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Interview, Patrizia Moroso, Motel One, Berlin

Gutes Design muss eine Synthese bilden: Interview mit Patrizia Moroso

Frau Moroso, wir befinden uns hier im Herzen von Berlin. Was verbinden Sie mit dieser Stadt?
Berlin ist ein Traum für mich, der Mythos meiner Jugend. Ich war 20 oder 21, als ich das erste Mal herkam. Deutschland war ein vollkommen anderes Land damals, Berlin eine völlig andere Stadt. Aber ich fühle mich ihr seitdem verbunden und bin eigentlich jedes Jahr hier. Berlin ist eine Stadt der Kunst, und ich liebe Kunst. Mit einigen Künstlern hier bin ich gut befreundet, mit Olafur Eliasson zum Beispiel. Ich habe hier in der Stadt aber auch viele eigene schöne Projekte, vor allem Hotels. Patricia Urquiola hat mit uns Das Stue eingerichtet, Werner Aisslinger das 25Hours.

Wie kam es zu der Kooperation mit Motel One und was war Ihr Konzept für dieses Haus?
Unsere Zusammenarbeit mit Motel One begann in München, danach haben wir ein Haus in Wien eingerichtet, dann eines in Zürich, eines in London... Wir kennen uns also schon eine Weile. Bisher waren wir allerdings nur die Lieferanten der Möbel, hier in Berlin haben wir zum ersten Mal alle Stücke gemeinsam mit Motel One ausgewählt. Die Architektur dieses Gebäudes ist sehr streng, schön und stark. Diesem Raum muss man innenarchitektonisch auf Augenhöhe begegnen, mit der gleichen Kraft. Wir haben uns für kräftige Farben entschieden, um die Atmosphäre wärmer zu gestalten. Berlin ist schon so grau und kalt, dem wollten wir etwas Wärme entgegensetzen. (lacht) Wir arbeiten hier mit vielen verschiedenen Designs von sehr unterschiedlichen Designern. Es ist wie im richtigen Leben: Ein Haus ist nicht fertig, wenn man einzieht. Es wächst mit. Auch in einem Hotel will man sich vertraut fühlen und willkommen. Dafür muss man Dinge kombinieren. Wie in einem Wohnhaus, in dem es Schichten gibt von alten, neuen und ganz alten Dingen. Erbstücke, Geschenke, alle möglichen Sachen, die sich ansammeln. Das ist menschlich, glaube ich. (lacht)

Das heißt, Sie haben hier eine Collage aus Moroso-Möbeln geschaffen?
Ja, das kann man so sagen. Den Sessel Soft Big Easy von Ron Arad zum Beispiel gibt es bald dreißig Jahre. Die Einrichtung hier ist wie ein Spaziergang durch unsere Unternehmensgeschichte, die auch ein Stück Designgeschichte ist. Aber wichtig sind nicht nur die skulpturalen Möbel. Es geht darum, Beziehungen zwischen den Stücken aufzubauen. Manche nehmen sich zurück und bilden eher den Hintergrund. In der Verschiedenheit liegt ihre Schönheit.

Von Patricia Urquiola bis Sebastian Herkner – Sie haben viele Designer »entdeckt« oder ihren Erfolg vorausgesagt. Woran merken Sie, dass ein Designer oder eine Designerin gut zu Ihrem Unternehmen passt?
Lebenserfahrung? (lacht) Ich bin kein Talentscout auf der Suche nach dem »neuen Star«. Ich glaube an eine Bestimmung. Alle Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten wollte, sind zu mir gekommen oder ich zu ihnen. Die Gruppe Front habe ich beim Salone Satellite kennengelernt. Patricia Urquiola wurde mir von Freunden empfohlen, sie arbeitete in einem großen Designstudio, niemand kannte ihren Namen, aber ich habe ihr Talent sofort gespürt. Wir sind sehr gute Freundinnen, auch wenn wir uns nicht ständig sehen. Wir werden jetzt zusammen alt. (lacht) Doshi Levien haben mir seinerzeit einen Brief geschickt. Er war pink und gold und riesengroß, selbstverständlich aus Indien. Wunderschön. Ich habe sie angerufen. Eine Woche später trafen wir uns in ihrem Atelier. Man muss einfach seinem Gefühl folgen.

Was ist gutes Design?

Die Designwelt ist klein. Alle Menschen, die ich dort kenne, widmen sich ganz ihrem Werk. Ein guter Designer muss sich mit vielen künstlerischen Disziplinen auskennen. An erster Stelle mit bildender Kunst, denn die Entstehung eines Kunstwerks ist ähnlich zu der eines Designobjekts. Aber das Kunstwerk steht für sich, nicht für eine Funktion, deshalb steht die Kunst über allem. Der Architekt kreiert einen Raum, der zwar mit der Stadt in Verbindung steht, aber nicht mit anderen Dingen. Designer müssen sich mit Kunst auskennen, mit Architektur und mit Musik. Musik ist der Rhythmus des Lebens, jedes Objekt hat einen Rhythmus. Gutes Design muss eine Synthese bilden aus all diesen kreativen Disziplinen und der Funktion. Das ist das Besondere an Design. Und das Besondere der Menschen, die es erschaffen. Deshalb arbeite ich so gerne mit ihnen zusammen.

Frau Moroso, vielen Dank für das Gespräch.

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