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Hadi Teherani, Hamburg

Hadi Teherani
Johannes Schulte

Hadi Teherani gilt als kreativer Kopf des Hamburger Architektenteams BRT – Bothe Richter Teherani. Mit der 2003 gegründeten Hadi Teherani AG setzt er sein Talent jedoch auch immer stärker im Produktdesign ein. Hier entstanden beispielsweise die erfolgreiche Bürostuhlserie „Silver“ für Interstuhl sowie Leuchten, Beschläge, Badezimmerserien, Boden- und Wandbeläge. Zum Launch der Design-Fliesenkollektion »Vorwerk Scale® by Hadi Teherani« sprach DETAIL Redakteurin Katja Reich mit Hadi Teherani und Johannes Schulte, Geschäftsführer der Vorwerk Teppichwerke.

DETAIL: Herr Teherani, was gab den Ausschlag für die Gründung eines eigenständigen Designbüros?

Hadi Teherani: Die Ursprünge liegen bereits in meinem ersten Büro in Köln – damals habe ich Mode und Architektur gemacht. Was mich seitdem begleitet, ist dieses ganzheitliche Denken, wie wir es aus dem Bauhaus kennen. Das ist der eine Aspekt. Der andere ist, dass wir im Zusammenhang mit unseren Architekturprojekten immer sehr viel Know-how und Arbeit in Details gesteckt haben, die dann aber immer nur einmal, für einen Bauherrn, für ein Projekt umgesetzt wurden. Dabei entstehen hochkomplexe Prototypen, wie sie die Industrie niemals machen würden, wenn es keine entsprechende Vervielfältigung gäbe. Dazu kam, dass wir trotz des großen Angebots immer wieder nach ganz speziellen, passenden Produkten wie z.B. Heizkörpern, Steckdosen oder Türen gesucht haben. So haben wir angefangen, unser Know-how auch in Produkte zu stecken, mit denen unsere Gebäude ausgestattet werden sollten.

DETAIL: Sind Sie mit Ihren Ideen dann direkt auf die Industrie zugegangen?

Hadi Teherani: Zunächst war es so, dass die Industrie bereit war, unsere Produkte herzustellen, wenn wir selbst eine entsprechende Menge abnehmen. Für einige unserer Projekte haben wir dann die Leuchten entworfen. Das waren aber noch keine Produkte für den Markt. Daher kommt allerdings die Idee, dass es ein sehr interessantes Geschäftsfeld sein könnte, als Architekt weitere Aufgaben zu übernehmen und sogar in den Privatbereich hineinzukommen, mit Produkten, wie z.B. Teppichboden, die man im Büro wie zu Hause nutzen kann. Die Übergänge werden hier zunehmend fließend, denn schließlich wollen wir uns ja nicht nur in Teilbereichen unseres Lebens mit schönen Dingen umgeben.

DETAIL: Können Sie sich noch an Ihr erstes industrielles Produkt erinnern?

Hadi Teherani: Ja, eines der ersten war der »Silver Chair« vor sechs Jahren – eine große Herausforderung. Architekten sagen immer, das schwerste ist, einen Stuhl zu entwerfen. Denn gerade von unseren Vorbildern – Corbusier, Mies van der Rohe, Charles Eames – gibt es alle diese Klassiker, die einfach nicht tot zu kriegen sind. Und sich da irgendwann einzureihen – dann wäre man „geadelt“.

DETAIL: War der Erfolg dieser Stuhlserie ausschlaggebend für die Gründung des eigenen Designbüros?

Hadi Teherani: Nein, das Designbüro war als Idee schon vorhanden. Der Silver Chair war nur eines der ersten Projekte, die daraus hervorgegangen sind.

DETAIL: Sie sagen, dass sie in Zukunft nicht nur Produkte fürs Büro entwerfen wollen, sondern mehr und mehr auch für den Bereich Wohnkultur. Arbeiten Sie an einer eigenen Lifestylemarke?

Hadi Teherani: Das haben Sie richtig erkannt. Was ich aber nicht vorhabe, ist eine eigene Möbelserie mit eigenem Vertrieb und eigener Produktion. Da müssten wir uns viel zu sehr auf eine Produktkategorie konzentrieren. Wir verstehen uns eher als Partner der Industrie und wollen es hier nicht versäumen, als Marke für gutes Design, für guten Lifestyle zu stehen. Angefangen habe ich mit diesem Architekturprojekt, (Wohn- und Bürohaus am Kaiserkai, Hafencity Hamburg, Anm. d. Red.) für das wir verschiedene Wohnwelten entworfen haben. Alle Wohnungen beruhen auf einem bestimmten Grundmodul, bieten aber, wie in der Autoindustrie, zahlreiche Modellvarianten. Innerhalb der Wohnungen haben wir uns auf einzelne Bereiche, wie z.B. das Esszimmer, konzentriert und dafür alles entworfen. Von der Wandgestaltung, über den Boden, die Stühle, den Tisch bis hin zu Geschirr und Tischdecke.

DETAIL: Sie würden Ihre Produkte aber nicht unbedingt immer mit Ihrer Architektur verknüpfen wollen, oder?

Hadi Teherani: Nein, man muss keine Wohnung kaufen. Wir würden es auch gut finden, wenn jemand nur den Teppichboden oder die Leuchte kauft. So gehen ja auch andere vor, insbesondere die Modeleute. Denken Sie nur an Armani Casa, Armani Fiori und Armani Dolche oder auch an Jette Joop, die mit Viebrock sogar ein eigenes Musterhaus entwickelt hat. Wir arbeiten inzwischen alle in einer Welt, in der die Übergänge fließend sind. Es kommt nur darauf an zu entscheiden, wozu man einen Beitrag leisten kann und auf was man Lust hat.

DETAIL: Denken Sie auch an eigene Flagship-Stores?

Hadi Teherani: Jetzt natürlich nicht, aber wenn mein Brand irgendwann so stark ist, dass verschiedene Firmen es gerne für große Serien nutzen, dann könnte man das angehen. Mein Ziel ist es zunächst, ein Brand zu kreieren und gutes Design für den Markt zu machen. Wenn in der Parfümerie dann Teherani neben Armani steht – dann wissen wir, dass wir es als Marke geschafft haben. Nein, im Ernst, wir müssen aufpassen, wofür unser Name stehen soll. Sowohl in der Architektur, als auch im Produktdesign wollen wir über unsere Qualität erkannt werden. Wir haben Spaß am Schöpferischen, am Erfinden, am Machen. (– die betriebswirtschaftliche Seite ist dabei nicht das oberste Ziel.)

DETAIL: Woher nehmen Sie das Know-how für die vielen unterschiedlichen Produkte?

Hadi Teherani: Wir müssen das komplette Know-how gar nicht selber haben. Wichtiger ist der Wille, etwas machen zu wollen, und die Vorstellungskraft für Veränderungen und Verbesserungen. Zunächst skizzieren wir unsere Ideen und stecken damit den Rahmen ab. Für die Umsetzung sind viele weitere Schritte und das Know-how aller Beteiligten nötig. Bei den Stühlen z.B. wusste ich auch nicht, wie die Hydrauliktechnik funktioniert. Aber ich wusste, dass ich auf keinen Fall diese Hebel haben wollte, um den Sitz hoch und runter zu bewegen. Da mussten sich die Ingenieure auf unsere Anregung hin etwas Neues einfallen lassen. Es genügt also oft, konsequent »Nein« zu sagen, um neue Entwicklungen anzustoßen und damit zu außergewöhnlichen Produkten zu kommen.

DETAIL: Es gibt also kein Produkt, von dem Sie sagen: das kann ich nicht?

Hadi Teherani: Als Architekten sind wir es gewohnt, die Problematik der Aufgabe und deren Funktionsabläufe zu erkennen, um dafür eine Lösung zu finden. Im Produktdesign ist es genau das gleiche. Es gilt einfach, für komplexe Dinge eine einfache Lösung zu finden. Dieser Prozess macht uns Spaß, ganz gleich um welche Aufgabe es sich handelt.

DETAIL: Und gibt es ein Produkt, dass Sie gerne mal entwerfen würden?

Hadi Teherani: Gerne würde ich ein schönes Handy entwerfen. Lösungen für Dinge zu finden, die der Mensch tagtäglich in Gebrauch hat, reizen mich.

DETAIL: Wie ist das Verhältnis zwischen Architektur- und Designprojekten?

Hadi Teherani: Noch immer sind es mindestens 80 Prozent Architektur, aber wir wollen uns noch stärker mit dem Design beschäftigen. Denn bei der Architektur baut man immer nur Prototypen und ist dafür zehn Jahre lang in der Haftung. Das ist beim Produktdesign viel angenehmer, da liegen die Verantwortung und die Vermarktung ja beim Hersteller. Sehr verführerisch – trotzdem würde ich die Architektur nicht aufgeben. Aber schön wäre es, wenn wir zukünftig noch mehr selektieren und nur noch Projekte machen könnten, die uns auf neue Wege führen. Mir ist einfach schnell langweilig, darum muss ich immer wieder Neues ausprobieren.

DETAIL: Herr Schulte, wie kam es zu der Kooperation mit Hadi Teherani?

Johannes Schulte: Wir wollten einfach gerne mit ihm zusammenarbeiten, denn die Punkte, die er gerade angesprochen hat, sind genau die, die man von außen wahrnimmt: dass er spektakuläre Objekte entwirft, neue Wege geht und ganz konsequent an den Dingen feilt, um eine Lösung zu finden. Und gerade wenn man im Objektgeschäft weiterkommen, wachsen und innovativ sein will, dann braucht man unbedingt die richtigen Partner.

DETAIL: Die Aufgabe bestand ganz konkret darin, an der Teppichfliese zu arbeiten, warum?

Johannes Schulte: In der Architektur ist die Teppichfliese international ein absolutes Muss. Es gibt ganz wenige Objekte, die mit Doppelböden ausgestattet sind und keine Fliesen haben. 3 Millionen Quadratmeter sind es allein in Deutschland, in England sind es 12 Millionen Quadratmeter, in Frankreich 8 Millionen. Das sind riesige Märkte, die man nur dann erfolgreich bedient, wenn man auch gute Produkte hat. Und technisch gute Produkte können wir schon herstellen, das ist keine Frage. Aber es kommt darauf an, dass man neue Wege geht, eine neue Gestaltung findet und eine neue Sichtweise bezüglich der Nutzung unserer Produkte entwickelt. Bereits der erste Kontakt mit Hadi Teherani hat gezeigt, dass wir hier auf einer Wellenlänge denken und so hat sich in der Folge auch die Kooperation sehr erfolgreich und im Ergebnis vielversprechend entwickelt.

DETAIL: Die neue Kollektion beruht auf der so genannten »TEXtiles®-Technologie«. Was hat es damit auf sich?

Johannes Schulte: Die TEXtiles-Technologie ist ein innovatives, umweltgerechtes Beschichtungsverfahren, dass dazu geeignet ist, die bisher üblichen PVC- oder Bitumenbeschichtungen bei Fliesen ohne Einbußen bei den gewohnten Nutzungseigenschaften zu ersetzen. Da wir bei Vorwerk schon seit langem auf ökologische und ressourcenschonende Produktionsverfahren setzen, haben wir in den letzten zwei Jahren sehr viel Know-how und Geld in die Entwicklung einer technischen Produktionsanlage für dieses komplett recycelfähige Produkt investiert.

DETAIL: Herr Teherani, fanden Sie es denn spannend Teppichfliesen zu entwerfen?
Hadi Teherani: Ich fand es spannend, dass man nicht nur etwas Dekoratives haben wollte, sondern dass es wirklich darum ging, an dem Thema Fliese grundsätzlich zu arbeiten. Denn eigentlich mag ich keine Teppichfliesen. Als ich darüber nachgedacht habe, warum das so ist, war schnell klar, dass es an dem genormten Format liegt. Aber auch daran, dass die Fliese so tut, als wäre sie ein ganzer Teppich. Die Teppichfliese hat zwar sehr viele funktionale Vorteile, die auch dem Architekten einleuchten. Aber gerne setzt er sie trotzdem nicht ein. Schon während des ersten Gesprächs habe ich Skizzen gemacht. Mir war klar, dass wir an den Formaten etwas ändern mussten, um ein kreatives Produkt zu bekommen, mit dem man bewusst gestalten kann.

DETAIL: Herr Schulte, ist eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geplant?

Johannes Schulte: Vertrauen und Offenheit sind die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, denn ich habe die Erfahrung gemacht, je enger die Vorgaben sind, desto genauer bekommt man das, was man sich vorgestellt hat. Das ist in der Regel aber nichts Neues. Deswegen hat uns diese Zusammenarbeit auch so viel Spaß gemacht, weil immer neue Dinge kamen und innovative Ideen Realität wurden. Wenn wir damit erfolgreich sind, möchte ich eine Fortsetzung nicht ausschließen.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2009

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