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Dorte Mandrup, Ribe, Wattenmeerzentrum, Vadehavscenter, Reetdach, Reetdeckung, Robinienholz, Ausstellung, Marianne Levinsen

Großskulptur mit Reetdach: Wattenmeerzentrum in Ribe

Flach ist das Land an Dänemarks Westküste, und stetig fegt der Westwind über Viehweiden und Getreidefelder. Topografie und Witterung haben auch die traditionelle Bauweise der Bauernhöfe geprägt: Es sind zumeist U-förmige Anlagen mit nach Osten oder Norden offenem und damit windgeschütztem Hof.

Das in den 90er-Jahren errichtete Wattenmeerzentrum bei Ribe war eine wenig überzeugende Neuinterpretation dieses Bautypus mit weiß geschlämmten Ziegelmauern, roten Ziegeldächern und einer großflächig verglasten Eingangsfassade. Bei der jetzt fertiggestellten Erweiterung hat das Büro von Dorte Mandrup das Vorhandene erhalten und es doch visuell weitgehend ausgelöscht. Eine neue, skulptural geformte Hülle aus Schilfrohr und Robinienholz fasst Alt und Neu zu einer gemeinsamen Großform zusammen.  

Die Erweiterungsbauten docken im Norden und Osten an den Bestand an und ergänzen ihn zu einem geschlossenen Vierseithof. Neu hinzugekommen ist außerdem ein frei stehendes Langhaus ganz im Süden mit zwei Gruppenräumen für Schulklassen. Im Nord- und Ostflügel der Anlage informiert eine Ausstellung über das Wattenmeer und seine Tierwelt; das ehemalige Haupthaus im Westen beherbergt Veranstaltungsräume und ein Café. Nur der Verwaltungstrakt, der jetzt im Zentrum der Anlage steht, blieb bei der Sanierung unangetastet.

Die Außenverkleidung deutet an, welche Gebäudeteile saniert und welche neu sind: Bestehende Dachflächen und Fassaden wurden mit schmalen, grau lasierten Robinienholzlatten verkleidet. Dahinter verbirgt sich nach wie vor das zweischalige Ziegelmauerwerk des Bestandsgebäudes, in dem die Architekten lediglich einige Fenster vergrößern ließen. Die neuen Gebäudeteile erhielten eine Reetdeckung mit Schilfrohr aus zwei nahe gelegenen Meeresbuchten. Insgesamt wurden nach Berechnungen der Architekten auf 2600 m2 Fläche rund 25000 Schilfbündel angebracht, wobei vor allem die teils weit auskragenden Dachüberstände ein Novum für diese traditionsreiche Handwerkskunst darstellten.

Im Innenhof hat die Landschaftsarchitektin Marianne Levinsen Pflanzinseln mit Tundra-Vegetation gestaltet. Sie erinnern an das Brutrevier vieler der Millionen Zugvögel, die jährlich auf der Durchreise im Wattenmeer rasten. Auf den Freiflächen rund um den Gebäudekomplex wurden hingegen einheimische Gräser und Wiesenblumen eingesät.
Aus dem Bestandsgebäude übernommen haben die Architekten die Art des Tragsystems: Die Stahlskelettbauweise gab ihnen die größte Freiheit bei der Formgebung und der Raumaufteilung im Inneren. Das Dach des Erweiterungsbaus besteht aus vorgefertigten Holztafelelementen, die zwischen die Stahlrahmen eingehängt wurden. Nur das (ebenfalls reetgedeckte) Gebäude der Museumspädagogik ist ein reiner Holzbau.

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Weitere Informationen:

Landschaftsarchitektin: Marianne Levinsen, Kopenhagen
Tragwerksplanung: Anders Christensen, Birkerød
TGA-Planer: Steensen Varming, Kopenhagen
Ausstellungsarchitektur: JAC Studios, Kopenhagen, Jason Bruges Studio, London, No Parking, Kopenhagen

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 12/2017.

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