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Glissando in Weiß: Anton-Bruckner-Universität in Linz

Zehn Jahre lang war die Linzer Anton-Bruckner-Privatuniversität eine Musikhochschule ohne echte Heimat: 2004 als Nachfolgerin des örtlichen Bruckner-Konservatoriums gegründet, waren ihre Institute lange Zeit über mehrere Standorte in der Stadt verteilt und dort von notorischer Raumnot geplagt.

Um Abhilfe zu schaffen, hatte das Land Oberösterreich 2008 einen einstufigen, EU-weit offenen Architektenwettbewerb für den Neubau ausgelobt.  Darin setzte sich das – schon im Team mit den wesentlichen Fachplanern angetretene – Architekturbüro 1 aus Linz  gegen 47 weitere Mitbewerber – durch.

Mit einem „leichten Vorhang im gewachsenen Baumbestand“ hatte die Wettbewerbsjury seinerzeit den Entwurf verglichen, und dieses Bild vermittelt auf den ersten Blick auch das gebaute Objekt. Der Neubau steht im Linzer Stadtteil Urfahr, rechts der Donau

und damit gegenüber der Altstadt, zu Füßen des Pöstlingsbergs. In der näheren Umgebung stehen vor allem Ein- und Mehrfamilienhäuser; das kurvenreiche Straßennetz folgt eher der Topografie als einer übergeordneten städtebaulichen Idee. Entsprechend frei gestalteten auch die Architekten ihren Neubau als 140 Meter langen, leicht U-förmig gekrümmten Baukörper, dessen geschwungene Fassaden sich abwechselnd ein- und auswärts neigen.

Sie wurden dem Stahlbetonbau als Holzriegelkonstruktionen vorgehängt und erhielten ihrerseits einen weißen Kammputz auf Putzträgerplatten. Die zumeist hochrechteckigen Lochfenster treten aus der Ferne kaum noch in Erscheinung, da eine äußere Fassadenschicht aus weißen Aluminiumlamellen das Gebäude fast komplett einhüllt. Die einzigen Ausnahmen bilden die Zugänge von der Straße im Norden sowie die gebäudehohe, schräggestellte Pfosten-Riegel-Fassade, mit der sich der Neubau zum südlich angrenzenden Park öffnet. Daneben führt eine breite Freitreppe hinauf zu einer Freiterrasse auf Höhe des ersten Obergeschosses.

Raum für über 1000 Musiker

Das Haut bietet in drei über- und zwei unterirdischen Geschossen Platz für 850 Studierende, 220 Lehrende und bis zu 600 Veranstaltungsbesucher. Unter der Erde liegen vor allem Lager- und Technikräume, die Tiefgarage sowie einige Probenräume. Die größten Raumvolumina sind im Erdgeschoss untergebracht. Dazu zählen ein großer Konzertsaal, ein Orgel- und Kammermusiksaal, ein Tanz- und ein Tonstudio sowie am Ostende des Gebäudes insgesamt zehn Unterrichts- und Vortragsräume. In den beiden Obergeschossen befinden sich die Verwaltungsbüros sowie an die 100 kleinere Unterrichts- und Probenräume.

Als verbindendes Element zwischen den Ebenen dient das gebäudehohe Atrium, von dem aus sich breite, teils ihrerseits durch Lufträume verbundene Korridore durch das ganze Gebäude erstrecken. Im Erdgeschoss des Atriums – und im Sommer auch im davor liegenden Gastgarten – hat ein Restaurant seinen Platz gefunden, das auch externen Besuchern offen steht.

Auch in puncto Nachhaltigkeit verfolgten die Bauherrschaft und ihre Architekten höchste Ambitionen: Schon in der Wettbewerbsauslobung war gefordert, dass der Neubau in Passivhausqualität – nach österreichischer Definition, also mit einem Heizwärmebedarf von 10 kW/m2a laut österreichischem Energieausweis – errichtet werden sollte. Diesen Anspruch löst das Gebäude mit Dreifachverglasung sowie 30 Zentimetern Dämmung in Fassaden und Dach ein. Auf dem Dach wurde überdies eine

200 m² große Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 30 KWp montiert, die pro Jahr rund 30.000 KWh Strom liefern soll. Auch eine thermische Solaranlage mit einer Größe von 20 m2 zur Erzeugung von Warmwasser ist im Februar 2015 in den Probebetrieb gegangen.

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