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Green Office

Die Gestaltung nachhaltiger Arbeitswelten ist ein interdisziplinäres Unterfangen, das von der Architektur bis zur Mitarbeitermotivation reicht. Eine gut strukturierte Einführung ins Thema vermittelt der Band „Green Office“ des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).

Wie sich Büroarbeitsplätze und –strukturen nachhaltiger gestalten lassen, ist eine der Kernfragen, denen das Forschungs-Verbundprojekt „OFFICE21“ am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart auf den Grund gehen will. Mit dem Buch „Green Office“ geben Institutsleiter Dieter Spath und seine mehr als 40 Mitautoren nun erstmals einen umfassenden Überblick über dieses Thema. „Green Office“, das stellen die Herausgeber gleich eingangs klar, umfasst dabei mehr als nur „grüne“, also ökologische Themen, sondern folgt einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbegriff, der von der Energieeffizienz der Gebäudehülle bis zur Gesundheit am Arbeitsplatz reicht. „Green Building“, „Green Interior“, „Green IT“ und „Green Behaviour“ lauten die vier Hauptkapitel des Buchs. Entsprechend breit aufgestellt ist das Autorenteam, das dazu beigetragen hat. Es umfasst unter anderem Architekten und Innenarchitekten, Betriebs- und Immobilienwirte, Elektro- und Bauingenieure, IT-Fachleute, Diplom-Psychologen und einen Sportwissenschaftler.

„Green Office“ wendet sich nicht primär an Architekten und Planer, sondern – so der Klappentext – an „Unternehmensleitung, Personal-, IT-, Organisations- und Facility-Verantwortliche“. Die Qualitäten des Buchs liegen daher eher in der Breite als in der Detailtiefe, wenngleich einige Beiträge (etwa zu den Themen Raumklima oder „Green IT“) durchaus Maßstäbe setzen hinsichtlich Informationsgehalt und systematischer Darstellungsweise. Andere Teilkapitel (und dies ist bei einer solchen Vielzahl an Autoren auch kaum vermeidbar) haben dagegen eher summarischen Charakter oder betrachten genuin architektonische Themen einmal unter ganz anderem Blickwinkel. So handelt das Teilkapitel „Nachhaltige Gebäudehüllen“ zwar von Bürofassaden, behandelt diese jedoch konsequent aus der Perspektive des Managements und weniger des Entwerfers.

In diesem Perspektivwechsel und dem breiten Blickwinkel auf das Thema liegt der eigentliche Wert dieses Buchs. Zwar hätte man sich an einigen Stellen mehr konkrete Zahlen und Fakten und vor allem die eine oder andere zusätzliche Tabelle oder Grafik gewünscht. Doch letztlich blickt, wer bereit ist, sich auf dieses Buch einzulassen, künftig anders auf die Entwurfsaufgabe „Büro“. Er wird erfahren, wie viele – und welche – Bemühungen auch lange nach Baufertigstellung noch notwendig sind, um die Nachhaltigkeitspotenziale von Büroumgebungen wirklich zu nutzen.

Interessant zu lesen sind nicht zuletzt auch die Berichte über Praxisprojekte in „Green Office“. Man erfährt darin unter anderem, wie die Telekom an ihren Büroarbeitsplätzen den Stromverbrauch für IT gesenkt hat, welche Strategien der Büroorganisation und CO2-Minderung die Deutsche Bank beim Umbau ihrer beiden Bürotürme in Frankfurt verfolgt oder wie deutsche Mittelständler die eigenen Mitarbeiter einbinden, um in einem Vorschlagswesen zur Verbesserung des eigenen Arbeitsumfelds beizutragen.

Fazit: Architektur ist in „Green Office“ zwar nur eines von vielen Themen. Dennoch ist dieses Buch für alle Architekten empfehlenswert, die ihren Auftraggebern auch über die Leistungsphasen 1 bis 4 hinaus mit fachlichem Rat zur Seite stehen wollen. Denn es ermöglicht ihnen ein besseres Verständnis der Belange von Bauherren, Nutzern und Fachplanern und vermittelt so ein gutes Rüstzeug für die interdisziplinären Planungsprozesse, die heute für nachhaltige Büroimmobilien unverzichtbar sind.

Green Office. Hrsg.: Dieter Spath, Wilhelm Bauer, Stefan Rief. Gabler Verlag 2010. 369 Seiten. ISBN 978-3-8349-2390-5. 49,90 €.

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