You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Krankenhaus in Tambacounda, Manuel Herz Architects, Foto: Iwan Baan, courtesy of the Josef and Anni Albers Foundation and Le Korsa

Gemeinschaftswerk für die Gesundheitsvorsorge: Krankenhaus in Tambacounda von Manuel Herz Architekten

Im westafrikanischen Senegal herrscht ein deutliches Wohlstandsgefälle zwischen der Küstenregion um die Hauptstadt Dakar und dem ländlich geprägten Osten des Landes. Seit Jahren engagieren sich dort die US-amerikanische Josef and Anni Albers Foundation und ihre Schwesterorganisation Le Korsa, um humanitäre Hilfe zu leisten und Bauprojekte für die Dorfgemeinschaften vor Ort zu realisieren. Bisher haben sie mit der amerikanischen Architektin Toshiko Mori ein Kulturzentrum und eine Schule mit Lehrerunterkünften gebaut. Ihr jüngster, gemeinsam mit dem Basler Architekten Manuel Herz realisierter Neubau steht am Südrand von Tambacounda, mit 100.000-Einwohnern die größte Stadt in Ost-Senegal. Manuel Herz, der an der Universität Basel lehrt, ist die Region durchaus vertraut. Lange forschte er zu den Flüchtlingscamps in der marokkanisch besetzten Westsahara und war auch für deren Auftritt auf der Architekturbiennale 2016 in Venedig verantwortlich.
Die Geburts- und Kinderklinik für das Hospital Regional Tambacounda greift die kreisrunden Baustrukturen auf dem Krankenhausareal auf. Dazu zählt auch die bisherige Kinderklinik, die mit einem überdachten Verbindungsgang an den S-förmigen Neubau von Manuel Herz Architekten andockt. Auf die zwei Ebenen des Gebäudes verteilen sich rund 150 Krankenbetten, in denen jährlich etwa 20.000 Patienten behandelt werden sollen. Dazu kommen zahlreiche Aufenthaltsbereiche, denn die von weither angereisten Angehörigen der Patienten verbringen oft mehrere Tage vor Ort.
Auch der Wunsch, das Gebäude energieeffizient zu kühlen und mit örtlichen Arbeitskräften errichten zu können, bestimmten den Entwurf. Das Gebäude ist nur 7 m tief und die Korridore werden nur auf einer Seite von Krankenzimmern flankiert. Das begünstigt die Querlüftung und hat zur Folge, dass lediglich die OP-Säle und Intensivstationen mechanisch klimatisiert werden müssen.
Für die Fassaden entwarfen die Architekten ein Schatten spendendes Filtermauerwerk aus U-förmigen Ziegeln, durch die die Frischluft zirkuliert. Die Tonnendächer sind zweischalig aufgebaut, um einen zusätzlichen thermischen Puffer gegen die Sonneneinstrahlung zu schaffen. Wenn sich die Luft im Dachzwischenraum erwärmt, entsteht ein Kamineffekt, der die natürliche Entlüftung der Räume antreibt.
Um die Fassaden rankt sich eine nette Anekdote: Um die Errichtung des Filtermauerwerks einzuüben, gaben die Architekten beim örtlichen Baumeister ein Mock-up im Maßstab 1:1 in Auftrag. Der jedoch errichtete zu Manuel Herz‘ Überraschung nicht nur eine Musterfassade, sondern gleich ein komplettes Bauwerk mit drei Tonnengewölben und Ziegelfassade in Sare Sidi 50 km südlich von Tambacounda. Es dient heute als Dorfschule.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
/0
Kistefos Museum, Oslo, BIG

Let’s twist again: Kistefos Museum bei Oslo von BIG

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.