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Großformatige Illusion: Folkwang Bibliothek in Essen

Die Folkwang Universität der Künste verfügt über einen der größten musikwissenschaftlichen Bestände bundesweit. Bislang wurden die rund 190.000 Noten, Bild- und Tonträger, Bücher und sonstigen Medien in verschiedenen Archiven und Bibliotheken der Region gesammelt. Nun wurden die musikwissenschaftlichen Bestände der Folkwang Universität in einem Neubau mit transluzenter Gebäudehülle zusammengefasst.

Architekt: Max Dudler, Berlin Frankfurt Zürich
Standort: Klemensborn 39, 45239 Essen

Folkwang Bibliothek in Essen von Max Dudler, Foto: Stefan Müller
Hauptfassade zum Ehrenhof, Foto: Stefan Müller

Auf dem Gelände der Folkwang Universität der Künste in Essen-Werden, beheimatet in einer barocken, ehemals fürstlichen Residenz, wurde die neue Bibliothek mit einem der größten musikwissenschaftlichen Bestände bundesweit eröffnet. Das Gebäude von Max Dudler ersetzt den 1969 abgerissenen Lazarettbau aus dem 19. Jahrhundert, der eine Lücke im Ensemble hinterließ.
 
Der Neubau, der auf dem So­ckel einer vor­han­de­nen Stütz­mau­er aus Bruch­stein entstand, orientiert sich im Süden am Ver­lauf der Stra­ße und grenzt im Osten an den Seitenflügel des Verwaltungsbaus. Das Ge­bäu­de­vo­lu­men der neuen Bibliothek entspricht in sei­nen Ab­mes­sun­gen dem des ge­gen­über­lie­gen­den sog. Preu­ßen­flü­gels.

Blick in den Hof mit Bibliothek, Foto: Stefan Müller
Lageplan, Grafik: Max Dudler
Schnitt A-A, Grafik: Max Dudler
Südseite der Bibliothek, Foto: Stefan Müller
Fassade zur Straße Klemensborn, Foto: Stefan Müller

Max Dudlers Konzept für den neuen Biblitheksbau folgt der Vorstellung eines »Schmuckkästchens«: eine äußere Hülle soll den wertvollen Kern des Gebäudes schützen. Die Funktionsbereiche gruppieren sich in Schichten um den Lesesaal im Zentrum des Hauses. In strenger Ordnung sind um ihn herum die Bücherregale angeordnet, die dem gesamten Gebäude Maß und Struktur geben.

Das Haus hat zwei Eingänge: Vom Ehrenhof erfolgt der Hauptzugang zur Bibliothek über eine Freitreppe, die in typologischer Annäherung an die Eingänge der anderen Gebäude am Hof gestaltet wurde. Ausleihe, Medienzellen, Verwaltung und Garderobe befinden sich im Erdgeschoss; der Lesesaal im ersten Obergeschoss. Die kompakten Archivbereiche der Bibliothek sind im Souterrain untergebracht.

Eingangsbereich, Foto: Stefan Müller
Grundriss Erdgeschoß, Grafik: Max Dudler
Grundriss 1. Obergeschoß, Grafik: Max Dudler
Blick durch die Bibliothek auf die Fassade, Foto: Stefan Müller
Lesesaal; Die Inneneinrichtung der Bibliothek, wie Regale, Tische und Stühle, wurde ebenfalls von Max Dudler entworfen. Foto: Stefan Müller
Fotos: Stefan Müller

Ein besonders sensibles und auch anspruchsvolles Thema bei Bibliotheksbauten ist das Licht. Sowohl die Leser als auch die Bücher benötigen zwar Licht vertragen aber gleichzeitig keine intensive Strahlung. Für Max Dudler war dieser Zusammenhang ein zentraler Ausgangspunkt der architektonischen Lösung für den Neubau auf dem barocken Campus: Die Isolierglaseinheit einer konventionellen Pfosten-Riegel-Fassade erhält innenseitig einen mehrfarbigen Fotoaufdruck. Verwendet wurden dafür großformatige Nahaufnahmen des Trosselfels-Steinbruchs bei Regensburg, die den unbehauenen Stein im Maßstab 1:1 zeigen. Die Gestaltung der Fassade wurde in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Stefan Müller entwickelt.

Die Fassadenmotive stammen aus dem Trosselfels Steinbruch bei Regensburg.
A1
B1
C1
E1

Für die Gesamtkomposition der Fassade wurden zwölf Motive verschiedener Formate zusammengefügt. Die wechselnden Aufnahmen des rohen Steins verleihen der Fassade Bewegtheit und räumliche Tiefe. Die Transluzenz des Baukörpers bricht die Grenzen von Innen und Außen auf. Die Räume der Bibliothek sind in ein gefiltertes Licht getaucht, dass durch das Licht aus den Oberlichtern des Lesesaal noch unterstützt wird. Unterhalb dieser Oberlichter, die als mechanisch öffenbare Lichtkuppeln für den Rauchabzug geplant sind, ist eine Membrane gespannt, die das Licht bricht bevor es tief in den dreistöckigen Lesesaal fällt. Neben der optischen Funktion haben die magnetisch gehaltenen Bespannungen einen sehr positiven Einfluss auf die Raumakustik.

12 Motivausschnitte in allen Formaten, Grafik: Max Dudler
Fassadenschnitt, Grafik: Max Dudler
Fassadendetail, Foto: Stefan Müller

Technische Realisierung
Der verbreitete Druck auf PVB-Folien im Scheibenzwischenraum hat den Nachteil, dass nur eine Seite gut, die andere aber blass ist. Die meisten anderen Verfahren, die eine beidseitige Ansicht zulassen, besitzen wiederum nur sehr schwache Kontraste. Dabei soll die Wiedergabe sowohl aus der Fernsicht als auch im Nahbereich überzeugen. Diese Eigenschaften besitzt der direkte Druck auf die Scheibe. Bei diesen Spezialverfahren werden UV-härtende Tinten wie bei einer Emaillierung mit einem UV-Brenner auf der Oberfläche fixiert. Für die Farbwiedergabe stehen 6 Druckfarben und zusätzlich die Farbe weiß zur Verfügung. Die Auflösung ist maximal 1080dpi. Zuvor sind zahlreiche Qualitätstests notwendig. Der Glasaufbau wurde für die Bibliotheksfassade vom IFT-Institut Rosenheim geprüft. Das Ergebnis: Nach 2000 Stunden UV-Licht Bestrahlung konnten keine sichtbaren Veränderungen festgestellt werden.

Drucke der Motive als Farbproofs
Farbabgleich im Werk
Musterscheibe Direktdruck für physikalische Messung
Einbau der Glaselemente

Das Gebäude wurde als Stahlbeton-Skelettkonstruktion mit aussteifendem Kern geplant. Die Fassade ist als Pfosten-Riegel-System an den auskragenden Deckenplatten angebracht. Lage und Format der Betonstützen orientieren sich an den Rastermaßen der Regale. Die Pfeiler sind mit Kirschbaumholz verkleidet, das auch die Regale im Lesesaal prägt. Nicht alle Stützen sind tragend. Die nicht tragenden Stützen bilden die Wege der Medienführung für eine mechanische Teilklimatisierung. Indem die Lüftungsleitungen direkt durch den Stahlbeton der Deckenplatten geführt sind, aktivieren sie die Speichermassen des Baustoffs. Durch die Kopplung mit einem Wärmetauscher konnte ein Beitrag zur ressourcenschonenden Energienutzung realisiert werden.

Stand: März 2012
Stand: März 2012 <br>Fotos: Stefan Müller
Stand: Mai 2012

Bau der Folkwang Bibliothek in einer Minute from Folkwang University of the Arts on Vimeo.

Hauptfassade zum Ehrenhof, Foto: Stefan Müller
In den Abendstunden illuminiert das Gebäude den Cour d’honneur; Foto: Stefan Müller

Bauherr: Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW, Duisburg
(Mit Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung)
Nutzer: Folkwang Universität der Künste

Planungsbeginn: 2006
Baubeginn: 2010
Fertigstellung: September 2012
Bauvolumen BGF: 1.707 m²
Kosten: 7,4 Millionen Euro
Generalunternehmer:
Derichs u Konertz GmbH u Co KG, Krefeld
Fassadenbau: Wigger Fenster und Fassaden GmbH & Co. KG
Druck: Colora-Druck GmbH

Glasfassade:
1000 m²
(verteilt auf ca. 600 Scheiben)
Max. Glasgröße: ca. 2400x800x10 mm
Produktionszeit für den Druck:
ca. 50 Arbeitstage

Weitere Informationen
www.folkwang-uni.de

www.maxdudler.com

Stichworte:
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DETAIL 9/2018, Schulen

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