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Foto: Peter Ebner

Geschwungenes Entrée: Vorraum in Jugendstilbau

Vorräume sind im Normalfall Orte, die lediglich temporären Charakter haben. Sie fungieren als Bindeglied zwischen innen und außen, meist überwiegen daher funktionelle und rationelle Entwurfsparameter. Anders im Entrée des Jugendstilgebäudes am Lenbachplatz: Die vier kleinen Wände prägen konträre Gedanken.

Der Raum hat eine rechteckige Grundform. An den jeweils kürzeren Wänden situiert sind Eingang, bzw. Durchgang, der weiter in das Gebäude führt. Man tritt durch einen raumhohen Bogen ein, der Assoziationen an ein mittelalterliches Tor hervorruft. Er ist ganz in Glas gehalten, unterteilt von schwarzen Rahmenelementen, die ihn außerdem einfassen. 

Die raumbildenden Faktoren, die dem Eingangsbereich seine Mystik verleihen, sind Seitenwände und Decke. Anstatt Orthogonalen und Geradlinigkeit findet man geschwungene Wände, die einen regelrecht weichen Eindruck erwecken und fließend ineinander übergehen. Verstärkt wird diese Kontinuität durch das einheitliche Material: Alles mutet wie aus einem Guss an. Als Unterkonstruktion für die Oberfläche aus zwei Millimeter dünnen Kupferblechelementen dienen feuerfeste Gipskartonplatten. Horizontale Fugen geben dem Vorraum zusätzliche Tiefe. Dieselbe Optik weist auch der Boden auf. Zur rechten Seite befindet sich außerdem eine Sitzbank, die sich über die gesamte Raumlänge erstreckt. Unauffällig gliedert sie sich in das monolithische Gesamtbild ein und bietet die Möglichkeit, im hektischen Alltag durchzuatmen, oder einen Moment innezuhalten und sich der zauberhaften Atmosphäre hinzugeben.

Der Raum überrascht durch Ambivalenz: Abhängig von Wetter und Winkel des Tageslichteinfalls schimmert er in einem Moment geheimnisvoll, im nächsten ist er in warmes Licht getaucht. Er reagiert auf seine Besucher, scheint mit ihnen regelrecht zu interagieren und schafft in einer Welt, in der sich alles um Schnelligkeit dreht, einen Ort zum Träumen.

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Weitere Informationen:

Design: Peter Ebner mit Thomas Kosiec, Elizaveta Klepanova, Barbara Gollackner
Bauleitung: Florian Gandlgruber

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