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Grüne Pläne, explodierende Kosten: das Olympische Dorf in Vancouver

Das Olympische Dorf für die Winterspiele 2010 sollte – und wird wohl auch – zum ökologischen Vorzeigeprojekt werden. Finanziell jedoch droht sich das Megaprojekt für die für die kanadische Westküsten-Metropole Vancouver in ein Fiasko zu verwandeln. Nun scheint wenigstens die fristgerechte Fertigstellung gesichert.

Olympisches Dorf, Vancouver, Norm Hotson, Hafen
Foto: Millennium SEFC Development

Der vielleicht nachhaltigste Aspekt bei der Planung des Olympischen Dorfs 2010 in Vancouver war die Standortwahl: Der False Creek, ein Meeresarm mitten im Stadtzentrum, ist schon länger Brennpunkt des innerstädtischen – meist hochpreisigen – Wohnungsbaus. Der South East False Creek, eines der letzten noch nicht entwickelten Gebiete am Ufer, beherbergte bis vor wenigen Jahren Docks, Gießereien, Sägewerken, Lagerhäusern und die örtlichen Startwerke. Nun entstehen hier nach einem Masterplan des kanadischen Architekten Norm Hotson 16 Wohngebäude mit 1100 Wohneinheiten für 2800 Athleten sowie ein Gemeindezentrum. Für die Entwürfe der einzelnen Gebäude zeichnen ausschließlich einheimische Architekten verantwortlich, darunter Altmeister Arthur Erickson, Merrick Architecture, die GBL Architect Group und Lawrence Doyle Young Wright Architects.

Geplant ist, dass alle Neubauten im Gebiet mindestens LEED Gold-Standard erreichen. Für das Gemeindezentrum streben die Planer LEED Platinum an, ein Wohngebäude soll komplett energieneutral betrieben werden können und ebenfalls nach LEED Platinum zertifiziert werden.

Zu den „grünen“ Features des olympischen Dorfs gehören intensiv begrünte Dächer, die Nutzung von Regenwasser für die Toilettenspülung und Wärmerückgewinnung aus dem Abwasser. Nachhaltig nutzbar sein soll das Dorf auch nach dem Ende der Spiele. Fast ohne Umbauten, betonen die Planer, soll es in ein ganz normales Wohnviertel umgewandelt werden; in die Trainingseinrichtungen und Kantinen der Athleten sollen Läden einziehen.
Von den 1100 Wohnungen werden 250 zu Sozialwohnungen umgewandelt, 120 werden am freien Markt vermietet und 730 verkauft. 300 dieser Wohnungen werden bereits jetzt vermarktet; 90 Prozent von ihnen haben bereits Abnehmer gefunden.

Weniger erfreulich gestaltete sich die finanzielle Seite des Abenteuers Olympia lange Zeit für die Stadt Vancouver und ihre Bewohner: Im Februar 2009 meldeten mehrere Zeitungen, ein Baustopp drohe, da die Entwicklungsgesellschaft Millennium Properties die stark steigenden Kosten nicht mehr tragen könne. Der Baufinanzierer Fortress Investment Group hatte aufgrund der Kostenexplosion im Herbst 2008 seine Zahlungen eingestellt; seither musste die Stadt alle Rechnungen selbst begleichen. Im Februar 2009 einigten sich Bürgermeister Gregor Robertson und Fortress auf die Übernahme aller noch offenen Forderungen an Millennium durch die Stadt. Im Gegenzug überwies Vancouver rund 300 Millionen Kanada-Dollar an Fortress. Die Gesamtkosten für die Quartiersentwicklung werden insgesamt auf mehr als eine Milliarde Kanada-Dollar (rund 640 Millionen Euro) veranschlagt. Somit dürfte das Abenteuer „Olympisches Dorf“ jeden Vancouverianer nach seinem Abschluss umgerechnet mehr als 1,400 Kanada-Dollar kosten.

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