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Kannikegarden, Lundgaard, Tranberg, Ribe, Gemeindezentrum, Ziegel, Dompfarrei, Ausgrabung

Handgefertigter Ziegelpanzer: Kannikegarden in Ribe

Ribe gilt als besterhaltene mittelalterliche Stadt, ihr Dom als bedeutendste romanische Kirche Dänemarks. Wer ihm gegenüber einen Neubau errichtet, bewegt sich auf (und in) geschichtsträchtigem Grund und Boden. Das erlebte auch der Rat der örtlichen Domgemeinde, als er am Standort eines 2000 abgebrannten Wohn- und Geschäftshauses seine neue Dompropstei errichten wollte. Archäologen entdeckten auf dem Grundstück die ältesten christlichen Gräber in Dänemark sowie Mauerreste eines Refektoriums aus dem 12. Jahrhundert. Es diente einst den Domherren (dänisch Kannike) der benachbarten Kirche als Speisesaal, weshalb das neue Gemeindezentrum heute unter dem Namen „Kannikegarden“ firmiert.

Die Auslobung für den Architektenwettbewerb 2012 forderte, die historischen Ziegelmauern in den Neubau zu integrieren. Lundgaard & Tranberg gewannen die Konkurrenz mit einem Entwurf, der zugleich archaischer und moderner wirkt als die benachbarten, traditionell gemauerten Backsteinhäuser. Das verglaste Erdgeschoss dient zur Hälfte als öffentlich zugänglicher Ausstellungsraum, die andere Hälfte entfällt auf einen Mehrzwecksaal und das Eingangsfoyer der Dompropstei. Auf der dem Platz abgewandten Südseite des Gebäudes vermittelt ein abgetreppter Gartenhof zwischen dem Straßenniveau und der etwa 2,50 Meter tiefer gelegenen Grabungsstätte.

Außen vor der Glasfassade tragen quadratische Betonstützen mit extra rauer Bretterschalung die Obergeschosse. Dazwischen sind breite, drehbar gelagerte Eichenholzdielen zur Verschattung angebracht, die sich von Hand (mit einigem Krafteinsatz) in die gewünschte Position bringen lassen. Ein Anstrich aus farblosem, mit Leinöl verdünntem Kiefernholzteer verleiht dem Holz eine goldgelbe Färbung. Ähnlich grobe und teils krumm gewachsene Eichendielen bilden eine abgehängte Lamellendecke im Erdgeschoss.
In den beiden Obergeschossen des Hauses sind Büros und ein Gemeindesaal mit rund 100 Plätzen untergebracht. Hier verbirgt sich ein tragendes Stahlskelett hinter einer ungewöhnlich großformatigen Ziegelhülle aus 63 x 35 cm großen und 3 cm dicken Platten. Die handgefertigten Ziegel besitzen Maßtoleranzen von mehr als einem Zentimeter, was sich in einer überaus rauen Ästhetik niederschlägt. Auch die Dachrinnen verschwinden hinter kastenartigen Ziegelverkleidungen, die von groben Stahlklammern gehalten werden. Nur an den Ortgängen und am First erhielt das Gebäude mit grünlich-braunen Tombakblechen einen geradlinigeren Abschluss.

Im Gebäudeinneren suchten die Architekten tunlichst alle weißen Oberflächen zu vermeiden. Auf dem Fußboden liegt Stabparkett; die Gipskartonwände und –decken sind in Dunkelrot und Ockertönen gestrichen und werden von Wandanbauleuchten theatralisch ins Szene gesetzt. Leuchtstofflampen sucht man im ganzen Haus vergeblich. Über den Arbeitsplätzen hängen stattdessen Pendelleuchten, die man sonst eher im privaten Arbeitszimmer oder über dem Esstisch vermuten würde.

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Weitere Informationen:

Tragwerksplaner: Oesten IngeniØrer & Arkitekter, Aabenraa, DK
Bauherrenberatung: Kim Christiansen, Aarhus, DK
Landschaftsarchitektur: SchØnherr, Aarhus, DK
TGA-Planer: Esbensen Rådgivende IngeniØrer, Sønderborg, DK
Bauunternehmung: Jorton, Aarhus, DK

Fotos: Jakob Schoof



Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 11/2017.

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