und der Pflege zu Hause.

Dr. Thies Boysen, medaceum, Hamburg
Dr. Thies Boysen, medaceum, Hamburg. Foto: Daniel George, Hannover

Intensive Diskussionen entstanden zu den Vorträgen von Pelin Celik und Prof. Gerhard Kampe von der Hochschule Coburg um Gestalt und Funktion von Produkten aus der Sicht der User Experience und der Diskrepanz zwischen Technik, Gestalter und Nutzer. Auf die Frage, wie das Ü60-Design für die Generation von morgen aussehen kann, gab es Antworten von der Architektin Lilly Bozzo-Costa. Inspirierend waren auch die vorgestellten Arbeiten junger Designstudenten, die sich mit technischen Adaptionen wie taktilen Oberflächen und interaktiven Wissensspeichern beschäftigten. Auch außerhalb der Vortragsreihe wurde der Diskurs fortgeführt: Die Besucher hatten Gelegenheit, sich mit eigenen Gedanken aktiv zu beteiligen. Ihre Statements und Kommentare konnten sie in der Lounge auf einer Pinnwand hinterlassen.

Pinwand mit Statements zum Thema in der DETAIL Lounge
Statements zum Thema in der DETAIL Lounge. Foto: Daniel George, Hannover

Referenten:

Maria Böhmer, Nürnberg, Beratungsstelle Barrierefreies Bauen der Bayer. Architektenkammer
Dr. Thies Boysen, medaceum, Hamburg
Lilly M. Bozzo-Costa, Architektin, Leipzig
Pelin Celik, Industridesignerin, HS Coburg
Markus Donhauser, Regensburg, Beratungsstelle Barrierefreies Bauen der Bayer. Architektenkammer
Evelyn Duerschlag, Art for Care, Basel
Eckhard Feddersen, Feddersen Architekten, Berlin
Sarah Frister, FH Coburg
Sabine Harrer, FH Coburg in Zusammenarbeit mit adidas
Michael Härteis, Public Art Management - Kunst verorten, München
Tobias Heller, FH Coburg
Frank Hildebrandt, Kommunikationsdesigner, Elsdorf
Gudrun Kaiser, WIA, Aachen
Johannes Kalläne, medlegal Rechtsanwälte, Hamburg /Lübeck
Prof. Gerhard Kampe, integratives Produktdesign, HS Coburg
Anja Kiefner, FH Coburg
Achim Nagel, PRIMUS developments, Hamburg
Jarno Nillesen, Wiegerinck architectuur stedebouw, Arnhem, Niederlande
Kirstin Overbeck, etage8, Leipzig
Gabriele Paulsen, Nessita, Hamburg
Jörn Pötting, poetting architekten, Berlin
Prof. Wolfgang Sattler, Bauhaus-Universität, Weimar
Susanne Schmidhuber, SCHMIDHUBER, München
Vera Schmitz, Präsidentin BDIA, efficentia, Oberhausen
Julia Schröder & Malvina Kryzwinska, FH Coburg
Carolin Schulze, Leipzig
Prof. Dr. Andreas Uffelmann, Architekt, Hannover
Patrick Voigt, 22quadrat, Osnabrück

Michael Härteis, Public Art Management - Kunst verorten
Michael Härteis, Public Art Management - Kunst verorten, München. Foto: Daniel George, Hannover
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