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Geometrische Lichtfiguren: Erweiterung V&A Museum in London

Die Lösung bestand darin, so viel Tageslicht wie möglich einfallen zu lassen. Zunächst über das Treppenhaus, das die Besucher vom Bestandsgebäude in den Erweiterungsbau führt, wo sich das Licht von sehr hell zu eher gedämpft wandelt, um dann am Fuß der Treppe dank eines Oberlichts wieder taghell zu strahlen. Ein gezacktes Oberlicht in der Decke der neuen Sainsbury Gallery zeichnet geometrische Lichtfiguren direkt in die Ausstellungshalle hinein und präsentiert wie in einem Schaukasten die vierzehn Stahlträger, die den Hof stützen und eine dramatisch zerklüftete Deckenlandschaft bilden.

Die Galerie sollte stützenfrei sein, daher überspannten die Architekten den 38 m breiten Hof mithilfe einer Stahlstruktur. »Das ist normalerweise keine große Sache«, räumt Matt Wilkinson, Partner bei AL_A und zuständiger Projektarchitekt, ein, »aber das Museum wollte innen auch Kunstwerke und Lichtanlagen aufhängen und oben im Hof große Menschenmassen empfangen können, was eine große zusätzliche Last für das Dach bedeutet. Je höher das Tragwerk ist, desto tiefer muss man graben, und entsprechend teurer und anspruchsvoller wird das Projekt«, fährt Wilkinson fort. Indem sie ein Faltdach entwarfen, konnten die Architekten auf breite Untergurte der Träger verzichten und die Decke zwischen den tiefen Abschnitten öffnen, sodass der Raum insgesamt großzügiger wirkt.  

Die Oberfläche des Hofs ist mit 11 000 Porzellankacheln gefliest und somit der erste, rein mit Keramik bedeckte Platz überhaupt. Die Keramik ist ein direkter Verweis auf das Museum, dessen Porzellansammlung zu den erstklassigsten der Welt gehört. Um das Material an das 21. Jahrhundert anzupassen, wurde die Geometrie des Plattenbelags in Anlehnung an die neue Ausstellungshalle digital erzeugt. Um zusätzlich sicherzustellen, dass der Hof nicht als Fliesenraster ­gelesen wird, entschieden sich die Architekten für Kacheln in Form von Parallelogrammen statt Rechtecken und verlegten diese diagonal.

Der letzte, möglicherweise aber wichtigste Aspekt des Projekts ist die Öffnung der steinernen Sichtschutzmauer des englischen Architekten Aston Webb, der auch das Museumshauptgebäude entworfen hatte. Sie trug sichtbare Zerstörungen von Bombensplittern aus dem Zweiten Weltkrieg und schirmte den Hof vor der mittlerweile zu einer belebten Fußgängerzone umgewandelten Exhibition Road ab. Im Zuge des Umbaus wurde die Ballustradenmauer zwischen den Säulen abgetragen. Heute präsentiert sich die Kolonnade mit dem mittigen Torbogen durchlässig, die 35 mm dicken perforierten Metalltore, sind nur nachts geschlossen. Das Muster der Perforation zeichnet die ursprünglichen Splitterspuren nach und macht sie dadurch unvergessen. Tagsüber können die Menschen von der Straße hereinspazieren und sich viel freier als zuvor zwischen den anderen Museen und Kultureinrichtungen an der Exhibition Road, wie beispielsweise dem Natural History Museum oder dem Science Museum, treiben lassen.

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