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Hamburger Domkaskaden als Verbindungsglied von Tradition und Moderne

Gima, Girnghuber, Hamburg, Domkaskaden, Fassade
Foto:GIMA-Ziegel (U. Wozniak, Salzbergen)

Die heute überwiegend mit Handel und Schiff­fahrt assoziierte Hansestadt Hamburg war früher Bischofssitz und hatte einen echten Dom – im Zentrum der Altstadt, wo heute Banken und Börse das Geschehen prägen. Die Domstraße, unmittelbar hinter dem Rathaus, erinnert noch immer daran und mit ihr ganz aktuell ein neues Bürohaus: die Domkaskaden. Ein spannungsvoller Solitär, der sich auf engstem Raum mit seinen zwölf Geschossen quasi in den Himmel schraubt. Etwas ganz Neues sollte geschaffen werden an der Schnittstelle zwischen den Klinkerbauten des Kontorhausviertels und dem eher klassizistisch geprägten Börsenquartier. Ergänzt man noch als weitere Vorgabe die Optimierung der belichteten Nutzfläche im Verhältnis zu den notwendigen Erschließungsflächen, so sind damit die wesentlichen, objektprägenden Gestaltungsideen der Architekten Schenk + Waiblinger aus Hamburg umschrieben.

Die Solitärstellung des Hauses auf sehr engem Raum bestimmt seine Grundform. Es gibt keine Schaufassade. Der Baukörper ist von allen Seiten gleichermaßen erlebbar in seiner plastischen Ausformung. Das Erdgeschoss ist mit dem ersten Obergeschoss durch die Fassadengestaltung optisch zusammengefasst und bildet gemeinsam mit den folgenden vier Geschossen einen Sockelbaukörper. Die weiteren darüber aufsteigenden Geschosse drehen sich derart heraus, dass die Auffächerung der östlichen Kante des Gebäudes dem Verlauf der Domstraße folgt. Den Ursprung hat diese Drehung und die gleichzeitige Staffelung von jeweils zwei Geschossen im örtlichen Baurecht, das die Abstände zu den Nachbar­gebäuden in Abhängigkeit von der Bauwerkshöhe regelt. Mit diesem Trick konnte, bei Einhaltung der vorgegebenen Raumkanten, ein Optimum an Nutzfläche realisiert werden. Architektonisch schafft diese Drehung spannungsvolle Teilansichten – teils dramatisch mit Spitzen, Ecken und Kaskaden, andererseits dann aber auch in ihrer Ausgewogenheit an das nahe gelegene Chile-Haus erinnernd.

Grundsätzlich ist die Außenhaut als Lochfassade mit hochformatigen Fensterelementen und einer hinterlüfteten Vormauerschale aus Klinker-Sichtmauerwerk konzipiert. Um den durch die sehr nahe Nachbarbebauung stark eingeengten Standort optisch auszuweiten, wurden die einzelnen Fassaden gestreckt, das heißt Fenster und Pfeiler sind zur rechten Gebäudekante hin breiter geplant, sodass die perspektivische Wahrnehmung verstärkt wird. Die von 90 auf 260 cm ansteigenden Fensteröffnungen schaffen zusätzliche Dynamik. Die Pfeiler wurden im gleichen Verhältnis unter Berücksichtigung der Mauerwerksmaße verbreitert. Die Lebendigkeit der von allen Seiten und aus allen Richtungen so unterschiedlichen Fassadenstrukturen entfalten ihren eigentlichen Reiz jedoch erst durch die feinglänzende Salzglasur auf der Oberfläche des schwarz-braunen Klinkers. Zu den unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten und abhängig vom Sonnenstand soll dieser Stein immer wieder mit seinem ständig wechselnden Farbspiel überraschen.

Unter dem Namen »feletto« bietet der Hersteller Girnghuber den Stein an. Verarbeitet ist er im NF-Sonderformat von 235 x 115 x 71 mm, um auf das Büro-Ausbauraster von 1,35 m zu reagieren, und ist ergänzt um 24 verschiedene Formsteinformate, die u.a. die Schrägstellung der gedrehten Geschosse berücksichtigen. Fuß- und Glattsortierung wurden im Verhältnis 70:30 gemischt, um im Zusammenspiel mit der Salzglasur die Natürlichkeit des keramischen Scherbens zu unterstreichen. Damit signalisieren diese eleganten hochwertigen Fassaden gleichzeitig ihre Verbundenheit mit den ehrwürdigen Kontorhäusern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – als neu interpretierte Tradition der Kaufmannsarchitektur.

Foto:GIMA-Ziegel (U. Wozniak, Salzbergen)
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2010

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