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Haus am Seeufer, Langenargen

Haus am Seeufer in Langenargen
Auf dem Grundstück am Bodensee stand bereits sehr zentral eine erhaltenswerte Jugendstil-Villa. Die Kunst war es, dem Grundstück den passenden Bauplatz abzuringen. Alle Fotos: Florian Kunzendorf/Lignotrend

Nachverdichtung der unaufdringlichen Art: ein kompakter Zweigeschosser für eine junge Familie liegt verborgen unter dem Blätterdach des umgebenden Baumbestands, direkt am Bodensee. Wunsch der Bauherren war es, auf dem großen Seegrundstück mit der im Zentrum stehenden Jugendstilvilla ein schlichtes, modernes und nachhaltiges Wohnhaus zu errichten. Geplant von den Architekten Geckeler aus Konstanz entstand hier ein beispielhaftes Gebäude, das als Holzbau in Passivbauweise fast energieautark funktioniert.

Der schlichte und unaufgeregte Bau konnte mit seinem cleveren und ganzheitlichen Planungskonzept bereits mehrere Preise gewinnen. So ist es in einem von der Zeitschrift »Das Haus« und den Landesbausparkassen ausgelobten Wettbewerb als »Das Goldene Haus« prämiert worden. Hinzu kommt der Preis in der Rubrik »Wohnbau« des Holzbausystemherstellers Lignotrend. Besonderes Augenmerk dieses Industriepreises liegt auf der engen Zusammenarbeit von Architekten, Fachingenieuren und Holzbauunternehmer, die hier unter den besonderen Gegebenheiten des Grundstücks besonders wichtig war.

Die zentral auf dem Grundstück stehende Villa ließ wenig Möglichkeiten für einen geeigneten Bauplatz. Die Baugrenze zum einen und das Ufer des Bodensees zum anderen schränkten die Varianz ein. Letztlich kam nur ein knapp 11 m breiter Baustreifen an der Nordseite des Bestandsgebäudes infrage. In unmittelbarer Nähe, aber räumlich von der Villa getrennt, erstreckt sich der schlanke Baukörper entlang der Grundstücksgrenze im Norden. Das Haus öffnet sich mit seiner großzügig verglasten Westfassade und der einladenden Terrasse zur Seeseite hinab.    

Die Erschließung erfolgt über einen schlanken, langen Steg von der Straße, vorbei am Carport und zur Eingangsbox. Durch die Eingangstür kommend erschließt sich schnell die klare Raumfolge des Holzbaus. Die Treppe in das Obergeschoss mit den Schlafräumen und dem Bad der Familie versetzten die Architekten aus der Blickachse nach außen, um den einzigartigen Blick über die Terrasse in Park und See nicht zu verstellen. Die quaderförmige Kubatur mit den wenigen Überhängen hatte große Vorteile bei der Realisierung in Passivhausbauweise. Das nicht unterkellerte Gebäude »schwebt« auf Stahlstützen, die in Einzel­fundamenten gelagert sind. Die vorgefertigten Bodenelemente werden von einem Holzrahmen aufgenommen. Modular elementierte Lignotrend-Wandbauteile wurden anschließend mit speziell entwickelten »Krakla-Bändern« biegesteif untereinander und mit den Bodenelementen verbunden. Eine weitere konstruktive Besonderheit: die Montage der zellulosegedämmten Wandteile erfolgt ausschließlich durch simple Steckverbindungen mit Metallbolzen. Die Decke über dem Erdgeschoss ist als Holz-Beton-Verbunddecke ausgeführt, die ebenfalls biegesteif mit den Wänden verbunden wurde. Die Verbundkonstruktion erwies sich als sehr effizient, was das geringe Schwingungsverhalten und die gute Schalldämmung betrifft – anders als Konstruktionen in herkömmlicher Holzrahmenbauweise und mit Holzbalkendecke. Die konstruktive Ausführung als biegesteifer Rahmen machte aussteifende Zwischenwände überflüssig. Ein großer Vorteil für das Haus am See, denn die Zwischenwände bleiben anpassbar und das Haus kann ohne Eingriffe in die Statik durch weitere Module ergänzt werden. Die Fassade ist mit gebäudehohen Indus­trieglastafeln verkleidet und gehalten in Stahlprofilen. Kühle Luft strömt durch den 4 cm schlanken Puffer von unten ein, wird über ihren Weg durch die Zwischenhaut erwärmt und strömt oben wieder aus. Das Prinzip eines riesigen Luftkollektors, der die Passivhausfunktion des Gebäudes noch unterstützt. Diese zusätzliche Energiequelle ist in den Energieausweis des Hauses nicht einmal eingeflossen. Der darin errechnete Wert von 1,3 l Heizöl/m2a wird jetzt im Gebäudebetrieb sogar noch unterschritten. Eine kontrollierte Lüftungsanlage mit im Erdreich verlegtem horizontalen Luftkollektor zur Vortemperierung der Ansaugluft sorgt für möglichst geringe Lüftungswärmeverluste. Ein 1000-l-Schichtenspeicher kommt zur Warmwasserbereitung und zur Heizungsunterstützung über ein Nachheizregister zum Einsatz. Er speist sich aus den solaren Wärmegewinnen einer 8 m2 großen Vakuumkollektorfläche. Über den integrierten Plattenwärmetauscher erfolgt die Aufbereitung von frischem Warmwasser. Um wertvolles Trinkwasser zu sparen, wird Regenwasser in einer 9 m3 fassenden Zisterne gesammelt, die WCs und Waschmaschine sowie die Bewässerungsanlage im Garten mit Regenwasser versorgt.

In summa verwundert es eigentlich nicht, dass Architekten und Baufamilie bereits zwei Preise für das in vielerlei Hinsicht nachhaltige Haus am Bodensee bekommen haben. Eine clevere wie auch wirtschaftliche Lösung, die durchaus beispielhaft für das modulare Bauen mit Holz ist.

Haus am Seeufer in Langenargen
Klar, simpel, kostengünstig. Die reinen Baukosten beliefen sich auf nicht einmal 270 000 Euro für die über 200 m2 Wohn- und Nutzfläche.
Der Wohnraum ist großzügig geschnitten und lichtdurchlfutet. Von hier öffnet sich der Blick über die Terasse bis hinunter zum Bodensee.
Wohnen, Kochen, Essen – alles geht fließend inein­ander über und unterstreicht die Offenheit des Entwurfskonzepts.
Haus am Seeufer in Langenargen
Die Fensterfronten reichen von Wand zu Wand. Besonders wichtig in der Planung war der größtmögliche Erhalt des alten Baumbestands auf dem Grundstück.
Die Fassade ist mit gebäudehohen Industrieglastafeln verkleidet. »Konstruktiver« Wetterschutz: so entfällt das Streichen der Fassade komplett.

Projektdaten
Architekten, Bauleitung: Architekten Geckeler, Konstanz
Vermesser: Rainer Blum, Illmensee
Energienachweis: IB Frank Kunkel, Zwickau
Tragwerksplaner: Hartmut Häussler, Illerkirchberg
Zimmerer: Martin Holzbau, Dornbirn (A)
Schlosserarbeiten: Schlosserei Markus Kalb, Dornbirn (A)

Produkte und Hersteller
Bodenplatte: Lignotrend HBF 247 mm, Lignotrend U*Psi 360 mm
Wände: Lignotrend U-Psi 360 mm, Lignotrend Installa 66 mm
Decke: Holz-Beton-Verbund-Fertigteil 288 mm, Lignotrend Produktions GmbH,
Weilheim-Bannholz, www.lignotrend.com
Dämmung Wände/Decke: Isofloc Wärmedämm GmbH, Lohfelden, www.isofloc.de
Deckenuntersicht, Innenwand: Fermacell GmbH, Duisburg, www.fermacell.de
Außenwandbeplankung, Bereich Treppenwand: Cembrit GmbH, Hamburg,
www.cembrit.de
Dämmung Bereich Treppenwand: va-Q-tec AG, Würzburg, www.v-a-q-tec.com
Fassadenbekleidung, Glas: Profilit Glas klar, 370/41 mm, Bauglasindustrie GmbH, Schmelz/Saar, www.nsg.com
Dampfsperre Dach: Bauder KSD, Paul Bauder GmbH & Co. KG, Stuttgart,
www.bauder.de
Dachabdichtung: Rhepanol fk, Klettsystem, FlachdachTechnologie GmbH & Co. KG, Mannheim, www.fdt.de
Türen: Moralit stumpf anschlagend, Moralt AG, Bad Tölz, www.moralt-ag.de
Türbänder: Tectus, Simonswerk GmbH, Rheda-Wiedenbrück, www.simonswerk.de
Parkett: Diamantnuss 3-Schicht, 15 mm, Wohngesund International, Wien (A),
www.wohngesund.at
Fliesen, Boden/Wand: V&B Fliesen GmbH, Merzig, www.villeroy-boch.com
Lüftungsanlage: Aerex HaustechnikSysteme GmbH, Villingen-Schwenningen,
www.aerex.de
Fenster: Holz-Alu deggsal plus Monoblock, Deggelmann GmbH, Konstanz-Dettingen www.deggelmann-fenster.de
Stahl-Holz-Treppe: Fuchs Treppen, Herbertingen, www.fuchs-treppen.de
Elektroschalter: Jung LS 990 reinweiß, Albrecht Jung GmbH & Co. KG,
Schalksmühle, www.jung.de
Schalttechnik, Verteiler: Hager Vertriebs­gesellschaft mbH & Co. KG, Blieskastel, www.hager.de
Jalousien: Warema Renkhoff SE, Markt­heidenfeld, www.warema.de
Garagentor: Pfullendorfer Torsysteme, Pfullendorf, www.pfullendorfer.de

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