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Gesundheitsbau statt Krankenhaus – überregionales Symposium

Im Bereich des Gesundheitswesens manifestieren sich die Herausforderungen unserer älter werdenden Gesellschaft auf besondere Weise: Architekten und Planer stehen hier vor neuen Aufgaben, die ein interdisziplinäres und prozessorientiertes Planen bedingen. In dem von Detail mitkonzipierten Symposium „Gesundheitsbau statt Krankenhaus“, das in den letzten Wochen in vier Städten in Deutschland Station machte, stellten Experten aus unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitsbaus den Stand der Forschung vor und boten einen Ausblick auf die Zukunft der Branche. Initiator der Veranstaltungsreihe waren die Unternehmen Caparol, Forbo, Gira und Philips.

Podiumsdiskussion in München: Helmut Frank (Gira), Volker Müller (Asklepios Klinik), Linus Hofrichter (sander.hofrichter architekten), Hans Nickl (Nickl & Partner Architekten), Hartmut Kremer (Philips)

Veränderung des Raumprogramms durch veränderte Krankheitsbilder

Der medizinische Fortschritt schreitet noch schneller voran als unsere Lebenserwartung steigt: Die Medizintechnik wird immer besser, kleiner und digitaler, wir Menschen selbst werden hingegen immer älter und langsamer. Professor Linus Hofrichter (Sander Hofrichter Architekten) hat sich seit Jahren auf das Thema Krankenhausbau spezialisiert und stellte in seinem Vortrag zunächst die programmatischen Änderungen vor, die uns im Krankenhaus der Zukunft erwarten: Denn was wir heute planen, wird in vierzig Jahren von Menschen frequentiert werden, die im Durchschnitt zwanzig Jahre älter sind, als wir heute. Für das Krankenhaus heißt das: Es wird künftig weniger gynäkologische Abteilungen und Kreißsäle, weniger Kinderärzte, weniger Dermatologen und weniger Augenärzte geben. Hingegen werden wir mit einer steigenden Anzahl von Demenzpatienten konfrontiert sein, die Stationen für Geriatrie werden ebenso wachsen wie die Abteilungen für Erkrankungen der Wirbelsäule; weniger alters- als gesellschaftsbedingt sei die stetige Zunahme psychischer Erkrankungen wie Burnout, Borderline oder psychosomatischer Leiden.

Professor Hofrichter

Veränderung der Gebäudestruktur durch Kostenfaktoren und Clusterbildung

Die letzte Gesundheitsreform hat das Gesundheitswesen grundlegend verändert: Das deutsche Abrechnungssystem der Krankenkassen fußt nun auf dem Index G-DRG (German Diagnosis Related Groups), der die Abrechnung von Behandlungen auf standardisierte Krankheitsfälle zurückführt, – unabhängig vom tatsächlichen therapeutischen Aufwand. Dies hat auch Auswirkungen auf die Gebäudeplanung: So steht die kostensparende Prozessplanung beim Krankenhausbau an oberster Stelle – und zwar sowohl bezüglich des Bauens als auch des Betreibens. Es gilt, durch kurze Wege menschliche Ressourcen zu schonen. Gleichzeitig sind Krankenhäuser große Komplexe, die zu bestimmten medizinischen Schwerpunkten Cluster bilden, auf die Stadt zurückwirken und als Motoren der Standortentwicklung dienen können. Große Krankenhäuser sind heute selbst fast „kleine Städte“ – mit einem Angebot an Wellnesseinrichtungen, Apotheken und Geschäften. Die Vernetzung zwischen ambulanten und stationären Behandlungsformen wird dabei stärker.

Flexibilität


Heute geplante Krankenhäuser müssen allerdings auch flexibel sein. Wichtig ist daher die Integration der Nutzer – des Krankenhauspersonals – am Planungsprozess. Leistungsdaten, Raumbedarf und Betriebsorganisation sind die Schlüsselfaktoren der Planung. Dabei kann die genaue Abstimmung des tatsächlichen Bedarfs an Räumen beziehungsweise die Einrichtung von „Raum-Pools“ – beispielsweise für Büros oder Behandlungsräume – helfen, Flächen optimiert zu nutzen.

Kompetenz des Architekten: Behaglichkeit, Healing Environment, klare Ordnungsstrukturen


Die Architektur ist aber auch ein wichtiges Marketinginstrument für die Krankenhäuser. Denn, so Hofrichter, im Gegensatz zur medizinischen Kompetenz der Einrichtung kann ein Patient die bauliche Qualität, die Behaglichkeit, die Ausstattung und die klare Struktur eines Gebäudes durchaus (ein-)schätzen. Einen Schritt weiter geht der Bereich des „Healing Environment“. Erfahrung mit dieser für den Gesundheitsbau spezifizierten innenarchitektonischen Gestaltungsdisziplin machte Hofrichter beispielsweise in einem Projekt in Hannover. Dabei geht es grundsätzlich darum, den Nutzer positiv zu stimmen. Wichtige Faktoren dabei sind gute Raumproportionen, natürliche Materialien, eine angenehme Akustik, klare Ordnungsprinzipien zur guten Orientierung, ein gutes Lichtsystem aus Tages- und Kunstlicht, wenige harte Oberflächen und eine dezente Farbigkeit. Für das Hannover-Projekt entwickelte sein Büro ein auf drei Naturfarben – grün (Hibiscus), violett (Lavendel), gelb (Calendula) – beruhendes Ordnungsprinzip, dem sowohl die Gliederung des Gebäudes als auch die funktionale Raumaufteilung untergeordnet wurde: Im „grünen“ Sockelbereich fanden beispielsweise diejenigen Bereiche Platz, die der Regeneration zugeordnet werden. Im Bereich der Psychatrie wurden hingegen starke Farben vermieden und lediglich natürliche Materialien wie Holz eingesetzt.

Sylvia Leydecker und Linus Hofricher

Ärzte weiß, Räume weiß?

Das Thema „Farbe im Krankenhaus“ wurde von den Referenten des FarbDesignStudios bei Caparol „Ärzte weiß, Räume weiß?“ weiter vertieft. Hier ging es zunächst um die Wirkung von starken Kontrasten, wobei die Zuschauer den Simultankontrast selbst erleben konnten. Dessen irritierende Wirkung macht starke Simultan- beziehungsweise Komplementärkonstraste in der Anwendung in Gesundheitsbauten schwierig. Gleiches gilt für spiegelnde Oberflächen. In beiden Fällen ist der optische Reiz zu stark. Im Labor durchgeführte Untersuchungen zur Wirkung von extremer Reizarmut („weißer Raum“) im Gegensatz zu farbig gestalteten Räumen zeigten, dass zunächst in allen Räumen – farbigen wie weißen – Stresspegel und Blutdruck bei den Probanden stiegen, danach fielen beide Faktoren jedoch wieder – außer in den weißen Räumen. Hier trat keine Erholung ein, vielmehr blieben Blutdruck und Stresspegel konstant hoch.

Who is afraid of Red, Yellow and Blue?


An Hand einer Vektorgrafik wurden auch die – naheliegenden – Eigenschaften von Farbtönen und Farben auf die Gemütsverfassung des Menschen erläutert: Während Farbwerte mit einer hohen Sättigung eher belebend wirken, empfinden wir helle Farbtöne als beruhigend. Dies ist ein Grund, warum im Bereich der Seniorenpflege, Demenz und Geriatrie vorwiegend Pastelltöne zum Einsatz kommen. Bei direkten Farbtests wurden Rot und Grün eher als angenehm empfunden, dunkelblau und lila hingegen als weniger angenehm, rosa und hellgrün als entspannend. Dies kann allerdings nicht verallgemeinert werden, da das Farberleben immer individuell und kulturell geprägt ist. Im Rahmen einer den Heilungsprozess fördernden Gestaltung („supportive Design“) ist es hilfreich, sich auf die Natur und ihren Nuancenreichtum „gebrochener“ und „vermittelnder“ Farbtöne zu beziehen.

Implementierung von Nutzerbelangen in den Planungsprozess

Der Fachplaner Christoph Gatermann (HDR TMK Planungsgesellschaft) ging auf die Einbindung von Nutzerbelangen bei der Krankenhausplanung ein, denn dadurch kann die Zufriedenheit aller Nutzer erheblich gesteigert werden. Dabei klärte er zunächst, welche Nutzergruppen im Krankenhausbau anzutreffen sind: Personal, Patienten, Besucher und Lieferanten – in dieser Reihenfolge. Ihnen sind folgende Bedürfnisse gemeinsam: gute Orientierung, gezielte Organisation, gezielte Hilfestellung und insgesamt "Wohlbefinden". Je nach Nutzergruppe wird dies durch unterschiedliche Maßnahmen erreicht, eine klare Gebäudestruktur und -organisation ist jedoch der wichtigste Baustein. Ein gutes Krankenhaus sollte daher sowohl gute Orientierung bieten, als auch funktionale Kriterien berücksichtigen, mit einer durchdachten Gestaltung das Wohlbefinden fördern und gut dimensionierte Räume aufweisen. Eindeutige Informationswege, ein effizienter Personaleinsatz und zumutbare Wartezeiten sind die betrieblichen Anforderungen, die hinzukommen. Um die Nutzer zu beteiligen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wobei immer berücksichtigt werden muss, dass die Nutzer häufig nur ein begrenztes Vorstellungsvermögen in Bezug auf die Planung haben und sich über die Tragweite baulicher Entscheidungen oft nicht bewusst sind. Zudem kann es zu Zielkonflikten unterschiedlicher Nutzergruppen kommen, die Gatermann am Beispiel der Leitstellengestaltung erläuterte: Während das Personal an diesem Ort Wert legt auf eine gute Gestaltung, Rückzugsmöglichkeiten, kurze Wege und Sicherheit, wünschen Patienten vor allem eine gute Auffindbarkeit der Leitstelle und kompetente Informationen. Nur, wenn man sich diese – und sämtliche anderen im Krankenhausbau anzutreffenden – Anforderungen von Anfang an bewusst macht, die Nutzer einbindet und in ihre Bedürfnisse in die Planung einfließen lässt, kann eine Gestaltung gelingen, die alle Nutzergruppen zufrieden stellt, so Christoph Gatermann.

Podiumsdiskussion in Hamburg: Günter Hohensee (Philips), Helmut Frank (Gira), Sylvia Leydecker, Linus Hofrichter (sander.hofrichter architekten), Margit Vollmert (Caparol), Steffen Tefke (Asklepios Klinik Barmbek)

Healing Architecture – Auswirkungen des gebauten Raumes auf den Genesungsprozess

„Man muss sich bewusst werden: heutige Krankenhäuser sind typologisch und vor dem historischen Kontext gesehen Weiterentwicklungen des klassischen Hospitals“, stellte Professor Hans Nickl (Nickl&Partner Architekten) auf seinem Vortrag anlässlich der Münchner Veranstaltung heraus. Damit verbunden ist auch die heutige Rolle des Staates als öffentlicher Träger zahlreicher Krankenhäuser – anders als vor der Säkularisierung, wo oftmals Kirchen und Klöster Träger von Spitälern und Siecheneinrichtungen waren. Diese über Jahrhunderte stabile Konstellation ist seit einigen Jahren in Bewegung: private Träger wie Asklepios übernehmen zahlreiche Krankenhausbetriebe in der Bundesrepublik und hinterfragen die Zeitmäßigkeit der Pflegekonzepte genauso wie die Rentabilität ihrer Häuser.

Zehn Thesen für das zukunftsfähige Krankenhaus

Professor Nickl, der sich gemeinsam mit seiner Frau Professor Christine Nickl-Weller seit vielen Jahrzehnten mit der Planung von Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen in ganz Europa auseinandersetzt, hat 10 Thesen entwickelt, die für ihre Planungen im Bereich der „Healing Architecture“ Allgemeingültigkeit haben. Einer der wesentlichen Aspekte ist es, dass die Krankenhäuser per definitionem Stätten der Heilung sind und nicht der Seuchen- oder Krankheitsbekämpfung dienen. Damit ist ein klares Leistungsbild des Krankenhauses geprägt, das unter Ludwig XIV in Paris nach einem verheerenden Krankenhausbrand Gestalt annahm und seitdem durch heterogene Typologien geprägt ist, die sich im Laufe der letzten drei Jahrhunderte den gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassten.

Nach den Megastrukturen, die bis 1950 vorwiegend am Stadtrand der Großstädte entstanden und deren späte Ausläufer sich bis in die 1970er Jahre fortsetzten (Beispiel Klinikum Großhadern), war das UKE in Hamburg-Eppendorf ein Kontrapunkt: raumgreifende Pavillons, innenstadtnah und doch infrastrukturell aufwendig, organisatorisch komplex, diversifiziert und damit unrentabel. Das unzeitgemäße Konzept wurde von Nickl&Partner Architekten stringent neu gedacht. Einen prägnanten Ansatz für das moderne, das zukunftsorientierte Krankenhaus sieht Professor Nickl in der Planung Le Corbusiers für einen Krankenhausbau in Venedig, der eine damals neue Haltung proklamierte: das Leben der Stadt wird in das Krankenhaus verlagert. Es wird Teil der Stadt und Teil des großen Sozialgefüges einer Stadt. Diese Haltung übertragen Nickl&Partner auf alle ihre Krankenhausbauten, auch auf das UKE Hamburg-Eppendorf. Hinzu kommen für ihn Aspekte wie soziale Gerechtigkeit – also wie das Individuum unabhängig seines sozialen Status geachtet und im Krankenhaus untergebracht ist – politische Rahmenbedingungen (die Verantwortung des Staates im Gesundheitswesen) und wesentliche Planungsthemen wie ein optimales Raumprogramm und eine zukunftsorientierte energetische Bauweise. Ein wesentlicher Protagonist im Gefüge von Notwendigkeiten und Thesen bleibt aber der Patient, der in den Krankenhäusern genesen soll und hier umsorgt und gepflegt wird und im Zusammenspiel mit dem Personal und der Technik die bestmögliche Zuwendung erhält, legte Professor Nickl dar.

Gute Innenarchitektur: Besuch statt Personal


Die Kölner Innenarchitektin Sylvia Leydecker besitzt große Erfahrung im Bereich der Innenausstattung von Krankenhäusern. In ihrem Vortrag brachte sie mehrfach ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, dass ihre Leistungen fast ausschließlich im Bereich der Privatpatienten und Zusatzleistungen gefragt seien, für die „Normalausstattung“ einer Klinik werde sie fast nie eingesetzt. Dabei betonte Leydecker, dass ein gut gestaltetes, attraktives Umfeld nicht nur für die Patienten angenehm sei, sondern auch Angehörige und Besucher länger beim Patienten „hielten“, was gegebenenfalls sogar dazu führe, dass das Krankenhauspersonal entlastet werde. Im Bereich des Materialeinsatzes gebe es häufig Zielkonflikte zwischen gestalterischen Präferenzen – nach natürlichen Materialien – und Anforderungen an Hygiene, Pflege und Robustheit, auch wenn Konzepte wie das des „Healing Environment“ allmählich Einzug ins Krankenhaus hielten.

Sylvia Leydecker von 100%interior

Lichteinsatz mit therapeutischer Wirkung

Die Wirkung von Tageslicht auf die menschliche Gesundheit ist nicht zu unterschätzen, Kranke und Pflegebedürftige bekommen von diesem kostenlosen „Heilmittel“ jedoch häufig genug viel zu geringe Dosen verabreicht. Um so wichtiger scheint es, in Krankenhäusern, die baulich nicht entsprechend angepasst werden können, zumindest Tageslicht zu simulieren. Die Referentinnen von Philips Healthcare Lighting zeigten, wie mit Hilfe neuer LED-Technologie Tageslichtrhythmen in Innenräumen nachgeahmt und individuell an Patientenbedürfnisse angepasst werden können, so dass sich ein größeres Wohlbefinden einstellt. Auch bei Personal und Besuchern könne so – zum Beispiel in Wartebereichen – das atmosphärische Erlebnis verbessert und die Wartezeit subjektiv „verkürzt“ werden. Stress werde durch gezielten Lichteinsatz reduziert, daneben böte eine dynamische Lichtführung auch Einsparpotenzial beim Energieverbrauch.

Wirtschaftlichkeit durch Restrukturierung und Qualitätsmanagement in der Bauphase


Asklepios ist einer der größten privatwirtschaftlichen Betreiber von Krankenhäusern. Mit 192 Einrichtungen und 44300 Mitarbeitern deutschlandweit hat Asklepios nach eigenen Angaben die Zahl seiner Einrichtungen innerhalb von zwölf Jahren mehr als verdreifacht. Am Beispiel der Klinik St. Georg wies Volker Müller (Leiter Facility Management, Klinik Barmbek) nach, dass eine Restrukturierung und gezielte Sanierungs- und Neubaumaßnahmen auch ein über die Jahrzehnte gewachsenes Klinik-Konglomerat wirtschaftlich werden lassen. Asklepios hat frühzeitig erkannt, dass vor allem in der Phase der Bauüberwachung (LP 9) zahlreiche Mängel durch unzureichende Qualität der Bauausführung und Prozesssteuerung entstehen. Der Klinikbetreiber arbeitete bei dem Vorhaben Sanierung Klinikum Barmbek daher mit einem Totalübernehmer (TÜ), der nicht nur den Umbau sondern auch eine Teilfinanzierung übernahm. Damit waren etwaige kostspielige Nachträge durch unzureichende Planung und Ausführungsqualität auch beim TÜ geschultert. Es lag also auch in dessen Interesse, die Baustelle möglichst reibungslos und ohne relevante Zusatzkosten und Terminverzögerungen abzuwickeln. Hinzu kam laut Volker Müller ein sog. „Gewährleistungsmanagement“ das vom Facility Management der Klinik entwickelt wurde, um Zuständigkeiten und Haftung im Mängelfall klar zu definieren und schnell Lösungen herbeizuführen.

Energieoptimierung durch stromsparende LED-Technologie

Allein 25 % der anfallenden Energiekosten im Krankenhausbetrieb werden durch die Beleuchtung verursacht. Die Umstellung auf stromsparende LED-basierte Beleuchtung war also auch eines der vorrangigsten Energieeinsparziele im Krankenhaus Barmbek. Durch eine simple Armortisationsrechnung wies Volker Müller nach, dass die Zusatzkosten für eine umfassende Sanierung der Belichtungstechnik auf LED-Systeme innerhalb von knapp zwei Jahren relativiert sind. Die längeren Wartungsintervalle und die geringere Leistungsaufnahme – bei gleichzeitig hoher Lichtqualität – machen dies verblüffende Ergebnis möglich. Im zusätzlichen Zusammenspiel mit stark reflektierenden Farboberflächen ließen sich die Energiekosten nachweislich auf 12% p.a. senken und somit mehr als halbieren.

Wohlbefinden ist entscheidend für eine schnelle Genesung

Auch bei Asklepios sind nicht nur „harte“ Faktoren wie umfassendes Mängel- und Qualitätsmanagement in der Bauphase oder der optimierte Energieverbrauch im Krankenhausbetrieb wesentlich. Volker Müller: „Letztlich ist das Wohlbefinden der Patienten entscheidend für eine schnelle Genesung. Dazu gehören optimal eingerichtete Patientenzimmer und neueste Diagnose- und Operationstechnik wie auch motiviertes Personal. Die Aufenthaltszeiten der Patienten lassen sich dadurch deutlich verkürzen. Und auch die massiv verbesserte Technik machen die Aufenthalte kürzer, beschleunigen den Genesungsprozess.“

Die Technik ist in den relevanten Kliniken von Asklepios auf neuestem Stand, die Auslastung der oft sehr teuren Maschinen hoch. Das ist wesentlich für das erfolgreiche Betreiberkonzept. „Ein MRT-Gerät, das mehrere Millionen Euro kostet, muss möglichst effizient genutzt werden, über den gesamten Tag. Und auch der Patient profitiert davon, denn er bekommt so schneller einen Termin für die aufwendige Untersuchung“, stellte Volker Müller heraus.

Professor Nickl

Intensivstation

Einen besonderen Blick in die Zukunft bot der Vortrag von Ingrid Maßwig von der Charité. Sie stellte ein unter anderem gemeinsam mit Philips und Graft Architekten (Berlin) entwickeltes Forschungsprojekt zu einem neuen Patientenzimmer der Intensivmedizin vor, das am Virchow-Klinikum realisiert wird. Hintergrund ist die Erfahrung, dass die Vulnerabilität – und in Folge die Gefahr der Selbstschädigung – schwerstkranker Patienten sehr hoch ist, weshalb sie auf der Intensivstation meist in ein künstliches Koma versetzt werden. Dadurch steigt allerdings die Infektionsgefahr der Patienten sowie langfristig die Gefahr von kognitiven Schäden. Mit Hilfe der Neugestaltung, bei der auch neuste Medientechnologie zum Einsatz kommt, soll die Sedierung der Patienten verzichtbar werden. Neben einer Medienleinwand als Licht- und Projektionsdecke sowie für ein Biofeedback sind ein wohnliches Ambiente, die weitgehend unsichtbare Integration der Medizintechnik in das Patientenbett sowie eine Reduktion der Geräuschkulisse Hauptelemente des Konzepts. Ein Personalraum, der unabhängig vom Patientenzimmer erschlossen werden kann, sorgt für die kontinuierliche Überwachung des Gesundheitszustands der Patienten via Fenster und Vernetzung mit den medizinischen Geräten.

Volker Müller, Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg

Gute Architektur als Präventionsmaßnahme?

In der abschließenden Diskussion zeigte sich unter anderem, dass viele Konzepte des Gesundheitsbaus  – wie das des Healing Environment –, durchaus auch in anderen Bereichen der Architektur positive Wirkung entfalten könnten. Insgesamt wäre es – auch im Bereich der Ausstattung – sinnvoll, den Fokus weg von den Investitionskosten hin auf den langfristig messbaren Nutzen guter Gestaltung und hochwertiger Materialien zu richten. Bemängelt wurde auch das derzeit häufig dürftige Design der Medizintechnik, das durchaus auch Einfluss auf das ästhetische Erleben im Krankenhaus hat. Auf dem Weg vom Krankenhaus zum Gesundheitsbau gibt es also weiterhin noch einige Herausforderungen zu meistern, bei denen Architekten mit ihrer gestalterischen und planerischen Kompetenz weiterhin besonders gefragt sein werden.

Weitere Informationen:

www.caparol.de
www.forbo-flooring.de
www.lighting.philips.de
www.gira.de

 

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