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Hamburgs schönste Kurven – die Bogenrolltreppe der Elbphilharmonie

Sie sind einmalig in Form und Technik: die Bogenrolltreppen in der Hamburger Elbphilharmonie. Seit Anfang November 2016 befördern sie das Publikum zur Aussichts­plattform »Plaza«, den zentralen Platz der Elbphilharmonie. Die Aussichtsplattform ist zudem Verteilerebene, von der aus man Konzertsäle, Hotel und Wohnungen, aber auch Konferenzzentrum, Wellnessbereich, Restaurants, Cafés und Bars erreicht. Entwickelt hat die Rolltreppe die Firma Kone.

Die beiden Bogenrolltreppen führen vom Haupteingang durch eine 80 m lange Röhre, die »Tube«, zur Zwischenebene auf 30 m Höhe mit Blick auf die Landungsbrücken. Der Krümmungsradius der Bogenrolltreppen liegt bei 210 m, ihre Neigung nimmt von 26,5 Grad zu Beginn auf 8 Grad am Ende ab. Während der zweieinhalbminütigen Fahrt können die Besucher nicht vom einen zum anderen Ende sehen – ganz gleich, ob sie nach vorne oder zurückschauen. Heller Putz, 7900 irisierende Glaspailletten und der Lichteinfall von beiden Enden inszenieren die Tube zusätzlich.

Von der Zwischenebene aus führt ein Rolltreppenpaar auf 21,10 m die Besucher durch eine zweite Röhre, die »kleine Tube«, bis fast zur Plaza. Statt mit den üblichen 30 Grad sind die »Plaza-Rolltreppen« mit 17,25 Grad geneigt. Das macht auch sie zur Sonderkonstruktion: Führungen, Balustraden und Sockel wurden speziell angefertigt. Anschließend steigen die Besucher über eine 15-stufige, breite Treppe zur Plaza hinauf.

Die Bogenrolltreppen sind mit 80,20 m die längsten Anlagen Westeuropas und überwinden 21,43 m. Länge und Förderhöhe der Anlagen in Kombination mit ihrer Bogenform erforderten einen außerordentlichen Konstruktionsaufwand. Mit Ausnahme der Gerüste sind die meisten Komponenten Serienprodukte. Sonderanfertigungen sind die Sektionalantriebe mit speziellen Antriebsrädern und Sensorik, die Stufenketten, die Sockel und die Controller-Einheit, mit der die Umrichter der einzelnen Antriebe per Bus-System verbunden sind.

Vor Installation der Bogenanlagen erstellte Kone 2008 in Hattingen ein 1:1-Modell, um Konstruktionsdetails auf ihre Praxistauglichkeit zu testen, darunter die Stufenkette und das Zusammenspiel von Sektionalantrieben und Controller-Einheit. Da die Anlage für den Testbetrieb so realistisch wie möglich ausgelegt wurde, konnten viele Komponenten später wiederverwendet werden.

Für die Bogenrolltreppen wurde eine notwendige Gesamtleistung von 60 kW errechnet – das 7,5-Fache einer typischen Kaufhausrolltreppe (Größenvergleich Bogenrolltreppe und Kaufhaustreppe: Foto unten links). Um die Last gleichmäßig auf die Kette zu verteilen, wurde die Leistung nicht auf einen Antrieb im Kopf, sondern auf vier Asynchronantriebe entlang des Gerüsts verteilt: die Sektionalantriebe.

Die Rolltreppen können das gesamte Besucheraufkommen zwischen Haupteingang und Plaza bewältigen. Selbst eine Totalevakuierung ist über die Rolltreppen möglich. Die Anlagen lassen sich von der Gebäudeleitwarte in eine Richtung schalten. Die Stauräume an den Anlagenenden sind entsprechend großzügig ausgelegt. Gleiches gilt für die Stufenhöhen, die durchgehend unter dem typischen Wert von 230 mm bei 30 Grad Neigung liegen. Sie sind damit trotz variierender Höhen der Setzstufen fluchtwegtauglich. Bei Notfällen – so wie nach Konzertende, wenn die Besucher zügig nach Hause wollen – lassen sich die Anlagen von 0,3 m/s im Nacht- bzw. 0,5 m/s im Tagbetrieb auf 0,63 m/s hochfahren.

Weitere Informationen: Kone GmbH, Hannover

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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 3/2017
Konzept: Wohnkonzepte für das Alter

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