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HVB-Tower innen

Green Building in Silber: HVB-Tower in München saniert

Wenn ein Gebäude 25 Jahre nach seiner Fertigstellung unter Denkmalschutz gestellt wird, ist das ein Qualitätsausweis. Bei der Verwaltungszentrale der HypoVereinsbank war es 2006 so weit. Auch die sonst eher hochhausskeptisch eingestellten Münchener haben den Silberturm mit seinem markanten Außentragwerk inzwischen in ihr Herz geschlossen, obwohl er als erstes Hochhaus überhaupt die magische 99-Meter-Grenze übertraf, die von den Zwillingstürmen der Frauenkirche vorgegeben wurde.

Die eigenwillige Tragstruktur des Hauses, das über eine Art gigantische Rohrschellen an vier außen liegenden Pylonen befestigt ist, resultiert aus dessen Unterbau: Direkt unter dem Turm führt die Münchener U-Bahn vorbei, deren Tunnel die Fundamente nicht berühren durfte. Ein zentraler, tragender Kern verbot sich daher. Im Inneren der Megastützen zirkulieren Aufzüge und Versorgungsleitungen, außerdem sind hier die Fluchttreppen untergebracht. Die Büroebenen - im Grundriss drei gleichschenklige Dreiecke – sind nicht direkt an den Megastützen befestigt. Sie stehen teilweise – ähnlich übereinander gestapelten Tischen aus Stahlbeton – auf einer Technikebene im elften Obergeschoss, die als gigantischer Querträger fungiert. Die unteren Bürogeschosse sind von dieser Ebene abgehängt.

Flankiert wird der Turm im Norden und Süden von zwei Flachbauten. Einer davon wurde in den vergangenen drei Jahren gemeinsam mit dem Turm ebenfalls saniert. Die Arbeiten am nördlichen Flachbau beginnen in den nächsten Wochen; sie sollen noch bis 2019 dauern.

Kurze Werbepause

Fassadensanierung im „Reißverschlussverfahren“

Flächeneffizienz, Wirtschaftlichkeit, Denkmalschutz und Nachhaltigkeit – so benennt Peter Weidenhöfer, dem Vorstand der HVB Immobilien, die vier Säulen des Sanierungsvorhabens. Ein Schlüssel für den gesunkenen Energieverbrauch (minus 50% bei der Wärme und minus 25% beim Strom) war der Austausch der Fassade. Zwei riesige, auf den Pylonen montierte Kräne nahmen die geschosshohen Elemente vom Rohbau ab und montierten die neuen, besser gedämmten Fassaden. Dabei ging man sukzessive von unten nach oben vor und achtete darauf, dass nie mehr als zwei bis drei Geschosse gleichzeitig offen standen -  schließlich sollte der Turm nie als nacktes „Gerippe“ im Münchener Stadtbild in Erscheinung treten.

Während die charakteristischen, an den Ecken gerundeten Blechpaneele gereinigt und wiederverwendet wurden, ist der Rest der Fassaden komplett neu. Von außen gesehen, sind sie ansichtsgleich mit dem Zustand vor der Sanierung, jedoch wesentlich besser gedämmt und mit Kastenfenstern versehen, deren innere Flügel sich motorisch kippen lassen. Zwischen den beiden Fensterebenen ist nun ein Sonnenschutz angebracht. An Stelle der einstigen Brüstungskonvektoren erhielten die Büroebenen Heiz- und Kühldecken, die im Heizfall mit Fernwärme versorgt werden und ihre Kühlenergie aus dem Grundwasser beziehen.

Arbeitswelten 4.0

Auf den Bürebenen verbirgt sich im einheitlich weiß-grauen Business-Outfit eine erstaunliche Vielzahl von Arbeitsplatzkonfigurationen. Entlang der Fenster sind halbhohe „Cubicles“ in zwei Reihen angeordnet und in der Raummitte eine „Coworking Area“ für die Gruppenarbeit. Die Besprechungsräume befinden sich in den Gebäudeecken. Sämtliche Arbeitsplätze sind non-territorial; die Angestellten müssen also abends ihr Hab und Gut in Schließfächern im Eingangsbereich der jeweiligen  Etage deponieren. Die Fächer lassen sich mit dem jeweiligen Mitarbeiter-Ausweis öffnen. Ein kleines Detail unterstreicht, dass Nachhaltigkeit bei der HVB ganzheitlich gedacht wird: Abgesetzte Druckaufträge landen zunächst in einer Warteschleife. Ausgedruckt werden sie erst dann, wenn (und dort, wo) der jeweilige Mitarbeiter seinen Ausweis an einen frei wählbaren Drucker hält.

Im dreigeschossigen Eingangsfoyer zu Füßen des Turms erhob sich vor dem Umbau eine baumartige Skulptur mit dreieckigen „Blättern“ aus Metallblech (George Rickey: „Vierzig Dreiecke in drei Sätzen“). Die Architekten ließen sie demontieren und ersetzten sie durch eine Großplastik, die sich aus dem Bauwerk selbst entwickelt. Ein spitzwinkliger „Kristall“ aus weißen Mineralwerkstoffplatten umspielt jetzt die Brüstungen und lenkt die Blicke hinauf zur Atriumsüberdachung, die – natürlich – gleichfalls aus dreieckigen Glaselementen besteht.

 

weitere Informationen:

Bruttogrundfläche: 140.000 m2
Baukosten netto: 250 Mio. €

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