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Gezielte Nachverdichtung: Stair Case Study Houses (03/04)

Unter dem Motto "Einbreiten statt Ausbreiten" entwickelt der Hamburger Architekt Gerd Streng individuelle Lösungsansätze für die "Nachverdichtung" bestehender Wohnsituationen. Ausgehend von der Tatsache steigender Mietpreise in deutschen Metropolregionen, sucht er nach räumlichen Ressourcen in den eigenen vier Wänden und schafft Platz "durch geringfügige aber gezielte Reorganisation der vorhandenen Grundstruktur". In enger Absprache mit den Nutzern entstehen überraschende und funktional ausgeklügelte Konzepte rund um das Thema Treppe, die aufgrund gezielter Licht- und Farbgestaltung auch dramturgisch überzeugen. Bislang wurden sechs dieser sogenannten "Stair Case Study Houses" realisiert. Wir zeigen die Projekte SCSH 03 und SCSH 04Weitere Lösungen finden Sie unter nachfolgenden Links: SCSH 01, SCSH 02, SCSH 05, SCSH 06

Stair Case Study Houses, Gerd Streng
Fotos: Uwe Scholz


Stair Case Study House 03

Situation:
Aufgrund von Familienzuwachs beschlossen die Bauherren, die Küche in die Verlängerung des Raumkontinuums von Ess- und Wohnzimmer zu verlegen. In der ehemaligen Küche fand ein weiteres Kinderzimmer Platz. Von der neuen Küche sollte eine Maisonettetreppe ein weiteres Arbeits- und Schlafzimmer im Dachgeschoss erschließen.

Stair Case Study House 03, Gerd Streng Architekt, kombiniertes Küchen-Treppenelement
Stair Case Study House 03, kombiniertes Küchen-Treppenelement, Fotos: Uwe Scholz

Maßnahme:
Die Maisonettetreppe wurde in zwei Abschnitte geteilt. Die ersten fünf Stufen führen auf die Küchenanrichte, die hier 1,20 m tief ausgeführt ist. Eine zweite Treppe versteckt sich unter den ersten fünf Stufen. Als mobiler Tritt auf Rollen macht sie die hohen Oberschränke zugänglich. Über der Anrichte schwebt das eigentliche, abschließbare Treppenhaus, dessen massive Stufen aus dunkler Raucheiche in einem Mäander zur Anrichte zurückgeführt werden. Eine LED-beleuchtete Halbkugel als Bullauge erlaubt auf kindgerechter Höhe breit gestreute Durchblicke.

Stair Case Study House 03, Gerd Streng Architekt
Stair Case Study House 03
Stair Case Study House 03, Gerd Streng Architekt
Fotos: Uwe Scholz

In der oberen Etage befindet sich ein Rückzugsraum mit Arbeitsplatz und Schlafmöglichkeit. Ausgewählte Exemplare einer umfangreichen Comicsammlung sind in der Brüstung der Treppenöffnung untergebracht, die als Regal ausgeführt ist. Eine transparente Absturzsicherung aus einem Polyesterrost schließt die ebenfalls als Treppe ausgeführte Stirnseite des Comicregals ab.

Stair Case Study House 03, Gerd Streng Architekt
Stair Case Study House 03, Rückzugsraum im DG
Stair Case Study House 03, Gerd Streng Architekt
Fotos: Uwe Scholz

Die Abtreppung erhöht auf elegante Weise die Regalkapazität und macht den zweiten Zugang zum Haupttreppenhaus des Gebäudes von 1912 besser nutzbar. Stair Case Study House 03 ist baurechtlich deshalb als nicht notwendige Treppe allein gestalterischen Fragen verpflichtet. Ein elektrisch bedienbares Oberlicht sowie eine dezente Lichtvoute sorgen für eine angemessene Grundbeleuchtung.

Stair Case Study House 03, Gerd Streng Architekt, Perspektive
Stair Case Study House 03, Perspektive, Grafik: Gerd Streng

Nutzer: privat (4 köpfige Familie)   
Bauleitung: Eigenleistung Bauherr
Innenarchitekt: Gerd Streng
Tragwerksplanung: Mark Lyczynski, Lüneburg   
       
Projektdaten:
Standort: 21075 Hamburg-Harburg
Nutzflächen: 1.OG: ca. 20,7 m², 2.OG: ca. 25,0 m², gesamt ca. 45,7 m²
Baukosten: Gesamt brutto ca. 65.000 € ohne Eigenleistung (ca. 1.422 €/m² NF)
Die Gesamtkosten beinhalten neben dem Treppenobjekt alle Küchengeräte, alle Wand- und Bodenoberflächen, die Dämmung des Daches sowie das Dachflächenfenster.

Hersteller:
Glasfaserverstärkter Polyesterrost: CTS GmbH, www.ctscom.de
Leuchte OG: Petzoldt CP Leuchten GmbH, www.petzoldt.de – Modell Slimline System 30, 28W
Treppe: Stufen Raucheiche, alle anderen Bauteile Multiplex lackiert (RAL 9010)



Stair Case Study House 04

Situation:
Zwei identische, übereinanderliegende Wohnungen im 2. und 3. OG eines Gründerzeithauses werden von einer Familie mit zwei Kindern sowie deren Großmutter bewohnt. Die obere 3-Zimmer-Wohnung der Familie war um ein Zimmer zu klein, die untere Wohnung wurde von der Großmutter als zu groß empfunden. Deshalb entschlossen sich die Bauherren ein Zimmer der unteren Wohnung der oberen zuzuschlagen und dieses mit einer internen Treppe zu erschließen.

Stair Case Study House 04, Gerd Streng Architekt, kombiniertes Schrank-Treppenelement
Stair Case Study House 04, kombiniertes Schrank-Treppenelement, Fotos: Uwe Scholz

Die neue Maisonettetreppe bindet das neue Elternschlafzimmer mit eigenem Bad an die obere Wohnung an, ohne die autarke Funktionsfähigkeit der unteren Wohnung zu beeinträchtigen. Lediglich eine Doppeltür gewährleistet die Fluchtmöglichkeit durch den Flur der unteren Wohnung zum Haupttreppenhaus.

Der Raum unter dem Treppenlauf ist mit einem Schrankmöbel besetzt, das mit dem Volumen der Treppe zu einer homogenen Raumskulptur verschmilzt. Am unteren Treppenabsatz öffnet sich die Tür zum Schlafzimmer, das man über drei Schubladenstufen erreicht.  Der komplette Treppenraum ist weiß lackiert bzw. verputzt, mit Ausnahme der beweglichen Teile Tür/Klappladen, der Ablagewandfläche am oberen Treppenabsatz sowie der Untersicht des Sitzplatzes. Diese Flächen sind mit spiegelndem Kupfer verkleidet, das das Tages- und Kunstlicht in einem angenehm warmen Licht reflektiert.

Stair Case Study House 04, Gerd Streng Architekt, Klappladen zum Treppenhaus
SCSH 04, Klappladen zum Treppenhaus
Stair Case Study House 04, Gerd Streng Architekt, bewegliche Elemente aus spiegelndem Kupfer
bewegliche Elemente aus spiegelndem Kupfer<br>Fotos: Uwe Scholz

Der Raum für die neue Treppe wurde aus dem Kinderzimmer der oberen Wohnung ausgespart und direkt an den Flur angebunden. Um den Raumverlust des Kinderzimmers zu minimieren beschränkt sich das Treppenhaus auf 80cm Breite und bietet der Tochter einen kleinen Sitzplatz mit großer Verglasung zur Treppe. Auf diese Weise wird die Treppe natürlich belichtet – ohne Einblicke in das Kinderzimmer zu ermöglichen. Mit einem Klappladen lässt sich das Fenster zur Treppe verdunkeln.

Stair Case Study House 04, Gerd Streng Architekt, Perspektive
Stair Case Study House 04, Perspektive, Grafik: Gerd Streng
Stair Case Study House 04, Gerd Streng Architekt, Schnitt
Stair Case Study House 04, Schnitt, Grafik: Gerd Streng

Nutzer: privat (4 köpfige Familie)    
Bauleitung: Eigenleistung Bauherr
Innenarchitekt Treppenobjekt: Gerd Streng
Architekt Gesamtumbaumaßnahme ohne Treppenmöbel: Publicplan Architektur + Gestaltung, Helge Kühnel, Dipl.-Ing. Architekt, www.publicplan-architekten.de
Tragwerksplanung:

Ingenieurbüro für Tragwerksplanung Markus Böller & Ralf Zabiegay GmbH & Co. KG
Mark Lyczynski

Projektdaten:
Standort:
20251 Hamburg
Nutzfläche:
Whg. 2.OG: ca. 74,5m²
Whg. 2./3.OG: ca. 117,6m² (2.OG: ca. 21,3 m², 3.OG: ca. 96,3m²)
Baukosten: Gesamt brutto Treppenobjekt ca. 20.000 € ohne Eigenleistung

 

Weitere Projekte zum Thema »Treppen, Rampen, Aufzüge« lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe DETAIL 2014/4.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2014

Treppen, Rampen, Aufzüge

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