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Foto: Marc Lins

Gerahmter Wald: Österreichischer Expo-Pavillon in Mailand

„Feeding the Planet, Energy for Life“ lautet das Motto der diesjährigen Weltausstellung in Mailand. Der Auftritt Österreichs befasst sich dabei mit dem wohl wichtigsten „Lebensmittel“, das der Mensch benötigt – sauberer Luft. Stattliche 17 bis 19 Kilogramm davon pumpt jeder von uns täglich durch seinen Körper; das ist weit mehr als wir an Nahrung oder Flüssigkeit aufnehmen.

Durch Emissionen und zunehmende städtische Verdichtung ist weltweit jedoch nicht nur die Sauberkeit der Luft, sondern auch die Stabilität des Klimas gefährdet. Nach Auskunft des Architekten und Landschaftsarchitekten Klaus K. Loenhart, Spiritus rector des Pavillons „breathe.austria“, droht die Durchschnittstemperatur in den Städten der Welt bis 2030 um weitere zwei Grad zu steigen. Dieser Effekt ließe sich jedoch abwenden, wenn die Vegetationsfläche in den Städten um nur 10 Prozent gesteigert würde, so Loenhart.

Überlegungen wie diese bilden den Ausgangspunkt des Pavillons, den Loenhart gemeinsam mit einem großen, interdisziplinären Planungsteam entworfen hat. Dessen Konzept erinnert in mancher Hinsicht an die „Nebelwolke“ The Cloud, die das US-Büro Diller + Scofidio zur Schweizer Nationalausstellung 2002 über dem Neuenburger See errichten ließ. Allerdings wird deren Prinzip hier umgedreht: Ein aufgeständerter Kubus aus Massivholz – außen lichtgrau, innen fast schwarz lasiert – fasst den 560 Quadratmeter großen Innenhof, in dem 12600 Pflanzen, 27 Ventilatoren sowie 48 Nebeldüsen ein feucht-kühles Mikroklima erzeugen. Der Kühleffekt und die Sauerstoffproduktion dieser „Waldinsel“ entsprechen nach Berechnungen der Ingenieure dem eines mit 3 Hektar deutlich größeren Waldstücks. Pro Stunde setzen die Pflanzen 62,5 Kilogramm Sauerstoff frei; das reicht für den Bedarf von 1800 Besuchern.

In energetischer Hinsicht ist „breathe.austria“ ein Selbstversorger. Die notwendige elektrische Energie zur Versorgung der Gebäudeinfrastruktur (z. B. Wasserpumpen, Küche, Beleuchtung) wird im Wesentlichen durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt. Einen kleinen Teil trägt auch eine Solar-Skulptur aus Farbstoff-Solarzellen, sogenannten „Grätzelzellen“, bei. Überschüssige Energie wird ins italienische Stromnetz eingespeist.

Nach Ende der Weltausstellung soll die Holzhülle des Pavillons in Einzelteile zerlegt und als Baumaterial wiederverwendet werden. Die Pflanzen bekommen eine neue Heimat in einem Aufforstungsprojekt in Südtirol.

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