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Gemeinsam stark: Siedlungsnetzwerke für ländliche Regionen

Als Metapolis werden in diesem Zusammenhang die Netzwerke großer, mittelgroßer und kleiner Siedlungen in einer ländlichen Umgebung bezeichnet. Die Beziehungen der Siedlungen untereinander werden durch Verkehrs-, Waren- und Datenströme sowie durch das alltägliche Leben und Handeln der Bevölkerung geprägt. Als konkrete Untersuchungsorte wurden zwei strukturell unterschiedliche Regionen im Flächenland Niedersachsen ausgewählt. Zum einen als Metropolregion mit Landverbund die beiden benachbarten Städte Braunschweig und Wolfsburg mit ihren umliegenden Gemeinden und Landkreisen, zum anderen der ländlich geprägte Raum der Landkreise Diepholz, Osnabrück, Vechta und Verden an der Aller, mit Bremen und Bremerhaven als Sonderbereichen.

Die Grundlage des Forschungszusammenschlusses bildete vor allem die Erkenntnis, dass sich erfolgreiche Planungsstrategien für Siedlungsgebiete interdisziplinär zusammensetzen. Mit der Zielsetzung einer ganzheitlichen Betrachtung aus Perspektive der Fachbereiche Städtebau, Ökologie, digitale Technologie, Mobilität aber auch Governance, hat die Gruppe einen Projektring aus unterschiedlichen Studien initiiert. Das Projekt Topoi beispielsweise thematisiert die Wechselbeziehungen von Stadt und Land. Diese urban-ruralen Transformationsprozesse wurden für 6.000 Siedlungseinheiten innerhalb der Testregion mittels GIS-Daten erfasst und kategorisiert. Die Herausforderungen der jeweiligen Siedlungen könnten dabei nicht unterschiedlicher sein: »Manche Kommunen haben es mit knapp werdenden Entwicklungsflächen und hohem Pendelaufkommen zu tun. Andere Gemeinden kämpfen hingegen mit Bevölkerungsschwund, mangelnder Versorgung und Leerstand. Wieder andere prosperieren, sind hochgradig spezialisiert in Bereichen wie Energieversorgung oder industrieller Landwirtschaft und fungieren als Dienstleister für entferntere Ballungszentren. Lokal beobachtbare Phänomene haben oft ihre Ursachen außerhalb der betroffenen Gemeinden«, wird in der Projektbeschreibung erörtert. Im Teilprojekt Szenarios werden, wie der Name schon vermuten lässt, zukünftige Entwicklungsszenarios unter Berücksichtigung dieser verschiedenen Parameter, die in den jeweiligen Teilprojekten untersucht werden, entwickelt. Einen anderen Fokus hat das Teilprojekt ESS.Bionik + Trade Offs, der wie folgt erläutert wird: Das Projekt steht für »Ökosystemleistungen (ecosystem services, Ess), Biotik (also alles was lebt) und für Abwägung (Trade Offs). Im Klartext heißt das: Wir untersuchen Ökosystemleistungen. Diese umfassen die Beiträge der Natur zum menschlichen Wohlbefinden (...). Dazu zählen die Reinigung von Wasser durch Böden, die Sauerstoffproduktion und Kohlendioxideinlagerung durch Bäume, die Versorgung mit nachwachsenden Rohstoffen wie Holz und Feldfrüchte oder die Möglichkeit uns im Grünen vom Alltag zu erholen.« Durch die Erfassung und Auswertung verschiedener Datenquellen wird das grüne Netzwerk der Region ermittelt, um langfristig die Landschaftsplanung zu optimieren. Weitere Teilprojekte setzen sich mit Stadtklima und Lufthygiene sowie der Energie- und Wasserbilanz auseinander. Durch das Projekt Energie + Ressourcen soll der Ressourceneinsatz am Bau reduziert und das Recycling von Materialien gefördert werden. Ziel ist ein klimaneutraler Gebäudebestand. Der Einfluss und die Möglichkeiten durch eine sich verändernde Mobilität, neue politischen Strukturen und die Förderung sozialer Netzwerke – kulturell, sozial, aber auch digital – werden ebenfalls umfassend im Sinne einer zukunftsorientierte Gestaltung der Stadt-Land-Beziehungen erforscht.

Die Bewohner der Region werden über das Metapolis-Forum mit eigenem Magazin, Befragungen, Workshops usw. eingebunden. Gleichzeitig tragen sie durch ihr Handeln und die Erfassung von Daten im Rahmen der vielen Teilprojekte zur Analyse und weiteren Entwicklung der Region bei. So werden beispielweise die Mobilitätsprofile der einzelnen Gemeinden dazu genutzt, zukünftige Verkehrsysteme oder auch Zukunftsvisionen wie autonomes Fahren zu entwickeln. Darüberhinaus liefert die Arbeit des Forschungsverbunds auch Erkenntnisse zu Konsum-, Energie- und Telekommunikationsverhalten bis hin zu Begleiterscheinungen der Auswirkungen des demographischen Wandels. Auf diese Weise soll Metapolis bei der Konzeption von Visionen, Projekten und Strategien frühzeitig die Bedürfnisse und Präferenzen von Bewohnern berücksichtigen, politische und zivilgesellschaftliche Akteure einbeziehen und diese als Partner für die Transformation der Landschaften gewinnen.

Die ähnliche Namensgebung des erwähnten Filmklassikers Metropolis bleibt also zum Glück die einzige Verbindung zum Projekt Metapolis. Ganz im Gegensatz zur verstörenden Zukunftsvision der Zweiklassengesellschaft im Film zielt das Forschungsprojekt auf eine kooperative, sozial gerechte und umweltverträgliche Entwicklung der suburbanen Regionen. Partizipativ legitimiert, lassen sich die Akzeptanz und somit auch die Realisierungs- und Erfolgschancen der entwickelten Zukunftskonzepte für die Regionen stärken.

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